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Autobauer Schlussstrich unter die Ära Ghosn: Renault verkleinert sich in der Krise drastisch

Der traditionsreiche Autobauer will zurück zur Rentabilität. Kapazitäten werden gedrosselt, bekannte Modelle gestrichen und weltweit fast 15.000 Stellen abgebaut.
29.05.2020 Update: 29.05.2020 - 13:19 Uhr 1 Kommentar
Allein in Frankreich will Renault 4600 Stellen streichen. Quelle: AFP
Proteste in Choisy-le-Roi gegen mögliche Werksschließungen

Allein in Frankreich will Renault 4600 Stellen streichen.

(Foto: AFP)

Paris Fünf Millionen Autos im Jahr wollte Renault 2022 herstellen, das war der Plan, als der Automanager Carlos Ghosn noch an der Spitze des französischen Traditionsunternehmens stand. Seine Nachfolger Jean-Dominique Senard und Clotilde Delbos haben diesen Freitag einen drastischen Schlussstrich unter die Ära Ghosn gezogen: Statt sich zu vergrößern, wird Renault schrumpfen, von einer Kapazität von vier Millionen Einheiten heute auf 3,3 Millionen im Jahr 2024.

Dafür werden weltweit fast 15.000 Jobs abgebaut, in Frankreich allein 4600. Um zwei Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren soll das dauerhaft die Kosten senken. „Wir waren in die falsche Richtung gegangen, hatten für möglichst viel Menge die Marge geopfert, das korrigieren wir heute“, sagte Interimschefin Delbos.

„Wir werden innerhalb von drei Jahren ein dauerhaftes neues Fundament für Renault bauen“, versprach der Verwaltungsratsvorsitzende Jean-Dominique Senard: „Dieses Unternehmen kann die Last seiner Fixkosten nicht mehr tragen.“ In Frankreich liege die Produktionskapazität heute bei über einer Million Einheiten pro Jahr, tatsächlich hergestellt würden aber nur 680.000 Stück.

Zugleich versprach Senard, dass bis 2022 kein Werk in Frankreich geschlossen werde. Die Regierung will Renault mit einer Kreditbürgschaft über fünf Milliarden Euro stützen, hat aber zur Auflage gemacht, dass möglichst alle Standorte erhalten bleiben.

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Standort erkennen

    Die Bürgschaft ist allerdings noch nicht unterschrieben. Die Regierung verlangt, dass vorher eine Einigung zwischen dem Management und den Mitarbeitern über die Zukunft der Standorte erreicht wird. „Wir brauchen das Geld nicht akut, denken aber, dass die Bürgschaft in naher Zukunft unterschrieben werden dürfte“, äußerte Senard dazu.

    Die Standort-Garantie zwingt das Management zu einer merkwürdigen Akrobatik. So hat das Werk in Dieppe, wo der Sportwagen Alpine hergestellt wird, eigentlich keine Zukunft. Senard selber sagte, dass zu wenige Autos gebaut würden – weniger als zehn am Tag – um die Fabrik auszulasten. Das wunderschöne, aber wenig erfolgreiche Modell wird möglicherweise eingestellt. Doch Senard versicherte, es sei keine Entscheidung über das Werk gefallen, das „hochkompetente Mitarbeiter“ habe.

    Wortkarg beim Thema Jobabbau weltweit

    Überhaupt nicht äußern will sich das Management zur künftigen Modellpalette. Laut Medienberichten sollen neben dem Alpine auch der Espace und die Limousine Talisman vom Markt genommen werden. Damit würde Renault sich völlig aus der Oberklasse zurückziehen.

    Auch die kleineren Modelle Mégane und Scénic sollen angeblich eingestellt werden. „Das wird zu gegebener Zeit nach der Ankunft von Luca de Meo entschieden“, sagte Delbos. Der frühere Seat-Chef fängt Anfang Juli als neuer Renault-Chef an. Delbos behält als seine Stellvertreterin und als Finanzchefin eine führende Rolle.

    Äußerst wortkarg waren Senard und Delbos auch im Hinblick auf die weltweiten Jobverluste. In welchen Ländern welche Werke verkleinert werden sollen, wollten sie nicht sagen. Zwei Ausnahmen gibt es: Mit Blick auf Spanien wurde Delbos konkret, sagte, dass es dort wohl keine Kapazitätsschnitte geben werde.

    Die traditionsreiche Fabrik bei Paris, wo alle bedeutenden Modelle der Marke gebaut wurden, wird wohl 2024 die Autoherstellung verlieren. Quelle: Reuters
    Renault-Werk in Flins

    Die traditionsreiche Fabrik bei Paris, wo alle bedeutenden Modelle der Marke gebaut wurden, wird wohl 2024 die Autoherstellung verlieren.

    (Foto: Reuters)

    Das mag auch daran liegen, dass der Partner Nissan sein Werk in Barcelona schließt. „In welchem Maße Kapazitäten von Nissan auf Renault übertragen werden ist bislang weder diskutiert noch entschieden worden.“ warnte die Französin aber vor vorschnellen Rückschlüssen.

    Die Präsenz von Renault in China, unter Ghosn massiv ausgebaut, soll dagegen fast völlig beendet werden. Autos mit Verbrennungsmotoren wird Renault dort nicht mehr anbieten. Man überlässt den Markt dem Partner Nissan. Die Beteiligung am Joint-Venture mit Dongfeng soll an die Chinesen verkauft werden.    

    Die traditionsreiche Fabrik Flins bei Paris, wo alle bedeutenden Modelle der Marke gebaut wurden, wird wohl 2024 die Autoherstellung verlieren. Um den Standort zu erhalten, soll er zu einem Recyclingzentrum umgewandelt werden. Der Standort Choisy le Roi, wo Motoren, Getriebe und andere mechanische Teile aufgearbeitet werden, wird dafür wohl geschlossen.

    Weniger Teile, weniger Motorenvarianten

    Die Kostensenkung von zwei Milliarden Euro schlüsselte Delbos so auf: 800 Millionen Euro sollen durch höhere Effizienz in der Entwicklung gespart werden. „Wir haben zu viele Varianten von Modellen und zu viele Komponenten pro Variante“, sagte sie. Renault könne die Vielfalt der Teile um bis zu 25 Prozent verringern. Auch die Palette der Motoren könne verkleinert werden.

    Die Verringerung der Kapazitäten soll Einsparungen in Höhe von 650 Millionen Euro bringen. Die Allgemeinkosten in der Verwaltung und in sonstigen Bereichen will Renault um 700 Millionen Euro senken. Der Jobverlust von 4600 Posten in Frankreich entfalle je zur Hälfte auf Arbeiter und auf Ingenieure sowie andere Angestellte. Er soll ausschließlich durch vorzeitigen Ruhestand, freiwilliges Ausscheiden und Fluktuation zustande kommen.

    Interimschefin Clotilde Delbos beschrieb die geplante Rosskur nicht als Folge der Coronakrise. „Die anhaltende Schwäche des Automarktes und die Folgen der schärferen europäischen Emissionsnormen haben Renault zugesetzt, die Covid-Krise ist nur erschwerend hinzugekommen“, erläuterte Delbos. 2019 erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von 141 Millionen Euro.

    Eine Zukunftsperspektive für die französischen Standorte will Renault durch die Konzentration der Kapazitäten für die Elektromobilität im Heimatland aufbauen. Das gelte sowohl für die Entwicklung als auch für die Fertigung. Der neue 100KW-Motor, der eigentlich in China produziert werden sollte, ist nun für Frankreich vorgesehen. „Alle Entwicklungsarbeiten, die Spitzentechnologien betreffen und mit hoher Wertschöpfung verbunden sind, konzentrieren wir auf Frankreich.“ versprach die Chefin.

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    1 Kommentar zu "Autobauer: Schlussstrich unter die Ära Ghosn: Renault verkleinert sich in der Krise drastisch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wir erinnern uns. Vor dem Fall der DDR hatten die europäischen Automobilfabriken ernst zu nehmende Überkapazitäten. Daimler-Fahrzeuge konnte man auf dem Acker, wo sie notfallmäßig geparkt waren, mit 40% Rabatt kaufen, Barzahlung. Danach tat sich in Osteuropa ein gigantischer neuer Markt auf durch den Fall der DDR und der anderen Ost-Staaten bis hinein nach China. Aber auch der Ostmarkt ist nun gesättigt. Die auf stetiges Wachstum ausgerichtete Marktwirtschaft benötigt jedoch stetige Expansion in neue Markträume. Die Erweiterung auf den Mars gibt es noch nicht und in Afrika ist noch zu wenig Geld vorhanden. Nun kommt es zu Krisen. Markbereinigung ist unumgänglich mit Kapitalentwertung der Fabriken. Man könnte den Firmen noch etwas Zeit schenken und im Euro-Raum alle Städte und Gemeinden mit neuen Fahrzeugen ausstatten. Es müssen diesmal noch die guten alten Verbrenner sein, denn Benzin-Diesel-Gas-Fahrzeuge müssen schnell einsatzfähig sein, also schnell nachtanken können. Finanziert werden könnten die Fahrzeuge mittels einer Sonderfinanzierung durch die EZB, Zinsen Null, Kredit-Laufzeit 20 Jahre. So würde aus dem von der EZB geschöpften Geld durchaus gute Werte entstehen, erstens die Fahrzeuge, zweitens kommt der langjährige Nutzwert den Bürgern zugute. Also Leute, die Produktions-Bänder noch kräftig laufen lassen, bevor diese entwertet werden durch Stillstand. Steigt den Politikern auf die Hühneraugen.

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