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Autobauer Daimler beendet das Zweiklassensystem im Vertrieb und holt ausgelagerte Mitarbeiter zurück

Vorstandschef Ola Källenius ordnet den Vertrieb neu: Daimler holt 2500 ausgelagerte Mitarbeiter in den Mercedes-Niederlassungen zurück in den Konzern.
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Daimler beendet das Zweiklassensystem im Vertrieb Quelle: dpa
Mercedes-Niederlassung in Stuttgart

Durch die digitale Vernetzung und den Vormarsch der Elektromobilität rückt der Kontakt zum Endkunden aber plötzlich wieder in den Fokus von Autoherstellern.

(Foto: dpa)

München Mit seiner offenen und freundlichen Art zieht Daimler-Chef Ola Källenius selbst Kritiker schnell auf seine Seite. Dass der beliebte Schwede auch vor harten Einschnitten keineswegs zurückschreckt, hat er freilich schon 2015 bewiesen.

In seiner damaligen Funktion als Vertriebschef der Autosparte Mercedes restrukturierte der Manager die deutsche Handelsorganisation und verkaufte gegen alle Widerstände der Arbeitnehmervertreter 63 von 158 herstellereigenen Niederlassungen und Betrieben mit 3500 Beschäftigten.

Das Ziel lautete: Kosten senken, Profite steigern. Alle neu eingestellten Niederlassungsmitarbeiter und die Vertriebstruppe der Kleinwagenmarke Smart wurden dafür in zwei Subgesellschaften ausgelagert, die Bestandsbelegschaft verblieb dagegen bei der Daimler AG.

Ein Zweiklassensystem entstand. Schließlich sind die derzeit etwa 2500 Beschäftigten bei der „Mercedes-Benz Vertrieb PKW GmbH“ und der „Mercedes-Benz Vertrieb NFZ GmbH“ gegenüber den 8700 Niederlassungsmitarbeitern in der AG in vielen Punkten schlechter gestellt – von den Löhnen über die Jobsicherheit bis hin zur Altersvorsorge.

„Das ist ein Politikum im Konzern und hat zu viel Frust bei den Beschäftigten geführt“, sagte Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht dem Handelsblatt und kündigte an: „Dieses Trauma lassen wir jetzt hinter uns. Die GmbHs werden Anfang 2020 aufgelöst.“

Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter haben sich demnach darauf geeinigt, die ausgelagerten Niederlassungsmitarbeiter zurück ins „Mutterschiff“ zu holen, freut sich Brecht: „Das ist ein starkes Signal und ein klares Bekenntnis für den eigenen Vertrieb.“

Die Folgen der Übereinkunft: Durch die Integration der GmbH-Mitarbeiter in die Daimler AG wird der Kündigungsschutz bis Ende 2029 künftig auf alle 11.300 Beschäftigten im Mercedes-Eigenvertrieb ausgeweitet. Zudem gelten ab nächstem Jahr sämtliche Gesamtvertriebsvereinbarungen auch für die Mitarbeiter aus den bisherigen Subgesellschaften; die Arbeitsbedingungen werden angeglichen und die Altersvorsorge angepasst.

Kontakt zum Endkunden rückt wieder in den Fokus

Federführend ausgearbeitet hat diese Lösung Michael Bettag. Das Aufsichtsratsmitglied leitet die Niederlassungskommission im Daimler-Betriebsrat. Er erinnert sich, dass es vor vier, fünf Jahren „nur Wenige“ im Unternehmen gab, die noch vom Sinn eigener Vertriebsstandorte überzeugt waren. Schließlich hat Mercedes alleine in Deutschland mehr als 44.000 Vertragspartner, die ebenso gut Modelle mit dem Stern vertreiben können.

Durch die digitale Vernetzung und den Vormarsch der Elektromobilität rückt der lange geschmähte Kontakt zum Endkunden aber plötzlich wieder in den Fokus von Autoherstellern wie Daimler. Die Daten der Kunden werden immer wichtiger und dienen als Grundlage für neue Geschäftsmodelle.

Deswegen hat Daimler im Zuge seiner neuen Konzernstruktur, bei der drei rechtliche selbstständige Einheiten (Pkw, Lkw, Mobilitätsdienste) das starre Konglomerat ersetzen sollen, auch das Zukunftsbild für den Eigenvertrieb überarbeitet, der jährlich etwa acht Milliarden Euro an Umsatz generiert.

„Wir wollen mit unseren Niederlassungen als gemeinschaftliche Handelskette auftreten“, erläutert Bettag: „Dadurch wären wir der größte Autohändler Europas mit entsprechenden Synergien und Marktmacht.“

Unter der Leitung der ehemaligen Smart-Chefin Katrin Adt dürften Marketing und Distribution des „Own-Retail“ weitgehend vereinheitlicht werden. Bisher optimierten die Niederlassung ihre Abläufe vielfach noch unabhängig voneinander, künftig sollen sich die Standorte gegenseitig unterstützen.

Um dieses Ziel zu verwirklichen, mache es Sinn, die ausgelagerten Niederlassungsmitarbeiter zurück zur Daimler AG zu holen, findet Bettag. Davon konnte er in den vergangenen Monaten zunächst Vertriebsvorständin Britta Seeger und Lkw-Vorstand Martin Daum überzeugen. Zuletzt stimmte auch Konzernchef Källenius zu – unter einer Bedingung: Die Integration dürfe keine zusätzlichen Kosten verursachen.

Die Folge: Die Löhne und Prämien bleiben für die GmbH-Mitarbeiter vorerst auch in der AG gleich. Hier demonstriert Källenius abermals Härte. Kostenkontrolle hat Priorität. Daimler muss nach vier Gewinnwarnungen binnen 13 Monaten kräftig sparen.

Mehr: Fast ein Jahrzehnt ging es in der Autoindustrie immer nur aufwärts. Nun kippt die Konjunktur und viele Zulieferer klagen über scharfe Einbrüche.

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1 Kommentar zu "Autobauer: Daimler beendet das Zweiklassensystem im Vertrieb und holt ausgelagerte Mitarbeiter zurück"

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  • Kommt die verkaufte Luxemburger Niederlassung auch wieder zurück in den Konzern? Sie war eine der profitabelsten Niederlassungen. Den Verkauf hat damals keiner verstanden. Viele sehr gute Mitarbeiter gingen weg.

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