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Autobauer Daimler setzt im Stammwerk zum Kahlschlag an – 4000 Jobs stehen auf dem Spiel

Der Autobauer will in Stuttgart-Untertürkheim jede fünfte Stelle streichen. Im Gegenzug könnte am Standort eine Batteriezellproduktion entstehen.
23.09.2020 Update: 23.09.2020 - 16:52 Uhr 1 Kommentar
Die Coronakrise sorgt für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines sowieso geplanten Sparkurses. Quelle: dpa
Daimler-Werk in Untertürkheim

Die Coronakrise sorgt für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines sowieso geplanten Sparkurses.

(Foto: dpa)

Stuttgart Die Betriebsräte von Daimler in Stuttgart-Untertürkheim sind entsetzt. Das Management des Autobauers habe sie in den vergangenen Tagen mit einem „Katalog voller Provokationen“ konfrontiert, heißt es in einem Flugblatt der Arbeitnehmervertreter an die Belegschaft am Standort, das dem Handelsblatt vorliegt. „Das Ende vom Lied: Bis 2025 sollen bei uns 4000 Beschäftigte weniger an Bord sein – vereinbarte Produkte werden infrage gestellt“, schreiben die Betriebsräte.

Dass Daimler seine Personalkosten um zwei Milliarden Euro pro Jahr senken will und dafür mehr als 20.000 der weltweit 300.000 Stellen streicht, ist schon länger bekannt. Jetzt werden die Einschnitte aber auf die einzelnen Standorte runtergebrochen – und das Stammwerk des Dax-Konzerns dürfte es besonders hart treffen. Denn in Untertürkheim arbeiten 19.000 Beschäftigte. Ein Abbau von 4000 Stellen entspräche hier einer Personalreduktion von 21 Prozent.

Die Pläne des örtlichen Managements um Standortleiter Frank Deiß kämen so „nicht infrage“, poltern die Betriebsräte. Ihr Kampf steht exemplarisch für den Strukturbruch in der gesamten Autoindustrie. Schließlich ist Untertürkheim wie kaum eine andere deutsche Autofabrik vom Verbrenner abhängig. Allein 11.000 Frauen und Männer produzieren hier in sechs Werksteilen entlang des Neckars Motoren, Getriebe und Achsen samt Gussteilen.

„Aussterbendes Gewerbe“ nennen Mercedes-Manager das hinter vorgehaltener Hand. Im Zuge des Hochlaufs der Elektromobilität würden viele der alten Jobs obsolet – und allzu viele neue Aufgaben sollen nicht hinzukommen, heißt es in Konzernkreisen. Die Arbeitskosten in Deutschland halten viele Manager schlichtweg für zu hoch.

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Standort erkennen

    „Geht es nach der Standortleitung, dann sollen die anderen Powertrain-Standorte im Ausland stärker ausgelastet werden als Untertürkheim“, warnen die Betriebsräte. Sie fühlen sich als Repräsentanten des sogenannten Leitwerks im Verbund der Antriebsfabriken von Mercedes hintergangen. Dass Untertürkheim zugleich zum Entwicklungs- und Befähigungsstandort für Elektromobilität umgebaut werden soll, ist für viele Arbeitnehmervertreter nur ein schwacher Trost.

    Sie begrüßen zwar, dass in Stuttgart ein „eCampus“ entstehen soll und Daimler erwägt, im Neckartal in die Batteriezellproduktion einzusteigen, aber viele Arbeitsplätze würde das vermutlich nicht bringen. Schlimmer noch aus Sicht der Arbeiterführer: Auch die Zellproduktion bekäme Untertürkheim wohl nur, wenn bereits beschlossene Vereinbarungen aus den Vorjahren wieder aufgeweicht werden, die garantieren sollen, dass die Beschäftigten bei der Stromoffensive des Konzerns nicht zu kurz kommen.

    Aufgeheizte Stimmung

    „Dieser harte Schnitt raubt uns die notwendige Zeit, die wir für eine faire Transformation benötigen – das können wir Arbeitnehmervertreter nur als Provokation auffassen“, erklärte Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender in Untertürkheim. Welche früheren Vereinbarungen das Management konkret verändern oder aufheben will, erläuterte Häberle nicht.

    Ein zentrales Zukunftsprodukt soll aber nicht gefährdet sein, heißt es in Konzernkreisen. Daimler werde, wie Ende 2019 beschlossen, künftig in Untertürkheim Teile des elektrischen Antriebsstrangs (eATS) bauen. Für den Zuschlag der Entwicklung und Produktion des Akku-Antriebs, bestehend aus Elektromotor, kleinem Getriebe samt Differenzial sowie Leistungselektronik einschließlich Steuerungssoftware, hatten die Arbeiterführer erbittert gekämpft.

    Dennoch ist die Stimmung in Untertürkheim aufgeheizt. Schließlich ist absehbar, dass das Stammwerk schrumpfen wird. Unklar ist nur, wie groß die personellen Einschnitte am Ende wirklich ausfallen. Die Gespräche zum Stellenabbau haben gerade erst begonnen. In den nächsten Wochen verhandeln Management und Betriebsräte weiter. Daimler selbst nennt keine konkreten Abbauzahlen. Der Handlungsdruck ist freilich hoch. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro ein. Der Absatz von Autos, Kleintransportern, Lastwagen und Bussen ging bei den Schwaben im ersten Halbjahr um 26 Prozent zurück.

    Die Folge: Management und Betriebsrat schlossen am Mittwoch eine Gesamtbetriebsvereinbarung zur „Beschäftigungssicherung und zur Senkung der Arbeitskosten“. Demnach wird etwa die Arbeitszeit von Zehntausenden Mitarbeitern in der Verwaltung ab 1. Oktober für ein Jahr um zwei Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich reduziert. Die Erfolgsprämie für 2020 wird komplett gestrichen. Gleichzeitig bleibt der Kündigungsschutz in Deutschland bis Ende 2029 bestehen. Das heißt: Der avisierte Personalabbau erfolgt hierzulande ausschließlich über freiwillige Modelle wie Altersteilzeit, Frühpensionierung oder Abfindungen.

    Mehr: Milliarden-Vergleich: Daimler legt Diesel-Verfahren in den USA bei

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    1 Kommentar zu "Autobauer: Daimler setzt im Stammwerk zum Kahlschlag an – 4000 Jobs stehen auf dem Spiel "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Betriebsräte poltern....
      Eventuell wäre es angebracht mal in Brüssel und Berlin nachzufragen, ob diese Folgen bei der Implementierung der Flottenverbrauchs- und Co2-Werte eingeplant waren.

      Zusätzlich denke ich, dass bei dem politisch gewollten Strukturwandel die Kosten des Standorts Deutschland zunehmend ein Problem werden. Die alten Champions konnten sich dies Kosten leisten, ob die neuen Industrien, in direkter Konkurrenz zu Produzenten in aller Welt, diese auch verkraften können, bleibt abzuwarten.

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