Autobauer Rückschlag für Tesla – Autotester kritisieren das Model 3

Autotester des einflussreichen „Consumer Reports“ bemängeln zahlreiche Dinge an Teslas Massenfahrzeug. Empfehlen können sie das Model 3 nicht.
8 Kommentare

Elon Musk zieht die Reißleine – Tesla soll „reorganisiert“ werden

New YorkZu langer Bremsweg, unhandliche Bedienelemente: Geht es nach dem US-Verbrauchermagazin „Consumer Reports“ ist Teslas Massenfahrzeug Model 3 nicht zu empfehlen.

Laut der Zeitschrift, vergleichbar mit den Publikationen der Stiftung Warentest in Deutschland, ist der Bremsweg von rund 46 Metern (152 Fuß) bei einer Geschwindigkeit von knapp 100 Stundenkilometern (60 Meilen pro Stunde) „weit schlimmer“ als bei jedem anderen modernen Auto, „das wir getestet haben“. Der weitaus größere und schwerere Pick-up F-150 von Ford komme demnach bei gleicher Geschwindigkeit mehr als zwei Meter früher zum Stehen.

Für Tesla ist das keine gute Nachricht. Zwar verweist der Autobauer auf eigene Tests, wonach der Bremsweg unter bestimmen Bedingungen nur rund 40 Meter beträgt. Doch „Consumer Reports“ gehört zu den einflussreichsten Informationsquellen für Autofahrer in den USA. Nicht umsonst versprach Tesla-Chef Elon Musk über Twitter umgehend, die Bremsfähigkeiten des Models 3 mit einem Update zu verbessern.

Mehr zu Tesla

Dem Model S gab die Organisation hinter dem Magazin einst mit 103 von 100 möglichen Punkten die bislang höchste Bewertung und bescherte dem Elektroauto-Pionier damit einen regelrechten Glaubwürdigkeitsschub. Tesla-Chef Elon Musk sah sich daraufhin veranlasst, dem Magazin seine Liebe zu erklären. Nach dem jüngsten Urteil dürfte die jedoch etwas abgekühlt sein.

Die Tester bemängeln beim Model 3 eine unterdurchschnittliche Zuverlässigkeit. Laut Rebecca Lindland, Analystin bei Kelley Blue Book, macht es die fehlende Empfehlung „sicherlich schwieriger, in den Massenmarkt einzudringen, von dem sich Tesla langfristiges Wachstum erhofft“. Eingefleischte Fans des Autobauers würden sich dadurch aber nicht vergraulen lassen, so Lindland.

Model 3 mit zwei Motoren und Allradantrieb

Neben dem langen Bremsweg missfielen den Testern auch das steife Fahrwerk, unbequeme Rücksitze und übermäßige Windgeräusche bei Autobahnfahrten. Die Kompaktklassen der meisten direkten Mitbewerber bieten laut „Consumer Reports“ hier mehr Komfort. Die Tesla-Aktie ging am Montag mit einem Plus von 2,8 Prozent aus dem Handel, rutschte nachbörslich jedoch leicht ins Minus.

Allerdings fanden die Tester auch lobende Worte für das Fahrzeug, das Tesla mit einem Basispreis von 35.000 Dollar für die breite Bevölkerung produziert. Positive Erwähnung fanden die Akku-Reichweite, das Handling sowie die „berauschende Beschleunigung“. Insgesamt, so das Testurteil, ist das Model 3 ein starker Wettbewerber für vergleichbare Baureihen von Luxusanbietern – etwa für den 3er von BMW oder den Audi A4.

Tesla hatte beim Model 3 wiederholt mit Produktionsverzögerungen und -engpässen zu kämpfen, sowohl in seinem Montagewerk, als auch bei der Batterieherstellung. Ende Mai soll die Fertigung wegen Verbesserungen an den Anlagen für sechs Tage still stehen.

Im ersten Quartal lieferte Tesla insgesamt 8180 Model 3 aus; der Stromer ist damit das meistverkaufte Elektroauto in Amerika. Fast eine halbe Million Kunden haben für das Fahrzeug eine Anzahlung von 1000 Dollar getätigt.

Am Sonntag gab Musk per Twitter bekannt, dass das Model 3 ab Juli auch mit Allradantrieb produziert werden soll. Demnach werden zwei Elektromotoren verbaut, einer vorne und einer hinten im Fahrzeug. Einer davon garantiere Leistung, einer Reichweite, erklärte Musk.

Auch den Preis für die zweimotorige Allrad-Version gab Musk bekannt: Mit allen Optionen außer Autopilot soll sie 78.000 Dollar kosten. Ob die Neuerungen ausreichend sind, um die Liebesbeziehung zwischen Tesla und „Consumer Reports“ wieder zu entfachen, bleibt abzuwarten.

  • Bloomberg
  • mst
Startseite

Mehr zu: Autobauer - Rückschlag für Tesla – Autotester kritisieren das Model 3

8 Kommentare zu "Autobauer: Rückschlag für Tesla – Autotester kritisieren das Model 3"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Frank Plonus:
    Wenn Sie Tesla als Sekte bezeichnen, so könnte man ebenso auch Apple oder Microsoft als Sekte bezeichnen. Könnte mich diesem Gedanken anschließen!
    Die Produkte werden nicht aus Sinnhaftigkeit gekauft, sondern sind eine Glaubensfrage.
    Wie doch der Münchner Oberbürgermeister Reiter sagte, als er sich für Microsoft und gegen das bereits eingeführte Open Source entschied: "Microsoft hab ich zuhause" (wie mein Kreuz in der Küche auch) und er ist wohl zuwenig fähig sinnvolle, kostengünstige und durchdachte Entscheidungen zu treffen und läuft einer Glaubensrichtung hinterher.

  • Herr Andre Peter,
    meiner Meinung nach ist TESLA keine Firma, sondern eine Sekte. Was immer der Guru Musk predigt, ist für seine Jünger die Wahrheit.

  • Manche Leute lieben Pferdewetten, andere Poker oder Black Jack, andere wiederum Spielautomaten usw. In der Regel erhoffen sich diese Leute "den großen Gewinn".
    Wo jemand Aktien billig kauft und teuer verkauft, muss es aber natürlich auf der Gegenseite immer einen anderen geben, der diese teuer kauft (weil er einen noch größeren Gewinn erhofft), aber dann billig verkauft.
    Warum es dann aber Leute gibt, die Aktien eines Unternehmens kaufen, welches 480.000 USD pro Stunde verbrennt, bleibt auch mir ein unergründliches Rätsel:
    "Tesla hat in den letzten zwölf Monaten pro Stunde 480.000 US-Dollar verbrannt. Das sind 8.000 Dollar pro Minute. Bleibt die Cash-Burn-Rate so hoch, dürfte Tesla am 08. August 2018 in Finanzierungsschwierigkeiten geraten..."
    https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10084226-verluste-ende-tesla-cash-burn-rate-480-000-h

  • Nun, liebe Frau Lana Ebsel und Herr Frank Plonus,
    verstehe ich sie richtig, dass Sie Tesla Kunden für geistig beschränkt halten?
    Kann ich nicht nachvollziehen!
    Es gibt ja auch iPhoneX ein Smartphone, dass nicht mehr kann als so ein Nokia 6 für ca 300 Euro. Das iPhoneX kostet aber ca. 1.000 Euro - Wären dann jene Kunden auch als etwas beschränkt zu betrachten?
    Wahrscheinlich gibt es so etwas wie Markenverliebtheit oder "Glaube" an irgend etwas, und unsere Vorfahren haben ja auch brav Ablassbriefe gekauft. Würden wir sie heute als geistig beschränkt betrachten?
    Sind wir nicht alle geistig beschränkt?
    Für mich ein eindeutiges JA - ich kann wirklich nicht alles erfassen - die Welt ist einfach zu komplex!

    Vielleicht ist der Musk ja sowas wie ein Ablassbrief - Verkäufer - man kauft von ihm, weil er uns verspricht, dass wir etwas für die "Rettung der Welt" tun. Wer ihm das glaubt, ist selbst dafür verantwortlich!

  • Nun, Frau Lana, der Hersteller sollte seine Klientel doch kennen.....

  • Wer bitte braucht eine rasende Beschleunigung, wenn er fünf Meter nach der Ampel wieder auf Tempo 30 runterbremsen muss? Wer mit so etwas Werbung macht, hält seine Kunden für geistig beschränkt.

  • Musk hat laut manager magazin online von heute, zugegeben das er mit der Basisversion des Model 3 für 35.000 $ die Firma ruinieren würde. Also baut er jetzt mit Mitarbeitern die er aus der Model S Produktion abgezogen hat die Luxusversion des Model 3 die preislich bei in etwa bei der Basisversion des Model S liegt.

    Warum sollte sich jemand ein unausgereiftes Model 3 kaufen wenn er für nahezu den gleichen Preis die Basisversion des besseren Models bekommt ? Abgesehen davon hat Trump auch mit den Margen aus dem hochpreisigen Segement bisher in keinem Jahr eine schwarze Null geschrieben.

    DIe Strategie ist zwar klar er will die Model 3 Produktion hochfahren ohne daran Pleite zu gehen und dies erhofft er sich mit dem Verkauf der teureren Varianten, das wird aus den vorgenannten Gründen wohl ehe schwierig.

    Im Gegensatz zu Musks medialer Strategie der großen Versprechungen wird die Konkurrenz schlicht liefern. BIG Auto sitzt auch auf deutlich mehr Geld und verdient jedes Jahr Milliarden.

    Musk hat zwar den Markt bereitet und konnte die Konkurrenz bisher im Rückspiegel betrachten, gut möglich das er nächtes Jahr dafür durch die Windschutzscheibe gucken muß.

  • Bei den Bremstests kommt es halt darauf was und wie da genau getetstet wird. Laut Car and Driver (also einer anderen Stelle) bremst das Model 3 Long Range von 70-0 mph beispielsweise besser als der BMW i3 EV und deutlich besser als der Volkswagen e-Golf SEL premium, Chev Bolt EV Premier und Hundai Ioniq Electric Ultimate - wie nachzulesen unter electrek.


Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%