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Opel

Opel-Logo am Werk in Rüsselsheim.

(Foto: Reuters)

Autobauer Diesel-Razzia bei Opel – Rückruf von 100.000 Autos steht kurz bevor

Opel rückt beim Dieselskandal in den Fokus der Fahnder. Das Verkehrsministerium droht mit einem Rückruf und wirft dem Autobauer eine Verschleppungstaktik vor.
Update: 15.10.2018 - 15:42 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Erst Volkswagen und Audi, dann Daimler und BMW, und jetzt gerät auch noch Opel im Dieselskandal immer stärker unter Druck. Am Montagmorgen gegen 9 Uhr sind sieben Staatsanwälte und 33 Polizeibeamte des Hessischen Landeskriminalamts am Konzernsitz von Opel in Rüsselsheim und am Standort in Kaiserslautern ausgeschwärmt. Die Ermittler gehen dem Anfangsverdacht des Betruges bei dem Unternehmen mit seiner fast 120-jährigen Geschichte im Automobilbau nach.

Konkret prüft die Staatsanwaltschaft Frankfurt, ob Opel in den drei Modellen Insignia, Zafira und Cascada mit der Abgasnorm 6 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut hat. Betroffen sind europaweit 95.000 Fahrzeuge.

„Wir ermitteln wegen des Verdachts des Betruges durch das Inverkehrbringen von Dieselfahrzeugen mit manipulierter Abgassoftware“, bestätigte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen dem Handelsblatt. Die Razzia bei Opel dauerte bis in den Nachmittag hinein noch an.

Ausgangspunkt der Razzia bei Opel ist laut Oberstaatsanwältin Niesen eine Strafanzeige, die das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg im April gegen Opel gestellt hat. „Das KBA hat Ende 2015 bei Opel Abschalteinrichtungen gefunden, bei denen das Ministerium von Anfang an Zweifel hinsichtlich ihrer Zulässigkeit hatte“, heißt es vom für das KBA zuständigen Bundesverkehrsministerium.

Nach Auffinden einer fünften Abschalteinrichtung Anfang 2018, welche das KBA als unzulässig eingestuft habe, liefe eine amtliche Anhörung, um Opel zu einem Rückruf zu bewegen. „Auch diese Anhörung wird durch Opel mit immer neuen technischen Argumenten zeitlich verschleppt“, teilt das Bundesverkehrsministerium mit. „Der amtliche Rückruf der betroffenen rund 100.000 Fahrzeuge steht nunmehr kurz bevor.“

Nun auch Opel – Razzia in Rüsselsheim und Kaiserslautern

Zum laufenden Verfahren wollte sich Opel, das zum französischen Konzern PSA gehört, nicht äußern. Man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden. Darüber hinaus bekräftigte Opel, dass Fahrzeuge des Konzerns den geltenden Vorschriften entsprächen. "Opel verwahrt sich gegen den Vorwurf, unzulässige Abschalteinrichtungen zu verwenden", heißt es in einer Stellungnahme des Autobauers am späten Montagabend. Das Anhörungsverfahren des KBA werde von Opel "nicht verschleppt", so die Rüsselsheimer.

Schon seit 2016 läuft ein Verwaltungsverfahren gegen Opel. Im Juli 2018 bestätigte dann das Bundesverkehrsministerium in Berlin, dass gegen den hessischen Autobauer eine „amtliche Anhörung“ eingeleitet wurde.

Opel sollte sich demnach zur Funktionsweise einer Abschalteinrichtung äußern. Mit einer solchen Funktion kann die Reinigung von Abgasen in bestimmten Fahrsituationen oder -bedingungen wie etwa niedrigeren Temperaturen oder besonderen Drehzahlen verringert werden. „Vor dem Ergebnis dieser Anhörung kann zur Unzulässigkeit der Abschalteinrichtung noch nichts abschließend gesagt werden“, hatte ein Ministeriumssprecher damals erklärt.

Nach dem Sachstand von vor drei Monaten wären alleine in Deutschland 12.500 Fahrzeuge betroffen. Opel erklärte damals: „Wir möchten daran erinnern, dass Opel bereits im Dezember 2015 Verbesserungspotenzial erkannte und eine Technologieinitiative für mehr Transparenz, Glaubwürdigkeit und Effizienz zum Vorteil der Kunden gestartet hat“.

Ein Teil dieser freiwilligen Maßnahmen habe auch eine Aktion für die Modelle Opel Insignia, Zafira Tourer und Cascada mit Euro 6 und SCR Technologie der Modelljahre 2013 bis 2016 beinhaltet, so der Autobauer.

Die Konzerne begründen Abschalteinrichtungen mit dem sogenannten Motorschutz vor allem bei Kälte oder Hitze. Bei vielen Modellen gibt es aber Zweifel daran, ob dies wirklich notwendig ist. Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoßen die Diesel mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Da die Schadstoffgrenzwerte in der Luft in vielen Städten überschritten sind, drohen Fahrverbote für Dieselautos.

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1 Kommentar zu "Autobauer: Diesel-Razzia bei Opel – Rückruf von 100.000 Autos steht kurz bevor"

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  • Diese Art von Anordnungen gibt es nur in Deutschland. Man versucht mit allen Mitteln, die vom Gesetzgeber vorgegebenen EG-Vorschriften im Nachhinein zu korrigieren. Der Gesetzgeber und allen voran die Bundesregierung hat den Diesel durch Ihre Politik der Dieselförderung erst den Anstieg der Dieselflotte von ursprünglich 5% auf 50% hochgetrieben, um CO2 einzusparen. Es ist außerdem seit Jahren bekannt, dass der gesetzlich vorgeschriebene Prüfstandstest als Normtest vorgesehen ist ,um die einzelnen Werte gegen Grenzwerte zu vergleichen . Test auf öffentlichen Straßen waren in der bisherigen Gesetzgebung nicht vorgesehen und können nun nicht nachträglich herangezogen werden. Die von Opel angeführten Maßnahmen zum Schutz des Motors sind zulässig und im Gesetz verankert. Es ist deshalb nicht nachzuvollziehen, dass das KBA jetzt eine solche Maßnahme ergreift, um seine vorher selbst genehmigte Abgasgenehmigung anzuzweifeln. Jetzt wird mit allen Mitteln versucht Opel zu zwingen etwas anzuerkennen was nicht zutreffend ist um eigenen Versäumnisse zu vertuschen. Die Abgaswerte müssen in Zukunft verbessert werden. Wenn man sich die einzelnen Kurven der Schadstoffwerte anschaut kann man erkennen, dass schon viel erreicht wurde. Die Industrie braucht Zeit neue Motoren zu entwickeln um diese dann zu verkaufen. Jede Verschärfung in der Abgasgesetzgebung hat seine Zeit gebraucht bis man einen reduzierten Wert im Verkehr festgestellt hat. Mit den jetzt angeordneten Maßnahmen durch KBA und Staatsanwaltschaft versucht man öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zu ergreifen und bringt dadurch die betroffenen Hersteller in eine sehr schlechte Situation. Das ist zu vergleichen mit einem Sträfling, aus dem man ein Geständnis herauspressen will. Dass man mit solchen Maßnahmen auch unsere deutschen Firmen schädigen kann und dies in Zukunft viele Arbeitsplätze kosten wird, scheint niemand zu interessieren. Man kann sein Recht nicht erzwingen sondern sollte gemeinsam nach Lösungen suchen ohne P.

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