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AutobauerJulia Willie Hamburg: VW hat nun eine grüne Kultusministerin im Aufsichtsrat

Die Grünen sind nach der Landtagswahl in Niedersachen der neue Regierungspartner der SPD. Die 36-jährige Hamburg ist nun die Nummer zwei im Land – und will auch beim Autobauer ein grüneres Programm.Stefan Menzel 11.11.2022 - 19:39 Uhr Artikel anhören

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne): Die beiden Politiker vertreten das Land Niedersachsen im Volkswagen-Aufsichtsrat.

Foto: dpa

Düsseldorf. Niedersachsen hat eine neue Landesregierung – und der Volkswagen-Konzern eine neue Aufsichtsrätin. Die Große Koalition ist im Oktober abgewählt worden, jetzt regiert in Hannover ein rot-grünes Bündnis. Ein Regierungswechsel im Land hat in aller Regel auch Auswirkungen für VW. Denn Niedersachsen stehen zwei Mandate im Aufsichtsrat des Wolfsburger Autoherstellers zu.

Meistens schickt die Landesregierung ihre beiden wichtigsten Politiker in den Kreis der VW-Kontrolleure, so auch jetzt. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sein oberstes Regierungsamt behalten und bleibt deshalb auch im Aufsichtsrat von Volkswagen. Neu ist dort hingegen die stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg, die grüne Kultusministerin des Landes. Am Freitag hat die 36-Jährige erstmals an einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg teilgenommen.

Die grüne Landespolitikerin ist sicherlich keine Auto-Enthusiastin. Nach eigenem Bekunden besitzt die Hannoveranerin keinen eigenen Wagen und ist lieber mit dem Fahrrad unterwegs. Schon im Wahlkampf hatte sie deutlich gemacht, was sie als VW-Aufsichtsrätin in Wolfsburg anders machen würde.

Kritik von der Opposition und von Aktionärsschützern

„Wir Grünen wollen uns dafür einsetzen, dass VW sich stärker als Mobilitätsdienstleister versteht und nicht nur auf den Individualverkehr setzt“, sagte sie im Vorfeld der Landtagswahl vor wenigen Wochen. Volkswagen solle zudem noch stärker auf die Elektromobilität setzen.

In Kreisen der Landtagsopposition sorgten solche Äußerungen schnell für Kritik. Es gebe berechtigte Zweifel daran, ob Julia Hamburg die nötige Qualifikation für den Aufsichtsratsposten bei Volkswagen besitze. Sie habe weder eine Berufsausbildung noch ein abgeschlossenes Studium. Außerdem werde das zweite VW-Mandat normalerweise mit dem Wirtschafts- oder dem Finanzminister besetzt. So leitete Bernd Althusmann (CDU), Hamburgs Vorgänger bei VW, in den Jahren der Großen Koalition das Wirtschaftsministerium in Hannover.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ging mit ihrer Kritik gleich noch eine Stufe weiter und drohte mit einer Klage, um die Abberufung von Julia Hamburg aus dem VW-Aufsichtsrat gerichtlich durchsetzen zu lassen. Auch die Aktionärsschützer argumentierten damit, dass die grüne Politikerin nicht die erforderlichen beruflichen Qualifikationen für den Kontrollposten besitze.

Unter Fußballfreunden

Der Koalitionspartner SPD wehrte sich gegen die Kritik an der neuen VW-Aufsichtsrätin. Die Kultusministerin werde auch in Wolfsburg „einen guten Job machen“, hieß es bei den Sozialdemokraten in Hannover.

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Volkswagen wollte sich am Freitag nicht offiziell zu den Vorgängen rund um die neue Kontrolleurin aus der Landesregierung äußern. Nach der Aufsichtsratssitzung hieß es aus Unternehmenskreisen, Julia Hamburg habe einen überzeugenden ersten Auftritt im Aufsichtsrat gezeigt.

Dabei scheint angesichts der vielen Fußballfreunde in der VW-Führung eins wichtiger als Auto-Affinität: Die grüne Politikerin hat sich bei der Aufsichtsratssitzung als Anhängerin des Zweitligisten FC St. Pauli zu erkennen gegeben. Auch der Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch und Konzernchef Oliver Blume sind erklärte Fußballfans. Und im VfL Wolfsburg hat VW schließlich auch ein eigenes Werksteam.

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