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Autobauer Erst Rückruf, dann Gewinnwarnung – Daimler schockiert Aktionäre

Der Mercedes-Hersteller muss seine Rückstellungen infolge eines Rückrufs im Dieselskandal erhöhen. Die Ergebnisprognose ist nicht zu halten.
Update: 23.06.2019 - 20:33 Uhr Kommentieren
Angesichts der Gewinnwarnung muss der Daimler-Chef zusätzlich zum ohnehin anvisierten Sparprogramm womöglich noch drastischere Schritte ergreifen als geplant. Quelle: AFP
Ola Källenius

Angesichts der Gewinnwarnung muss der Daimler-Chef zusätzlich zum ohnehin anvisierten Sparprogramm womöglich noch drastischere Schritte ergreifen als geplant.

(Foto: AFP)

München Der Dieselskandal verhagelt Daimler die Bilanz. Am Sonntag um 19.03 Uhr kassierte der Stuttgarter Autobauer seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2019. In einer Ad-hoc-Mitteilung unter dem Titel „Daimler passt Ergebniserwartungen an“ reduzierte der Dax-Konzern seine Gewinnerwartungen.

Demnach kalkuliert Daimler nur noch mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) in der Größenordnung des Vorjahres statt mit leicht steigenden Erträgen. In der Transportersparte Vans rechnet das schwäbische Konglomerat gar mit Verlusten in diesem Jahr. Die Umsatzrendite in dieser Division dürfte bei bis zu minus vier Prozent liegen.

Als maßgeblichen Grund für die Gewinnwarnung führt Daimler erhöhte Aufwendungen für verschiedene „behördliche Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge“ an. Daimler wurde gerade vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) dazu verdonnert, 60.000 Pkws vom Typ Mercedes-Benz GLK 220 wegen mutmaßlich illegaler Abschalteinrichtungen zurück in die Werkstatt zu beordern. Der Konzern bestreitet zwar vehement ein etwaiges Fehlverhalten und will Widerspruch gegen den Bescheid der Flensburger Behörde einlegen, ist aber verpflichtet, den Rückruf durchzuführen.

Daimler soll durch eine Softwarefunktion den Kühlmittelkreislauf künstlich kälter halten und die Aufwärmung des Motoröls verzögern, um die Stickoxid-Grenzwerte auf dem Prüfstand einzuhalten, nicht aber im realen Straßenbetrieb. Der Konzern hält die beanstandete Funktionalität für „zulässig“.

Das KBA hat seine Untersuchungen derweil allerdings bereits auf weitere Mercedes-Modelle mit den Dieselmotoren OM 651 und OM 642 ausgeweitet. Laut „Bild am Sonntag“ könnten bis zu 700.000 Fahrzeuge betroffen sein. Für Daimler kann es sehr teuer werden.

Der Konzern hat darauf reagiert und seine Rückstellungen erhöht. Das Ergebnis im zweiten Quartal werde um einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ durch die laufenden Verfahren und Dieselrückrufaktionen belastet, warnt Daimler. Die Aktionäre des Konzerns fürchten bereits weitere Einbußen. Die Aktie der Schwaben dümpelt nicht zuletzt wegen der unvorhersehbaren Folgen des Abgasskandals seit Jahren auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Das Papier hat sich seit 2006 deutlich schwächer entwickelt als die Aktien der Konkurrenten BMW und VW. Daimler hat im vergangenen Jahr fast 27 Milliarden Euro an Börsenwert verbrannt, wies Ende 2018 nur noch eine Marktkapitalisierung von 49 Milliarden Euro aus. Grund waren unter anderem zwei Gewinnwarnungen. Unter dem neuen CEO Ola Källenius, der vor einem Monat den Vorstandsvorsitz von Langzeitherrscher Dieter Zetsche übernommen hat, sollte es an den Kapitalmärkten endlich wieder bergauf gehen.

Die erneute Gewinnwarnung ist freilich ein herber Rückschlag für die Anteilseigner des 167 Milliarden Euro Umsatz schweren Konzerns. Und es ist längst nicht nur der Dieselskandal, der die Aktionäre beunruhigt. Auch operativ läuft es alles andere als rund in Stuttgart.

Nach Jahren unentwegter Absatzrekorde steht aktuell ein Minus in der Verkaufsstatistik von Mercedes. Von Anfang Januar bis Ende Mai verkaufte die Marke mit dem Stern nur noch 938.000 Pkws. Das entspricht einem Rückgang von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Daimler kämpft zudem mit erheblichen Anlaufproblemen in mehreren Werken bei wichtigen Modellen wie dem SUV-Renditegaranten GLE oder dem Sprinter, der für die Hälfte des Absatzes in der Transportersparte steht. Handelskonflikte, die abflauende Konjunktur sowie immens hohe Vorleistungen für Elektromobilität und autonomes Fahren schmälern die Erträge der gesamten Autoindustrie.

Daimler-Chef Källenius will mit einem Sparprogramm gegensteuern, dessen Ergebnisse in wenigen Wochen vorliegen sollen. Womöglich muss er angesichts der nun erfolgten Gewinnwarnung noch drastischere Schritte ergreifen als geplant.

Mehr: Das Kraftfahrt-Bundesamt hat bei 60.000 SUVs eine unzulässige Abschaltautomatik gefunden. Der Autobauer aus Stuttgart bestreitet ein Fehlverhalten.

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