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Autobauer Problemfall im VW-Konzern: Audi will Kapazitäten in Deutschland kürzen

Nach Jahren der Expansion muss Audi umdenken: Die deutschen Werke sollen deutlich weniger Autos produzieren, die Antriebe werden elektrisch.
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VW-Konzern: Audi plant in Deutschland einen tiefgreifenden Umbau Quelle: Audi
Audi-Werk in Ingolstadt

Der Konzern muss wegen fehlender Auslastung Schichten streichen.

(Foto: Audi)

München Für die Strategen im Volkswagen-Konzern ist der Spätherbst die intensivste Zeit im Jahr. Denn Vorstand und Aufsichtsrat erwarten bis zum 15. November einen detaillierten Plan, mit welchen Modellen die zwölf Konzernmarken die insgesamt 122 Konzernwerke auslasten wollen. Der Plan muss stimmen: Denn nur gut ausgelastete Fabriken sind gute Fabriken, nur sie schreiben Gewinn.

Die Produktionsplaner haben eine gewisse Routine in dem filigranen Spiel mit Modellen, Marken und Standorten. In diesem Jahr ist die Aufgabe komplizierter als gewöhnlich. So geht mit dem ID.3 das erste Elektroauto in die Massenfertigung, weitere Modelle folgen.

Kopfzerbrechen bereiten auch die Handelskonflikte, die den Export schwer kalkulierbar machen. Die größte Sorge macht den Strategen aber die Tochterfirma Audi. Die einstige Gewinnmaschine hat sich zum schwersten Problemfall des Konzerns entwickelt.

Seit dem Skandal um gefälschte Abgaswerte von Dieselautos schlingert die Marke. Sah man sich vor wenigen Jahren noch auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW, so ziehen die Konkurrenten gemessen an den Absatzzahlen davon. Seit 2012 hat sich die Umsatzrendite auf sechs Prozent halbiert und liegt nur knapp über der Marke der Mutter. Zwar weist das Unternehmen Gewinne aus, doch eine Wende zum Besseren ist vorerst nicht in Sicht.

Fünf unterschiedliche Vorstände führten seit 2014 das Entwicklungsressort, im vergangenen Jahr verhaftete die Staatsanwaltschaft Konzernchef Rupert Stadler wegen seiner möglichen Verwicklung in die Dieselaffäre. Seitdem führt der einstige Marketingvorstand Bram Schot die VW-Tochter.

Mittlerweile schlagen die Betriebsräte Alarm. „Die Audi AG steckt derzeit in einer schwierigen Phase“, heißt es in einer gemeinsamen Resolution der deutschen Arbeitnehmer. „Auch wir sehen akuten Handlungsdruck.“ Ein Manager klagt: „Die Probleme sind gewaltig geworden.“

„Akut“ und „gewaltig“ – die Zeit des Schönredens ist in Ingolstadt vorbei. Nach zwei Jahren mit rückläufigen Verkäufen liegt die Marke in diesem Jahr wieder unter Plan. Mit 1,36 Millionen Autos bis Ende Oktober liegt das Minus bei 3,6 Prozent, erst vor wenigen Tagen musste Schot das Absatzziel für 2019 revidieren.

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Zwar liegt seit März ein Sparplan auf dem Tisch: Über 15 Milliarden Euro sollen bis zum Jahr 2022 eingespart werden. Doch das reicht nicht. „Es wird zwar brutal gespart, aber ohne Konzept“, klagt ein Manager.

Das Problem ist strukturell. Während die in China, Osteuropa und Mexiko gebauten Geländewagen einigermaßen laufen, schwächeln die einstigen Bestseller A3 und A4 und A6. Das ist vor allem für die deutschen Standorte Ingolstadt und Neckarsulm ein Problem, denn sie bauen fast ausschließlich Limousinen und Kombis.

Die Folge: Ingolstadt, auf eine Kapazität von 550.000 bis 600.000 Autos pro Jahr ausgelegt, wird 2019 auf 420.000 Stück absacken. Noch dramatischer ist die Situation in Neckarsulm: Hier liefen im vergangenen Jahr 186.000 Autos vom Band, die Kapazität liegt aber bei 300.000. Profitabel lässt sich mit solchen Auslastungen kaum arbeiten.

Wie ernst die Lage ist, zeigt das Beispiel A4. Wegen der Dieselaffäre und der häufigen Führungswechsel im Entwicklungsressort unterscheidet sich das aktuelle Modell technisch kaum von den Vorgängern, die Innovationen blieben aus. Eine halbe Milliarde Euro investierte der Konzern in ein optisches Facelift, doch die Absatzzahlen blieben unter den Erwartungen. Schot muss zum Ärger der Beschäftigten Schichten streichen.

Die Kosten für das aktuelle Modell sind so sehr aus dem Ruder gelaufen, dass mit dem Auto praktisch kein Geld mehr verdient wird. Früher verblieben 14 Prozent des Umsatzes als Gewinn bei Audi, die Zeit sei längst vorbei, sagt ein Aufsichtsrat. Nun sucht eine „Taskforce“ beim A4 Einsparmöglichkeiten – ein Novum in der Audi-Geschichte.

Für die Planer von VW ist klar, dass Audi sparen muss. „Vor allem Neckarsulm ist so teuer in der Produktion, dass wir Fahrzeuge wie den VW-Passat dort nicht bauen könnten“, sagt ein Manager. Die Folgen dieser Fehlplanungen müssen die Beschäftigten tragen.

Der Sanierungsplan sieht vor, die Überkapazitäten in Deutschland abzubauen. Konkret wird in beiden Werken die Jahreskapazität um je 100.000 Auto gestrichen: Neckarsulm schrumpft auf 200.000, das Stammwerk in Ingolstadt auf 450.000 Stück. Der Abbauplan soll Audi langfristig mehrere Milliarden Euro sparen, das Unternehmen wird weniger Flächen, Maschinen und Menschen in Deutschland einsetzen.

Weniger Stückzahlen, mehr Stromer
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1 Kommentar zu "Autobauer: Problemfall im VW-Konzern: Audi will Kapazitäten in Deutschland kürzen"

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  • Ich finde eine Bedürftigkeitsprüfung ist zumutbar. Daran wird die Koalition nicht scheitern.