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Autobauer Honda schließt einziges europäisches Werk in Großbritannien

2021 soll der letzte Honda im Werk in Swindon vom Band laufen. Honda ist nicht der einzige Autobauer, der wegen des Brexits drastische Schritte einleitet.
Update: 19.02.2019 - 09:24 Uhr 3 Kommentare

Honda schließt Fabrik in Großbritannien – eine Folge des Brexit?

LondonDer bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens hat den japanischen Autohersteller Honda zu einem drastischen Schritt bewogen: Honda schließt sein Werk in Großbritannien. Das gab der Konzern am Dienstag bekannt. Die Fabrik mit 3500 Beschäftigten soll 2021 die Arbeit einstellen.

Das Werk ist die einzige Produktionsstätte von Honda in Europa, jedes Jahr montieren Mitarbeiter dort 160.000 Autos, von denen ein Großteil ins europäische Ausland exportiert wird. Der Brexit bringt dieses System in Gefahr.

Die Automobilbranche fürchtet Zölle und neue Regulierungsvorschriften, die nicht nur die Kosten in die Höhe treiben dürften, sondern auch die ausgeklügelten Just-in-time-Lieferketten durcheinanderbringen könnten. Die Kosten dürften an die Kunden weitergereicht werden, warnte jüngst der britische Automobilherstellerverband SMMT.

Für Briten könnten Autos demnach gut 1500 Pfund (1710 Euro) pro Fahrzeug teurer werden. Porsche hat bereits mitgeteilt, dass auf nach dem Brexit importierte Autos aus Stuttgart ein Aufschlag von bis zu zehn Prozent erhoben werden könnte.

Viele Automobilhersteller produzieren jedoch in Großbritannien. Acht von zehn dieser Autos sind für den Export, mehr als die Hälfte davon geht an Käufer in der EU. Viele der Bauteile, die unter den Motorhauben der Autos „made in UK“ verschwinden, haben zuvor mehrmals die Grenze überquert.

Doch noch an diesem Montag, 39 Tage vor dem Ende der EU-Mitgliedschaft, ist unklar, zu welchen Konditionen das in Zukunft geschehen wird. Nach wie vor müht sich die britische Premierministerin Theresa May um einen Brexit-Deal, dem sowohl die EU als auch ihre eigenen Abgeordneten zustimmen müssen. Sollte ihr das nicht gelingen, droht Großbritannien am 29. März um Mitternacht ohne Übergangsfrist aus der EU auszuscheiden –und ohne Maßnahmen, die die Folgen auf die Wirtschaft mildern.

Gerade für japanische Automobilhersteller wie Honda war die wirtschaftliche Nähe Großbritanniens zu der EU aber ein entscheidender Faktor bei der Suche nach einem Standort für europäische Werke. Schließlich ermöglichte ihnen das, von der Insel aus problemlos ihre Autos im europäischen Binnenmarkt zu verkaufen.

Nissan stieg so zum zweitgrößten Automobilhersteller auf der Insel auf, nach Jaguar Land Rover. Auf Platz drei kommt BMW, gefolgt von Honda und Toyota auf Platz fünf.

Produktion in Swindon ruht nach dem Brexit für neun Tage

Toyotas stehender Kommentar seit Monaten: Ein No-Deal-Brexit sollte um jeden Preis verhindert werden, weil es einen großen Einfluss auf die Just-in-Time-Logistik haben würde, die unabdingbar für die Autoindustrie ist.

Honda hatte schon mehrfach vor den Konsequenzen eines „No-Deal-Brexit“ gewarnt. Rund 350 Lastwagen bringen tagtäglich Bauteile nach Swindon. Diese sicherheitshalber einzulagern ist nicht möglich: Allein um die Produktion für gut eine Woche zu garantieren, wäre ein Warenhaus mit einer Fläche von 42 Fußballfeldern notwendig.

Honda hat deswegen angekündigt, die Produktion in Swindon unmittelbar nach dem Brexit erst einmal für neun Tage ruhen zu lassen. Auch BMW will Werksferien aus dem Sommer vorverlegen, im April rollen in dem britischen Mini-Werk deswegen keine Autos vom Band.

Daneben werden auch immer mehr langfristige Folgen des Brexits sichtbar. So hat der japanische Automobilhersteller Nissan mitgeteilt, das nächste Modell seines Geländefahrzeugs X-Trail nicht in Großbritannien, sondern in Japan bauen zu wollen. Jaguar Land Rover und Ford haben einen Stellenabbau angekündigt und das zum Teil mit dem Brexit begründet.

Die Branche steht aber nicht nur wegen des Brexits vor Schwierigkeiten: Auch die schwächere Nachfrage auf dem chinesischen Markt, neue Emissionsvorschriften, die Dieselkrise und der Handelsstreit mit den USA belasten die Branche.

Die Entscheidung, das Honda-Werk in Swindon komplett zu schließen, soll Medienberichten zufolge am Dienstag mitgeteilt werden. Die Europazentrale von Honda in Bracknell soll davon nicht betroffen sein.

„Das ist eine furchtbare Nachricht für die Tausenden Mitarbeiter in dem Honda-Werk in Swindon und ein weiterer Rückschlag für den Ruf Großbritanniens als globaler Standort“, sagte Vince Cable, Chef der britischen Liberaldemokraten. „Die Unsicherheit des Brexits ist eine Belastung für das Unternehmen.“

Japanisch-britische Handelsgespräche

Der automobile Brexit Hondas unterstreicht die Notwendigkeit Großbritanniens, rasch neue Handelsabkommen mit anderen Ländern zu schließen. Japan steht dabei bei den Briten ganz oben auf der Prioritätenliste.

Zum einen hat die britische Regierung angefragt, ob Großbritannien Mitglied im Transpazifischen Partnerschaftsabkommen TPP werden könne. Die USA sind aus dem Abkommen zwar ausgestiegen, aber die verbliebenen elf Pazifikanrainer haben unter diplomatischer Führung das Abkommen auch ohne die USA umgesetzt.

Zum einen verhandeln beide Länder bilateral. Doch auch die Verhandlungen laufen offenbar nicht glatt. Die Financial Times berichtete Anfang dieser Woche, dass die Verhandlungen stockten. Denn die japanische Seite ärgere sich über einen Brief des britischen Außenministers Jeremy Hunt und dem Handelsminister Liam Fox.

Das Duo soll dort schnelle Verhandlungen und Flexibilität gefordert haben. Doch in den Augen der Japaner spiegelten diese Hinweise eine die japanische Seite sah darin der FT zufolge "eine immer selbstherrlichere Einstellung der britischen Seite" wider. Allerdings wies Handelsminister Fox den Bericht am Montag umgehend zurück. "Meine japanischen Gegenüber sind sehr daran interessiert, einen Deal auszuhandeln", erklärte er auf einer Dienstreise in Israel. Denn sie würden denken, dass ein solches Abkommen schnell abgeschlossen werden könne.

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3 Kommentare zu "Autobauer: Honda schließt einziges europäisches Werk in Großbritannien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Brexit + dem EU/Japan Wirtschaftsabkommen und GB ist raus.

  • 'Kaperbriefe' natürlich, da war ich zu schnell von der Umschalttaste runter...

  • Mal gespannt, wann Elizabeth wieder kaperbriefe ausstellt, um das Nationaleinkommen zu erhöhen.

    ;-)