Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autobauer Opel-Ingenieure sollen freiwillig gehen

Der Autobauer rät Hunderten Mitarbeitern, zu Segula zu wechseln, bevor sie zwangsversetzt werden. Die IG Metall lotet mit Conti und IAV Alternativen aus.
26.06.2019 - 17:54 Uhr Kommentieren
Der gelernte Schlosser gründete das Unternehmen Opel vor 157 Jahren. Quelle: Reuters
Statue von Adam Opel in Rüsselsheim

Der gelernte Schlosser gründete das Unternehmen Opel vor 157 Jahren.

(Foto: Reuters)

München, Berlin Mehr als 500 Ingenieure und Facharbeiter, die im Opel-Entwicklungszentrum ITEZ in Rüsselsheim arbeiten, haben nun Gewissheit. In einer persönlichen Information teilte Personalchef Ralph Wangemann jedem einzelnen dieser Mitarbeiter am Dienstag mit: „Sie sind von der Geschäftsleitung für einen Wechsel in den neu zu bildenden Betrieb […] identifiziert worden.“ Eine dieser E-Mails von Wangemann liegt dem Handelsblatt vor.

Jedem Betroffenen ist damit klar: Opel hat kein Interesse mehr daran, sie weiterzubeschäftigen. In einem weiteren internen Schreiben, das das Handelsblatt einsehen konnte, appelliert das Management des Autobauers an alle Auserwählten, das Unternehmen nun freiwillig zu verlassen und zu dem französischen Dienstleister Segula zu wechseln, bevor man sie zwangsversetzen müsse.

Segula sei eine „gute Wahl“, erläutern die Truppen von Arbeitsdirektor Wangemann: „Daher wird weiterhin empfohlen, sich ausführlich mit den Möglichkeiten und Vorteilen eines freiwilligen Wechsels auseinanderzusetzen.“

Mit diesen Worten versucht das Opel-Management, langwierige Formalia und drohende rechtliche Auseinandersetzungen zu umgehen und den mageren Rest eines Deals zu retten, der bei dem traditionsreichen Fahrzeughersteller seit Monaten für heftige Auseinandersetzungen sorgt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Im Herbst vergangenen Jahres beschloss Opel, 2000 von 6500 Entwicklern am Stammsitz in Rüsselsheim auszulagern, um Überkapazitäten abzubauen. Dafür vereinbarten die Hessen eine strategische Partnerschaft mit Segula. Die Franzosen wollen in Rüsselsheim einen „Engineering-Campus“ errichten.

    Mittlerweile ist diese Abmachung aber auf kaum mehr als ein Viertel des ursprünglichen Volumens zusammengeschrumpft. Der Grund: Der Opel-Betriebsrat hat einen dreistufigen Prozess durchgesetzt, bei dem die Beschäftigten die Wahl haben: Entweder sie wechseln zu Segula, oder sie verlassen das Unternehmen über Abfindungen, Altersteilzeit oder Vorruhestand. In den ersten beiden Phasen votierten 1 342 ITEZ-Beschäftigte gegen Segula, nur 140 entschieden sich für den Dienstleister.

    Weil die Firma aus Nanterre bei Paris, die weltweit fast 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, aber unbedingt im wichtigsten Automarkt Europas Fuß fassen will, kämpft Deutschland-Statthalter Martin Lange in der nun bevorstehenden dritten Phase um die Gunst der restlichen Opel-Ingenieure.

    Am Mittwoch luden Segula und das Opel-Management zu Informationsveranstaltungen in Rüsselsheim und Dudenhofen. Segula wirbt mit gleichen Arbeits- und Gehaltsbedingungen wie bei Opel, samt Kündigungsschutz bis 2023 und Anrechnung der erreichten Anwartschaften hinsichtlich der Altersversorgung.

    Sorge um den Kündigungsschutz

    Doch die Vertrauensleute der Gewerkschaft IG Metall bei Opel warnen ihre Kollegen indirekt vor den vermeintlich gleichen Arbeitsbedingungen bei Segula. Im Detail gebe es nämlich erhebliche Diskrepanzen. Um das zu verdeutlichen, ließen die Vertrauensleute im ITEZ zwei Dokumente verteilen: erstens den Forderungskatalog, den Gewerkschaft und Betriebsrat im Oktober 2018 zur Bedingung für den Deal mit Segula machten. Und zweitens den Überleitungstarifvertrag, den die IG Metall jüngst mit Segula tatsächlich geschlossen hat. Beide Papiere liegen dem Handelsblatt vor.

    Der gravierendste Unterschied betrifft den Kündigungsschutz. Zwar erklärt sich auch Segula bereit, ohne Zustimmung des Betriebsrats bis zum Juli 2023 keine Massenentlassungen auszusprechen. Allerdings hegen die Opel-Vertrauensleute den Verdacht, der Betriebsrat von Segula könnte dem Management nahestehen und Kündigungen ohne großen Widerstand abnicken.

    „Bitte beachtet, dass sich bei Segula offensichtlich ein BR (Anm.: Betriebsrat) in Gründung befindet, bevor Opel-Kollegen dort an Bord sind“, wird die Befürchtung in einer Mail unter Vertrauensleuten begründet. Segula-Sprecher Immo von Fallois entgegnet: „Unser Betriebsrat denkt und handelt eigenständig.“

    Ein weiterer Unterschied: Während im Zukunftstarifvertrag von Opel dezidiert festgehalten wird, dass sich der Konzern dazu verpflichtet, in den Erhalt des Bestands zu investieren, plant Segula dies lediglich. Darüber hinaus will Segula laut Überleitungstarifvertrag nur dann einen paritätisch mitbestimmten Aufsichtsrat errichten, wenn „die Beschäftigtenzahl von Segula zum Zeitpunkt des Closings mindestens 1 500 Mitarbeiter beträgt“.

    Ob die Franzosen tatsächlich 1500 Mitarbeiter bei Abschluss des Deals mit Opel unter Vertrag haben, ist hingegen mehr als fraglich. Das Interesse der ITEZ-Fachkräfte, zu den Franzosen zu wechseln, ist gering. Bei Opel gibt es hingegen seit jeher ein Kontrollgremium mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern.

    Viele Vertrauensleute bei Opel können nicht verstehen, warum ihre eigene Bezirksgewerkschaft überhaupt einen Tarifvertrag mit Segula geschlossen hat. Von der IG Metall Mitte heißt es dagegen, es sei ihre Kernaufgabe dafür zu sorgen, dass es keine „Schmutzkonkurrenz“, also tariflose Betriebe, gebe.

    Die allermeisten Gewerkschafter eint freilich nach wie vor eine gewisse Skepsis hinsichtlich der Erfolgsaussichten von Segula in Deutschland. Die Franzosen sind hierzulande weitgehend unbekannt, müssen sich in einem hart umkämpften Markt behaupten.

    Gewerkschafter sprechen mit Conti und IAV

    Für den Fall, dass die Transaktion von Opel und Segula am Ende scheitert, weil zu wenige Ingenieure bereit sein könnten, für die Franzosen zu arbeiten, halten Vertreter der IG Metall nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen bereits nach Alternativen Ausschau. Der Hannoveraner Zulieferer Continental und der Berliner Entwicklungsdienstleister IAV wären etwa Kandidaten, heißt es in Branchenkreisen.

    Statt Segula wie derzeit vorgesehen mit Assets und Garantieaufträgen auszustatten, könnte Opel mit dem Verkauf oder Verleih von Anlagen sogar Geld verdienen. Schließlich sind Prüfstände und Testzentren in Zeiten immer aufwendigerer Zertifizierungsverfahren enorm gefragt.

    „Kein Kommentar“, sagte dazu ein Conti-Sprecher. Auch ein IAV-Sprecher wollte sich zu den gewerkschaftlichen Überlegungen nicht äußern, verwies aber auf die guten Geschäftsbeziehungen des Dienstleisters zu Opel und dessen französischem Mutterkonzern PSA (Peugeot, Citroën, DS).

    Opel selbst lässt wissen, uneingeschränkt an der strategischen Partnerschaft mit Segula festhalten zu wollen. Diese werde kommen und sei auch die wirtschaftlich beste Option. Segula will Anfang August in Rüsselsheim starten. Ende Juli sollen die Verträge mit Opel unterschieben sein, erklärte Segula-Sprecher von Fallois.

    Die Franzosen planen, Facelifts und Derivate von Modellen auf bestehenden Plattformen durchzuführen, „also beispielsweise aus einer Limousine einen SUV zu formen“, wie Franck Vigot, Automotive-Chef von Segula, zuletzt dem Handelsblatt sagte.

    Bis Segula in Rüsselsheim Facelifts durchführt, kann es aber noch dauern. Die mehr als 500 ITEZ-Mitarbeiter, die noch zu dem Dienstleister wechseln sollen, können das Prozedere theoretisch über Monate hinauszögern.

    So könnte der Betriebsrat in deren Namen einer Versetzung widersprechen und damit eine rechtliche Auseinandersetzung erzwingen. Sowohl Opel als auch Segula wollen das tunlichst vermeiden. Deswegen appellieren sie eindringlich an die Beschäftigten, freiwillig von dem ‧Autobauer zu dem Dienstleister zu wechseln. Der Ausgang ist offen.

    Mehr: Dem härteren Wettbewerb in der Autoindustrie fallen auch einige Baureihen zum Opfer. Zum Modelljahr 2020 nehmen gleich mehrere Abschied.

    Startseite
    Mehr zu: Autobauer - Opel-Ingenieure sollen freiwillig gehen
    0 Kommentare zu "Autobauer: Opel-Ingenieure sollen freiwillig gehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%