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Autobauer „Das ist verstörend“ – Opel-Betriebsrat und die Geschäftsführung liegen im Clinch

Interne Flugblätter zeigen: Beim Autobauer ist abseits des Trubels um die Fusion des Mutterkonzerns PSA mit Fiat-Chrysler ein heftiger Streit um Investitionen und Jobs entbrannt.
04.11.2019 - 11:49 Uhr Kommentieren
Opel: Betriebsrat und Geschäftsführung streiten sich um Investitionen Quelle: Reuters
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Betriebsrat und Geschäftsführung streiten über Jobs und Investitionen.

(Foto: Reuters)

München Beim Autobauer Opel hängt der Haussegen schief. Abseits des Trubels um die Fusion des französischen Mutterkonzerns PSA mit Fiat-Chrysler streiten sich Opel-Geschäftsführung und Betriebsrat intern in ungewohnt barschem Ton über Investitionen und bezichtigen sich in Rundschreiben an die Belegschaft gegenseitig, Unwahrheiten zu behaupten.

„Einschüchterungsversuche gegenüber Kolleginnen und Kollegen oder Versuche, die IG Metall oder den Gesamtbetriebsrat zu maßregeln, weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. Diese anmaßende Form der Kommunikation wird nicht zur Befriedung der Konflikte beitragen, im Gegenteil“, heißt es etwa in einem Flugblatt des Betriebsrats vom 31. Oktober, das dem Handelsblatt vorliegt.

Was ist geschehen? Am Montag vergangene Woche traf sich Opel-Chef Michael Lohscheller mit Vertretern der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat zu einem Krisengespräch. Die Arbeitnehmervertreter warfen dem Management bereits im Vorfeld des Termins vor, den von beiden Seiten im Sommer 2018 abgeschlossenen Tarifvertrag zu verletzen und forderten von Lohscheller, eine „Gesamtinvestitionsliste“ vorzulegen, um Bestand und Beschäftigung in den deutschen Werken zu sichern. Das Treffen brachte allerdings aus Sicht der Gewerkschaft keinerlei Verbesserungen.

„Die vom Opel- und PSA-Management vorgelegte Investitionsliste in die deutschen Opel-Standorte reicht weder zur im Zukunftstarifvertrag festgeschriebenen Bestandserhaltung, noch zur Beschäftigungssicherung“, konstatierte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger öffentlich nach dem Austausch mit Lohscheller. Das Opel-Management verschickte daraufhin eine ausführliche Stellungnahme an alle Mitarbeiter als Erwiderung.

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    „Selbstverständlich halten wir uns an den Tarifvertrag“, heißt es in dem Rundschreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. „Nach aktuellem Stand sind bereits mehr als die Hälfte der bis 2023 zugesagten Investitionen in Milliardenhöhe erfolgt beziehungsweise fest zugesagt.“ Vor diesem Hintergrund betonte die Opel-Geschäftsführung, dass die „Aktionen beziehungsweise Ankündigungen“ von IG Metall und Betriebsrat rund um das Treffen von vergangenem Montag nicht hilfreich seien, um gemeinsam Lösungen zu finden.

    Das Management wirft den Arbeitnehmervertretern zudem vor, bestehende Meinungsverschiedenheiten entgegen der dafür vorgesehenen Verfahrensregeln unter Sozialpartnern auszutragen. „Diesen Weg haben Gesamtbetriebsrat und IG Metall leider nicht beschritten, sondern vielmehr erneut den Weg an die Öffentlichkeit gewählt“, heißt es in der Stellungnahme des Opel-Managements. Die Geschäftsführung betonte zudem, für Rüsselsheimer Werksbereiche wie den Werkzeugbau (TDO) oder den Protottypenbau (PPO), in denen es „derzeit eine Unterauslastung gibt“, gemeinsam „sozialverträgliche Lösungen“ finden zu wollen.

    Diese Formulierungen erzürnten wiederum den Betriebsrat. „Für die Bereiche TDO und PPO liegen uns, entgegen der Behauptung des Arbeitgebers, keine Vorschläge vor, ‚sozialverträgliche Lösungen‘ für eine Unterauslastung zu finden“, heißt es in dem Betriebsrat-Flugblatt vom 31. Oktober. „Der Abbau von Arbeitsplätzen muss ein Ende haben“, fordern die Arbeitnehmervertreter darin.

    Nachdem Opel bereits den Abbau von fast 7000 Stellen über freiwillige Programme wie Abfindungen, Alterssteilzeit oder Vorruhestand seit Mitte 2017 beschlossen hat, könne einer Unterauslastung „nur noch durch Investitionen und Insourcing“ begegnet werden, heißt es in der Stellungnahme des Betriebsrats.

    Ein Opel-Konzernsprecher wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern. Intern wird der betriebsöffentlich ausgetragene Clinch zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern alles anderes als wohlwollend aufgenommen. „The battle“ nennen Beschäftige die regelmäßigen und immer schriller werdenden gegenseitigen Anschuldigungen. Statt geeint die Interessen von Opel innerhalb des neuen Autogiganten PSA/Fiat-Chrysler zu vertreten, verausgaben sich beide Seiten in einem Kleinkrieg, fürchtet eine Führungskraft: „Das ist verstörend.“

    Mehr: Opel ordnet sein Entwicklungszentrum neu. In Rüsselsheim wächst nun die Sorge, dass den Ingenieuren schon bald die Arbeit ausgehen könnte.

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