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Autobauer Daimlers Quartalsverlust fällt geringer als erwartet aus

Die Stuttgarter haben vorläufige Zahlen veröffentlicht: Demnach beträgt das operative Minus im zweiten Quartal fast 1,7 Milliarden Euro. Die Aktie steigt nachbörslich.
16.07.2020 Update: 16.07.2020 - 23:45 Uhr Kommentieren
Daimlers Verlust fällt im zweiten Quartal geringer als angenommen aus. Quelle: Reuters
Mercedes-Stern

Daimlers Verlust fällt im zweiten Quartal geringer als angenommen aus.

(Foto: Reuters)

Stuttgart Der Autobauer Daimler hat im zweiten Quartal bei einigen Kennziffern nach eigener Einschätzung besser abgeschnitten, als Experten erwartet haben. So habe das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) konzernweit bei minus 1,68 Milliarden Euro gelegen. Das bereinigte Ebit belief sich demnach auf minus 708 Millionen Euro, teilte der Autohersteller am Donnerstagabend mit.

Als Grund für die positive Entwicklung nannte Daimler eine über den Erwartungen liegende Markterholung und eine starke Geschäftsleistung im Juni.

Analysten hatten beim Betriebsergebnis zwischen April und Ende Juni mit einem noch höheren Minus gerechnet, Daimler selbst hatte bereits rote Zahlen angekündigt. Der Aktienkurs von Daimler legte am Abend auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um ein Prozent zu.

„Aber es bleibt viel zu tun“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius. „Wir müssen unsere systematischen Bemühungen fortsetzen, die Gewinnschwelle des Unternehmens durch Kostenreduktion und Kapazitätsanpassungen weiter zu senken.“ Källenius hat sich bei den Kostenstrukturen des Traditionskonzerns viel vorgenommen, nachdem er das Ruder vom langjährigen Daimler-Boss Dietmar Zetsche übernommen hatte.

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    In den Zahlen enthalten waren Sonderbelastungen von 687 Millionen Euro in der Pkw- und Van-Sparte für die Straffung der Produktion und das Kappen von Kapazitäten in Frankreich, den USA und Mexiko. Für rechtliche Verfahren musste Daimler zusätzlich 53 Millionen Euro ausgeben, auch das verlustbringende Carsharing-Joint-Venture Your Now mit BMW erforderte 105 Millionen Euro an Sonderkosten. Zudem gab Daimler 129 Millionen Euro für das laufende Sparprogramm aus. Bereinigt um diese Faktoren lag der operative Verlust bei 708 Millionen Euro.

    Die Fahrzeugsparten mit Pkw und Vans sowie die ebenfalls unter Druck stehenden Lkw und Busse fuhren jeweils rote Zahlen ein, die Finanzdienstleistungen warfen hingegen etwas Gewinn ab.

    Nutzfahrzeugbau legt zu

    Überraschen konnte Daimler vor allem auch beim Mittelzufluss aus dem laufenden Industriegeschäft – sprich dem Auto- und Nutzfahrzeugbau. Hier erzielte der Konzern ein Plus von 685 Millionen Euro, Analysten hatten laut Erhebungen von Daimler selbst mit milliardenschweren Abflüssen gerechnet. Die Nettoliquidität im Industriegeschäft stieg im Vergleich zu Ende März von 9,3 auf 9,5 Milliarden Euro zur Mitte des Jahres. „Hinter uns liegt ein komplexes Quartal. Wir haben proaktiv Entscheidungen hinsichtlich der Kosten und Ausgaben getroffen und uns intensiv auf das Management unseres Working Capital fokussiert“, sagte Källenius.

    Daimler habe vom umfassenden Einsatz der Maßnahmen zur Liquiditätserhaltung profitiert, hieß es. Zugleich habe sich das Betriebskapital mit der Nachfrage günstig entwickelt. Autobauer hatten angesichts der wochenlangen Produktions- und Verkaufspausen auf den Weltmärkten auch die Abrufe bei den Zulieferern auf Eis gelegt und für Zehntausende Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt, um die Kassen zu schonen. Wenn die Nachfrage dann wieder anspringt, leeren sich die Vorräte schneller. Auch bei Daimler hatten Finanzexperten den hohen Bedarf an sogenanntem Betriebskapital mehrfach gerügt.

    Analysten und Aktionäre schauen immer wieder mit hohem Interesse auf den sogenannten Free Cashflow, also die Entwicklung der frei verfügbaren Zahlungsmittel. Letztlich geben sie Aufschluss über die aktuelle Finanzkraft, was in der Krise wichtig für die existenzielle Sicherung ist – aber eben auch über Wohl und Wehe möglicher Dividenden mitbestimmt.

    Auch deshalb dreht Källenius derzeit stark an der Kostenschraube. Im November hatte der seit gut einem Jahr amtierende Schwede ein Sparprogramm aufgelegt, das bei den jährlichen Personalkosten 1,4 Milliarden Euro bringen sollte. Personalchef Wilfried Porth legte am Wochenende die Latte aber noch einmal höher: 1,4 Milliarden Euro würden nicht ausreichen, genauso wenig die kolportierten bis zu 15.000 Stellenstreichungen. Daimler hat weltweit rund 300.000 Mitarbeiter.

    Zum Umsatz und dem Gewinn unter dem Strich machte Daimler zunächst keine Angaben. Die vollständigen Quartalszahlen sollen am 23. Juli veröffentlicht werden.

    Mehr: Sanierung mit Hindernissen: Wie Daimler-Chef Källenius den Konzern auf Kurs bringen will.

    • rtr
    • dpa
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