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Autobauer Gewinneinbruch von fast 80 Prozent – die Daimler-Zahlen in der Analyse

Daimler erleidet wegen der Coronakrise einen herben Gewinneinbruch. Konzernchef Källenius bereitet die Mitarbeiter nun auf einen verschärften Sparkurs vor.
23.04.2020 Update: 23.04.2020 - 08:57 Uhr Kommentieren

Daimler beendet Corona-Pause: Mercedeswerke fahren Produktion hoch

München „Covid-19 ist wie ein schwarzer Schwan: Wir konnten uns nicht direkt darauf vorbereiten“, bemerkte Daimler-Chef Ola Källenius erst vor einer Woche in einer internen Videoansprache an seine 300.000 Mitarbeiter rund um den Globus. Was der Manager damit genau meinte, ist nun für jedermann ersichtlich. Der Mercedes-Hersteller veröffentlichte am Donnerstag um exakt 0:21 Uhr in einer Ad-hoc-Mitteilung an die Aktionäre seine vorläufigen Geschäftszahlen für das erste Quartal.

Demnach ist der Betriebsgewinn der Stuttgarter von 2,8 Milliarden auf 617 Millionen Euro eingebrochen. Das ist ein Minus von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Coronakrise hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz des Dax-Konzerns. Zwar schreiben die Schwaben in allen drei Sparten (Auto, Trucks, Mobilitätsdienste) nach wie vor schwarze Zahlen, aber im Tagesgeschäft verbrennt der Konzern bereits viel Geld. Der Free Cashflow ist mit minus 2,3 Milliarden Euro negativ.

Am deutlichsten sichtbar werden die Corona-Einschläge in der Finanzsparte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) der Daimler Mobility AG, über die Kredit- und Leasingverträge abgewickelt werden, ist um mehr als 95 Prozent auf nur noch 58 Millionen Euro eingebrochen. Hintergrund des immensen Gewinnschwunds ist unter anderem, dass Daimler eine Risikovorsorge wegen Covid-19 von 400 Millionen Euro getroffen hat.

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    Den ursprünglichen Jahresausblick hält Daimler für „nicht länger haltbar“, nachdem der Konzern schon Mitte März auf die unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen der Viruspandemie hingewiesen hatte. Daimler warnt seine Anleger zudem, dass sowohl Umsatz und Absatz als auch Gewinn und Free Cashflow des Industriegeschäfts 2020 rückläufig sein werden. Die Auswirkungen auf Nachfrage, Lieferketten und Produktion könnten aber nicht sicher und detailliert eingeschätzt werden.

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    „Es geht darum, durch diesen Sturm durch zu navigieren“, konstatierte Konzernchef Källenius jüngst nach einem virtuellen Meeting mit seinen 200 wichtigsten Führungskräften. So etwas wie einen Normalzustand wird es aus seiner Sicht länger nicht geben. „Wir haben großartige Produkte und die Produktpipeline ist voll, aber die Covid-19-Pandemie wird Konsequenzen für die Wirtschaft haben. Und die werden länger wirken“, so Källenius. „Und da haben wir eine Lektion: Unser Businessmodell ist dafür zu anfällig“.

    Um für externe Schocks besser gerüstet zu sein, bereitet der Schwede seine Truppe nun schrittweise auf verschärfte Sparmaßnahmen vor. Wenn die Nachfrage plötzlich wegbreche, müsse man handeln. „Dabei gilt: Marge geht vor“, bekundet Källenius. Der 50-Jährige rückt damit vom Mantra seines Vorgängers Dieter Zetsche ab, der Absatz im Zweifel höher gewichtete als Profitabilität.

    Hoffnungsschimmer China

    Im ersten Quartal gingen die Verkäufe von Mercedes weltweit um 15 Prozent zurück, der Absatz von schweren Lastwagen und Bussen brach sogar um 20 Prozent ein. Nach einer vierwöchigen Zwangspause produziert Daimler seit dieser Woche in seinen Werken aber wieder Motoren, Batterien und in ausgewählten Werken wie Sindelfingen oder Bremen auch komplette Fahrzeuge. Die Autohäuser öffnen wieder. Hoffnung gibt Daimler zudem die Entwicklung in China.

    Die Lage im weltgrößten Automarkt stabilisiert sich allmählich. Während Massenhersteller im März noch hohe zweistellige Verkaufseinbußen hinnehmen mussten, konnten Luxusmarken wie Mercedes die Verluste auf ein Minium eindämmen. Konkret setzte Beijing Benz, das chinesische Joint-Venture der Marke mit dem Stern, im März bereits wieder mehr als 51.000 Fahrzeuge ab. Das ist ein Minus von nur 1,9 Prozent und damit verkraftbar.

    Daimler ist insgesamt „zuversichtlich, für die Zeit während und nach der Krise gut positioniert zu sein“. Zwar sackte die Nettoliquidität seit Jahresbeginn um 1,7 Milliarden ab, sie liegt mit 9,3 Milliarden Euro aber immer noch auf einem recht komfortablen Niveau.

    Zudem hat der Konzern weitreichende Maßnahmen zum Schutz seiner Barmittel ergriffen. Anfang April stockten die Schwaben ihren Liquiditätspuffer beispielsweise mit einem Kredit und einer Anleihe um satte 13,5 Milliarden Euro auf. Das ist einerseits ein starkes Signal, dass der Konzern trotz aller Probleme abseits von Kurzarbeit nicht auf direkte Staatshilfe angewiesen ist.

    Andererseits zeigen die Transaktionen klar: Für Daimler wird es zunehmend teurer, sich mit Fremdkapital einzudecken. Der fünfjährige Bond mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro, den der Konzern jüngst ausgab, ist mit 2,625 Prozent verzinst. Zum Vergleich: Im November 2019 begab Daimler noch drei Anleihen mit Zinssätzen zwischen 0,25 und 1,125 Prozent.

    Intern fürchtet man, dass die Kupons in Folge der Corona-Pandemie auf ein ähnliches Niveau wie in Zeiten der Finanzkrise ansteigen könnten, heißt es in Konzernkreisen. 2008 lagen die durchschnittlichen Zinssätze, die Daimler für Anleihen, Schuldverschreibungen und Verbindlichkeiten gegenüber Banken zahlen musste, durchweg bei mehr als fünf Prozent.

    2019 waren die durchschnittlichen Zinssätze, die Geldgeber von Daimler erhielten, teils nicht einmal halb so hoch. Doch die Zeiten der günstigen Kapitalbeschaffung sind für Daimler vorbei. Immer mehr Ratingagenturen senken den Daumen.

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