Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Lkw-Parkplatz

2025 sollen fünf Prozent und 2030 sollen 20 Prozent der verkauften LKW emissionsarm sein, also weniger als halb so viel des klimaschädlichen CO2 ausstoßen.

(Foto: dpa)

Autobauer Daimler fürchtet schärferen EU-Klimaschutz – Lkw-Chef schreibt Brief an Altmaier

Die Lkw-Hersteller sollen verbindliche Vorgaben für die Senkung des CO2-Ausstoßes bekommen. Der Stuttgarter Autobauer sieht die Ziele als kaum erfüllbar an.
Kommentieren

Brüssel, MünchenMarktführer Daimler sucht die Hilfe der Bundesregierung. In einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bittet der Chef von Mercedes-Benz Lkw, Stefan Buchner, um Beistand in den laufenden Verhandlungen: „Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich im Europäischen Rat für einen Kompromiss einsetzen, der auch die Perspektiven für unsere Standorte und die dort Beschäftigten angemessen berücksichtigt“, schreibt Buchner in dem Brief vom 17. Januar, der dem Handelsblatt vorliegt.

Auch das Finanz-, das Verkehrs- und das Umweltministerium erhielten Post aus Stuttgart, mitunterzeichnet von Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht und dem Politikbeauftragten Eckart von Klaeden. Darin warnen sie eindringlich vor den betriebswirtschaftlichen Folgen der diskutierten Vorgaben: „Gewinne könnten damit schon bei einer kleinen Zielverfehlung entfallen oder sogar in Verluste umschlagen“, heißt es in dem Brief.

Es ist der dritte Anlauf Daimlers. Die Verantwortlichen hatten bereits Anfang November und Anfang Dezember Briefe an die Politik adressiert. Das Thema drückt den Konzern. Das gilt umso mehr, als sich die Diskussion in Brüssel nicht in die von Daimler gewünschte Richtung entwickelt. Sowohl der Rat der Mitgliedstaaten als auch das Europaparlament sprachen sich zuletzt dafür aus, die Vorschläge der EU-Kommission vom Mai noch zu verschärfen.

Der Rat der Umweltminister fordert, die Kohlendioxidemissionen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Das Parlament spricht sich sogar für minus 20 und minus 35 Prozent aus, jeweils im Vergleich zum Basisjahr 2019.

Dadurch soll der Treibhausgasausstoß des Transportsektors, der derzeit ein Viertel der Emissionen des Straßenverkehrs und sechs Prozent des Gesamtausstoßes in der EU ausmacht, reduziert werden. Verfehlt ein Hersteller seine Ziele, drohen ihm hohe Strafzahlungen. Allerdings sollen die Vorgaben 2022 noch einmal überprüft werden.

Um die Klimaziele zu verabschieden, müssen sich die EU-Institutionen auf einen Kompromiss verständigen. Dieser sogenannte Trilog soll noch im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden. Die Bundesregierung aber hat sich bislang nicht auf eine gemeinsame Position einigen können – die beteiligten Ministerien liegen weiter über Kreuz. Die Diskussionen in Brüssel kreisen derzeit stark um die Frage, wie die Einführung von emissionsarmen Lastwagen beschleunigt werden kann.

Die Europaabgeordneten wollen den Herstellern ein Verkaufsziel vorgeben: 2025 sollen fünf Prozent und 2030 20 Prozent der verkauften Lkws emissionsarm sein, also weniger als halb so viel des klimaschädlichen CO2 ausstoßen. Verfehlen die Unternehmen diese Quote, müssen sie noch mehr CO2 einsparen; liegen sie darüber, werden sie mit Nachlässen belohnt.

Die Daimler-Verantwortlichen kritisieren dies in ihrem Brief als „unrealistisch hohe Quoten“ – die Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität sei im Transportsektor noch nicht absehbar.

Die EU-Kommission wollte die Hersteller hingegen bis 2030 mit einem Bonussystem für jeden emissionsarmen Lastwagen mit Nachlässen bei den CO2-Zielen belohnen. Auch der Rat bevorzugt dieses System, will es aber zunächst nur bis 2025 laufen lassen und zudem Busse bei der Berechnung ausklammern. Aus Sicht der Industrie ist das eine schwere Bürde – entwickelt sie doch gerade bevorzugt elektrische Stadtbusse, die in von Fahrverboten bedrohten Städten die Diesel ersetzen sollen.

Lkws müssen sich rechnen

Die Daimler-Manager klagen darüber, damit werde das Einsparziel „faktisch um weitere 2,5 Prozent verschärft“ – ab 2026 müssten die Hersteller also nicht 15 sondern 17,5 Prozent CO2-Reduktion nachweisen. Daher möge sich die Bundesregierung dafür einsetzen, das Bonussystem bis 2030 zu erhalten, fordern sie.

Diese Argumentation aber treibt Klimaschützer auf die Palme. Durch das Bonussystem würden die Einsparvorgaben in Wahrheit auf 12,5 Prozent gesenkt, argumentiert der alternative Verkehrsverband Transport & Environment (T&E). Falle das System weg, müssten die Hersteller bis 2025 eine Reduktion um 15 Prozent nachweisen, nicht um 17,5 Prozent. „Daimler führt die Politik zum wiederholten Mal in die Irre“, kritisiert T&E-Experte Stef Cornelis.

Der Konzern versuche verzweifelt, die von seinen Kunden gewünschte Senkung des Kraftstoffverbrauchs und die Einführung elektrisch angetriebener Lkws zu verzögern. Tatsächlich haben sich etliche Logistik- und Handelskonzerne wie Unilever, Nestlé und Ikea für ehrgeizige Klimaziele für die Truckhersteller ausgesprochen.

Daimler verweist hingegen darauf, den Verbrauch seiner schweren Lkws in den vergangenen 20 Jahren um 22 Prozent gesenkt zu haben. Die nun diskutierten Ziele bedeuteten aber eine Verdrei- bis Vervierfachung der bislang jährlich erreichten Effizienzgewinne. Dies gehe aber „weit über das technisch Leistbare und wirtschaftlich Sinnvolle hinaus“.  Aus Sicht der Lkw-Bauer wären 15 Prozent in den nächsten zehn Jahren „ambitioniert, aber noch realistisch“.

Je weiter, desto teurer

Tatsächlich ist der Stromlastwagen für die Branche ein Risiko. Anders als im Autogeschäft muss sich ein Lastwagen von der ersten Minute an für den Käufer rechnen. Die etablierten Hersteller wie Daimler oder der VW-Konzern haben den Einstieg bislang gescheut.

Im Geschäft mit elektrischen Lieferwagen offenbar zu lange: Weil die Post von der Industrie keinen bezahlbaren elektrischen Auslieferungswagen bekam, stieg sie beim Aachener Start-up „Streetscooter“ ein und baut das Gefährt nun auch für Handwerker.

Seitdem ist auch Daimler sehr aktiv in der Entwicklung von elektrischen Lastwagen mit kurzen Routen. Diese „Verteilerverkehre“ sind typisch für die Belieferung des Einzelhandels. Eine Reichweite von 200 Kilometern reiche den meisten Kunden, sagte Martin Daum, Vorstand des Nutzfahrzeuggeschäftes bei der Vorstellung des „e-Actros“ im vergangenen Jahr.

Daimler will ihn 2021 in Serie bringen. Der Stromlaster soll in der Anschaffung teurer, im Betrieb aber billiger als herkömmliche Diesel sein, da die Wartung deutlich einfacher sei. Für den Fernverkehr mit Reichweiten von mehr als 400 Kilometern bleibt Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Daum aber skeptisch. „Je länger die Strecke ist, desto teurer wird die Batterie als der Verbrennungsmotor auf absehbare Zeit sein.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Autobauer - Daimler fürchtet schärferen EU-Klimaschutz – Lkw-Chef schreibt Brief an Altmaier

0 Kommentare zu "Autobauer: Daimler fürchtet schärferen EU-Klimaschutz – Lkw-Chef schreibt Brief an Altmaier"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.