Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autobauer Jaguar Land Rover streicht 4500 Stellen vor allem in Großbritannien

Absatzprobleme in China und der Brexit: Beim britischen Autohersteller läuft es nicht rund. Firmenchef Speth streicht nun Tausende Arbeitsplätze.
Update: 10.01.2019 - 17:32 Uhr Kommentieren
Der Autobauer macht neben der Dieselkrise in Europa vor allem ein Einbruch der Geschäfte in China zu schaffen. Quelle: AP
JLR-Beschäftigte in Halewood

Der Autobauer macht neben der Dieselkrise in Europa vor allem ein Einbruch der Geschäfte in China zu schaffen.

(Foto: AP)

London Anfang der Woche hatten die Mitarbeiter von Jaguar Land Rover (JLR) in Birmingham noch Hoffnung geschöpft, dass der massive Stellenabbau, über den in Großbritannien seit Wochen spekuliert wurde, sie verschonen könnte. Schließlich hatte der größte britische Autohersteller für Dezember Rekordabsatzzahlen in den USA vermeldet.

Doch am Donnerstagnachmittag zerplatzten die Hoffnungen: JLR-Chef Ralf Speth kündigte an, die Zahl der Mitarbeiter im Konzern „um etwa 4500“ zu reduzieren, „zusätzlich zu den 1500 Mitarbeitern, die während des Jahres 2018 das Unternehmen verlassen haben“. Vor allem den Heimatmarkt Großbritannien soll der Stellenabbau treffen.

Das falle ihm nicht leicht, betonte Speth in einer Telefonkonferenz vor Journalisten. Es seien „harte, aber notwendige Maßnahmen“.

Nicht nur JLR stehe vor einer Reihe von Problemen, die alle gleichzeitig aufgetaucht seien: Dem Brexit, Absatzrückgängen in China, dem Handelsstreit zwischen China und den USA, die strikteren Vorschriften für Dieselfahrzeuge, „und noch viele weitere“, sagte der gebürtige Deutsche, der den Autohersteller seit neun Jahren führt. Auch Ford hatte am Morgen verkündet, im Zuge eines Umbaus des Europageschäfts Tausende Stellen zu streichen.

Das sei „eine furchtbare Nachricht“, sagte der britische Parlamentsabgeordnete Pat McFadden, in dessen Wahlkreis sich eines der britischen JLR-Werke befindet. „Jahrelang war die Branche eine große Erfolgsstory. Aber JLR wurde vom perfekten Sturm getroffen: sinkende Absatzzahlen in China, die öffentliche Diskussion über Dieselfahrzeuge und der Brexit“.

Im vergangenen Jahr hatte Speth bereits gewarnt, bei einem Brexit ohne Vereinbarungen mit der EU stünden tausende Jobs in der Branche auf dem Spiel. Allein das finanzielle Risiko für seinen Konzern bezifferte Speth damals auf 1,2 Milliarden Pfund (rund 1,33 Milliarden Euro). Nun wollte er nicht weiter über mögliche Folgen spekulieren, wehrte er Fragen ab, schließlich könne er nicht die Zukunft vorhersagen.

Vor wenigen Tagen hatte der Chef des britischen Sportwagenherstellers Aston Martin erklärt, für den Fall von Lieferschwierigkeiten nach einem EU-Ausstieg zusätzliche Produkte zu lagern. Für JLR sei das „schwierig“, sagte Speth: JLR verarbeite täglich Millionen Bauteile, deswegen wäre es schon aus logistischen Gründen schwierig, für Wochen Teile vorzuhalten.

Der japanische Autohersteller Honda, der ebenfalls zu den größten Autoproduzenten in Großbritannien zählt, will wegen möglicher Schwierigkeiten im April seine Bänder für sechs Tage anhalten, berichtete der Nachrichtensender Sky News.

Investitionen in Elektromobilität

Spekulationen, dass JLR sich im Zuge des Brexit von seiner Heimat verabschiede, wischte Speth mit einem klaren Statement beiseite: JLR „ist und bleibt ein britisches Unternehmen“.

Aktuellen Zahlen zufolge sank der Absatz des Unternehmens im Jahr 2018 um fast fünf Prozent auf 592.708 Fahrzeuge. Während sich die Autos in den USA sehr gut verkauften und dem Konzern ein Absatzplus auf dem nordamerikanischen Markt von sieben Prozent einbrachten, musste JLR auf dem chinesischen Markt ein Minus von fast 22 Prozent verkraften.

Schon vergangenes Jahr im Oktober hatte JLR die Einführung des Programms „Charge and Accelerate“ verkündet, das unter anderem deutliche Sparmaßnahmen vorsieht. Die Kosten sollen demnach in den kommenden Jahren um 2,5 Milliarden Pfund sinken, im vergangenen Jahr wurden davon bereits 500 Millionen Pfund erzielt.

Unter anderem wurden die geplanten Investitionen pro Jahr um 500 Millionen gekürzt, Zeitarbeitsverträge in Großbritannien nicht verlängert. Dass den Sparmaßnahmen darüber hinaus noch Arbeitsplätze zum Opfer fallen würden, war erwartet worden. Im vergangenen Dezember hatte die „Financial Times“ bereits berichtet, es würden bis zu 5000 Stellen gestrichen.

Die erzielten Einsparungen sollen es JLR ermöglichen, wichtige Investitionen zu finanzieren, etwa in den Aufbau eines Motorenwerkes in Wolverhampton, das die nächste Generation von elektrischen Antrieben produzieren soll, erklärte Speth. Die dafür notwendigen Batterien sollen in einer neuen Batteriefertigung in Hams Hall hergestellt werden.

Ab 2020 will JLR verstärkt auf Elektroanbiete setzen. Aus Sicht von Experten ein längst überfälliger Schritt, schließlich ist JLR derzeit stark abhängig von der Nachfrage nach Autos mit herkömmlichen Antrieben, besonders nach Diesel-Fahrzeugen.

Startseite

Mehr zu: Autobauer - Jaguar Land Rover streicht 4500 Stellen vor allem in Großbritannien

0 Kommentare zu "Autobauer: Jaguar Land Rover streicht 4500 Stellen vor allem in Großbritannien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote