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Autobauer Daimler-Betriebsrat fürchtet Verlagerung von Jobs nach Osteuropa

Der Autobauer will laut Betriebsrat nur noch in Polen und Rumänien in Verbrenner investieren. Der Vorstand spricht von einer nötigen Mischkalkulation.
25.09.2020 - 17:21 Uhr 2 Kommentare
Die Fertigung des 6-Zylinder-Dieselmotors wird in Berlin im kommenden Jahr eingestellt. Quelle: Reuters
Daimler-Werk in Berlin-Marienfelde

Die Fertigung des 6-Zylinder-Dieselmotors wird in Berlin im kommenden Jahr eingestellt.

(Foto: Reuters)

München Beim Autobauer Daimler gehen intern seit Tagen die Wogen hoch. Der Grund: Insbesondere in den beiden über hundert Jahre alten Motoren- und Getriebefabriken in Stuttgart-Untertürkheim und Berlin-Marienfelde sollen zusammengerechnet mehr als 5000 Stellen gestrichen werden.

„Der Grund dafür ist nicht alleine, dass Arbeit durch Transformation und Elektromobilität wegfällt, sondern weil das Unternehmen nicht mehr in Bereiche der herkömmlichen Antriebe investieren will. Und wenn überhaupt, dann in Polen oder Rumänien“, schreiben Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht und sein Vize Ergun Lümali in einem Flugblatt an die mehr als 170.000 Beschäftigten von Daimler in Deutschland.

Das zweiseitige Schreiben liegt dem Handelsblatt vor. Darin betonen die Arbeiterführer, dass die „angespannte finanzielle Situation“ bei dem Mercedes-Hersteller dazu führe, dass eine Reihe von zukünftigen Investitionen auf dem Prüfstand stehen. „Eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa ist wie erwähnt nicht ausgeschlossen“, warnen die Betriebsratschefs und kündigen Widerstand an.

„Solche harten Schritte rauben uns die notwendige Zeit, die wir für eine faire Gestaltung der Transformation benötigen. Dies können wir so nicht akzeptieren“, sagen Brecht und Lümali. Sie fürchten, dass über die bereits bekannten Einsparpläne von Daimler in der Verwaltung und den indirekten Bereichen hinaus auch „massiv Arbeitsplätze in der Produktion abgebaut werden sollen“.

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Standort erkennen

    Beim Strukturwandel der Autoindustrie – weg von Diesel- und Benzinern zu elektrischen Antrieben – sei der Faktor Zeit entscheidend. Werde die Transformation überstürzt umgesetzt, sei es unmöglich, die Arbeit sinnvoll umzuorganisieren und die Belegschaft für die neuen Aufgaben zu qualifizieren. In letzter Konsequenz könnte bei einem zu abrupten Wandel „ein großer Teil etablierter Arbeitsplätze in unserer Industrie mit gnadenloser Brutalität wegfallen“, fürchten die Betriebsräte.

    „Rochade“ bei den Produkten

    Der Verbrenner dürfe trotz des Bekenntnisses von Daimler zum Klimaschutz nicht gänzlich verteufelt werden. „Die herkömmlichen Produkte finanzieren unseren Weg in die Zukunft“, betonen Brecht und Lümali. Zudem gewährleisten sie eine stabile Beschäftigung. „Diese Nabelschnur aufgrund des aktuellen Kostendrucks ohne Beschäftigungsalternativen für uns radikal abzuschneiden, lehnen wir ab“.

    Daimler-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer widerspricht. Der Autobauer investiere sehr wohl in zukunftsfähige Produkte in die deutschen Werke, die für Auslastung sorgen. „Wir lassen die Menschen nicht außer Acht“, sagte der Manager am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Gleichzeitig könne Daimler aber die Realität nicht ignorieren. Kein Werk könne davon ausgehen, für immer den aktuellen Personalstand zu halten. Es sei „keine Option“, stur am Verbrenner festzuhalten.

    Gerade Stuttgart-Untertürkheim, wo ein Gutteil der 18.500 Mitarbeiter des Standorts an Motoren, Getrieben und Achsen werken, sei „bis auf den letzten Quadratmeter gefüllt“ mit herkömmlichen Produkten. „Diese Flächen müssen freigeräumt werden für Elektrokomponenten“, betont Schäfer. Es bedarf einer „Rochade“ bei den Produkten, um den Standort wetterfest zu machen. Und dieser Wandel müsse beschleunigt werden, so Schäfer.

    Am Ende zähle die Gesamtwettbewerbsfähigkeit der Produkte. Ein wichtiger Faktor dabei sei die Etablierung einer „Mischkalkulation“ zwischen einem deutschen Powertrain-Werk und einer Fabrik in einem Land mit niedrigeren Arbeitskosten, erklärt Schäfer: „Das ist eine notwendige Abbildung der Wertschöpfung, die uns Flexibilität bietet und für alle, die an der Wertschöpfung beteiligt sind, einen Vorteil bietet“.

    Anderer Weg als Tesla

    Der Manager betont zugleich, dass etwa in Untertürkheim dreistellige Millionenbeträge in den Aufbau von zwei Batteriemontagen und der Fertigung des elektrischen Antriebsstrangs (eATS) investiert werden. Daimler plant einen „eCampus“ in seinem Stammwerk aufzubauen. „Wir werden uns ganz klar im Thema Batteriezellforschung und Batteriezellentwicklung sowie den ganzen planerischen Arbeiten beim Thema Zelle noch deutlich stärker engagieren“, sagt Schäfer und kündigt entsprechende Investitionen und einen Personalaufbau in diesem Bereich an.

    Daimler werde Schäfer zufolge aber einen anderen Weg einschlagen als Tesla. Während der kalifornische E-Auto-Pionier bei der vertikalen Integration der Batterietechnik auch darauf setzt, eigene Zellen zu produzieren, lehnt das Daimler-Management diesen Ansatz ab. „Wir werden den Mercedes-Weg gehen“, sagt Schäfer. Er glaube nicht, dass eine vollständige vertikale Integration bei der Batteriezelle der wesentliche differenzierende Faktor sei.

    Daimler überlässt die Serienproduktion von Zellen lieber spezialisierten Lieferanten wie dem chinesischen Konzern CATL. Zugleich beschäftigen die Schwaben aber Hunderte Menschen in der Zellentwicklung. Im weiteren Zusammenspiel mit Zelllaboren und Pilotfabriken seien die Entwickler in der Lage, die beste Chemiekombination bei den Zellen für Daimler zu generieren, um wettbewerbsfähige Batterien bei Reichwiete und Kosten zu etablieren. „Da werden wir uns vor dem kalifornischen Mitbewerber nicht verstecken“, bekundet Schäfer.

    Mehr: Daimler könnte Belegschaft im Berliner Werk halbieren

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    2 Kommentare zu "Autobauer: Daimler-Betriebsrat fürchtet Verlagerung von Jobs nach Osteuropa"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wir werden bald steigende Arbeitslosenzahlen in der Facharbeiterschaft bekommen. Die Meisten werden keine adäquaten jobs mehr finden. Insbesondere derzeit gezahlten Löhnen die in Boomzeiten erkämpft wurden. Hinzu kommt eine weitere Deindustrialisierung durch maßlose CO2 Vorgaben, basierend auf ideologisch aufgeheiztem Parkett. Siehe aktuell V.d.L. Die Folge sind weniger Steuern und höhere Sozialausgaben. Ob dann die Bevölkerung eine weitere Zuwanderung duldet wage ich zu bezweifeln. (...)

      (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen oder Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argument, die durch keine Quelle gestützt werden, sind nicht erwünscht.

    • Jobbabbau Deutschland:
      Lufthansa 27000
      Airbus 5500
      Daimler 4500
      VW 4000
      Thyssen 4500
      BMW 3500
      Co ti 5000
      Deutsche Bank 5000
      HSH Bank 2500
      Commerzbank 4000
      bei zahllosen Zuliferern ebe falls 4 bis 5000 in Summe

      Und die kommenden Firmenpleiten sind da noch nicht mit drin!
      Und für die Sotioökonomen unter uns:

      Jeder direkte Arbeitsplatz zieht 2 Arbeitsplätze mit sich in die Arbeitslosigkeit, wird an Gym asien und Hochschulen leider nicht ermittelt!

      Somit nehmen wir obige Summe mal 3!

      Aber wir kümmern uns Freitags ums ungelegte Eier wie das "Weltklima"

      Noch nicht eingerechnet ist die Milliardenfache Staatsverschuldung bei Bund ! Ländern und Gemeinden:
      NRW allein mit siebejähriver Finanzministerschaft eines gewissen Borjans unfassbare 155 Mrd Schulden aufgetürmt, wird bei der SPD sogar befördertm in der Privatwirtschaft geht er dafür ins Gefängnis!
      Berlin 55 Mrd und Bremen 22 Mrd Schulden!
      Auch dies alles nicht mehr rückzahlbar, Generationengerechtigkeit dank rot grün ade, Weimarer Republik lässt grüssen, nichts hat man aus Krisen gelernt, aber auch gar nichts.

      Der kommende finanzpolitische GAU ist nur eine Frage der Zeit, rot grün und Frau Merkel fühlen sich für nichts verantwortlich, ebensowenig Finanzminister Borjans oder Eskens, auch keiner Oberbürgermeister in HH oder Bremen und Minister die allesamt gegen Haushaltsgesetze und gegen die Verfassung verstossen haben wie jetzt Scholz, der einfach mal eben die im Grundgesetz festgelegten Stabilitätskriterien aussetzt, was
      er keinesfalls darf.
      Karlsruhe hat das alles sowie auch die EU bonds für verfassungswidrig erklärt, Scholz und andere haben das zu befolgen, ansonsten droht Anarchie!
      Somit waere das rot grüne Ziel eines neuen Sozialismus in Deutschland erreicht, der Abstieg auf dritte Weltniveau dann eben falls in wenigen Jahren erreicht!
      Das in D jedes Jahr 150000 hochqualifizierte Menschen auswandern ist da nicht weiter verwunderlich!
      Gute Nacht Deutschland!

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