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Autobauer „Ein beunruhigender Putsch“ – Renault trennt sich von Chef Thierry Bolloré

Der Ghosn-Vertraute muss seinen Posten beim Autobauer Renault räumen. In einem Interview zeigt sich der geschasste Thierry Bolloré verbittert.
Update: 11.10.2019 - 12:54 Uhr Kommentieren
Renault trennt sich von Vorstandschef Thierry Bolloré Quelle: Reuters
Thierry Bollore

Der Manager muss seinen Posten wieder räumen.

(Foto: Reuters)

Paris In der Allianz der Autobauer Renault und Nissan wird aufgeräumt. Nun muss Renault-Chef Thierry Bolloré gehen, wie der Verwaltungsrat des Konzerns am Freitagmorgen entschied – und zwar sofort.

Über Bollorés Demission wurde schon seit Tagen spekuliert. Der 56-Jährige war einer der letzten verbliebenen Vertrauten des früheren Allianz-Chefs Carlos Ghosn, der in Japan verhaftet wurde. Außerdem soll es Spannungen mit Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard gegeben haben, der verlangt hatte, dass Bolloré das Amt abgibt.

Die Doppelspitze bei dem französischen Traditionsunternehmen, das 1899 gegründet wurde, war erst seit Januar offiziell im Amt.

Erst sollte die Personalie Thema der Verwaltungsratssitzung am 18. Oktober werden, doch dann wurde die Sitzung auf diesen Freitag vorgezogen. Bolloré werden schlechte Beziehungen zu Allianzpartner Nissan vorgeworfen, aber auch die durchwachsenen Ergebnisse des ersten Halbjahrs 2019. Angeblich soll auch Nissan Druck ausgeübt haben, damit die ehemaligen Mitstreiter von Ghosn gehen müssen.

Bolloré war knapp ein Jahr der Stellvertreter von Ghosn, bevor er diesen ersetzte. Bolloré hat sich zudem nie mit Senard, Ex-Chef von Michelin, verstanden. Der französische Staat, der mit 15 Prozent an Renault beteiligt ist, wollte deshalb Ordnung schaffen. Von der Verwaltungsratssitzung mit Nissan in Japan am vergangenen Dienstag waren Bolloré und Senard in verschiedenen Flugzeugen zurückgekehrt, das war das erste Zeichen für die Trennung.

Bolloré hatte vor seiner Entlassung in einem Interview gesagt, er habe aus der Presse erfahren, dass Senard seinen Rückzug wünsche. Es handle sich um einen „beunruhigenden Putsch“, sagte der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

Er sei zudem immer loyal gewesen. „Die Brutalität und die völlig unerwartete Natur des Geschehens sind erschütternd.“ Das Management von Renault habe bewiesen, dass der Konzern einen heftigen Sturm überstehen könne. Er sehe im operativen Bereich auch keine Fehler.

Finanzchefin übernimmt die Führung

Mit dem Abschied von Bolloré gehen die stürmischen Zeiten bei Renault weiter. Nun muss ein neuer Chef gesucht werden. Interimschefin wird ab sofort Finanzchefin Clotilde Delbos, unterstützt von zwei Stellvertretern, Olivier Murguet und José-Vicente de los Mozos. Senard will nun so schnell wie möglich die Nachfolge regeln.

Auch der Staat hatte Bolloré fallen gelassen. Bolloré erklärte, er habe sich an die zuständigen Stellen gewandt. Doch aus dem Wirtschaftsministerium hieß es am Donnerstagabend vor der Verwaltungsratssitzung nur: „Wir vertrauen Jean-Dominique Senard und dem Verwaltungsrat, um die Personen zu finden, die die vorgesehene Strategie umsetzen.“

Doch eine mit dem Fall vertraute Quelle wird von französischen Medien zitiert: „War es wirklich im Interesse des Unternehmens, die Dinge so voranzutreiben, obwohl eine Alternativlösung noch nicht gefunden schien.“

Das wird nicht so einfach. Der Kandidat muss jemand sein, der ein perfektes Team mit Senard bilden kann und die Allianz voranbringt, die seit 1999 besteht. Senard wurde in seinem Amt bestätigt und erscheint als der neue starke Mann von Renault.

Die Interimschefin Clotilde Delbos ist seit 2012 bei Renault, seit 2016 die Finanzchefin. Olivier Murguet ist seit 1990 bei Renault und hatte seitdem verschiedene Chefposten weltweit. Seit 2018 ist er Direktor für den Verkauf und die Regionen der Gruppe Renault.

José-Vicente de los Mozos ist diplomierter Luftfahrtingenieur aus Madrid. Er hat schon 1978 bei Renault angefangen und auch mehrere Posten bei Nissan. Er war zuletzt bei Renault unter anderem Direktor für die Herstellung und Logistik.

Mehr: Nissan will sich mit einer neuen Führungsriege aus der Krise befreien. Nicht nur der künftige Konzernchef hat dabei einen bemerkenswerten Hintergrund.

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