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Wer ließ die Fusion scheitern?

Fiat Chrysler und Renault geben sich gegenseitig die Schuld für die gescheiterten Fusionsgespräche.

(Foto: AP)

Autobauer So scheiterte die Fusion von Fiat Chrysler und Renault

Mit Renault wollte Fiat Chrysler einen globalen Champion der Autoindustrie schmieden. Doch daraus wird nichts. Beide Seiten schieben sich die Schuld für die geplatzte Autoehe zu.
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Paris/Rom/DüsseldorfNach der verpatzten Fusion zwischen Renault und Fiat Chrysler herrscht in Frankreich und Italien Katzenjammer. Während Fiat Chrysler der französischen Regierung die Schuld für das Scheitern gibt, weist Paris die Verantwortung von sich.

„Der französische Staat hat Garantien verlangt. Und das ist in Zeiten einer Hochzeit normal“, verteidigte Budgetminister Gérald Darmanin auf „Franceinfo“ die Bedenken auf französischer Seite. „Wir müssen heute die Arbeitsplätze in unserer Automobilindustrie verteidigen“, ergänzte er.

In der vergangenen Woche hatte alles noch wunderbar harmonisch ausgesehen. Der Renault-Verwaltungsrat hatte das Fusionsangebot von Fiat Chrysler (FCA) gleich am Montag über mehrere Stunden diskutiert. Renault teilte nach der Sitzung mit, dass der Konzern dem Angebot aus Turin wohlwollend gegenüberstehe. Die Möglichkeit einer Fusion werde „mit Interesse“ untersucht, hieß es aus der Renault-Spitze um Thierry Bolloré.

„Wir wollen so schnell wie möglich voranschreiten, um ein definitives Abkommen mit der Renault-Gruppe zu schließen“, schrieb auch FCA-Chef Mike Manley danach an die eigenen Mitarbeiter. Auf beiden Seiten schien der Wille groß, mit der angekündigten Fusion wirklich Ernst zu machen.

Doch ein paar Tage später ist die ganze Sache schon wieder vorüber. Grund war die zögerliche Haltung der französischen Regierung, die 15 Prozent an Renault hält. Paris verlangte weitreichende Jobgarantien für die französischen Standorte. Zudem pochte die Regierung auf das Einbeziehen des Renault-Partners Nissan, an dem die Franzosen 43 Prozent halten. Der Renault-Verwaltungsrat bat um Aufschub, Fiat Chrysler blies das Vorhaben ab.

Die Aufregung an den Börsen und in der Automobilindustrie, die Fiat-Chrysler am vergangenen Montag mit seinem Fusionsangebot für Renault ausgelöst hatte, hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Die Idee, den drittgrößten Automobilhersteller der Welt mit jährlich 8,7 Millionen verkauften Fahrzeugen hinter Volkswagen und Toyota zu schaffen, wird nicht umgesetzt.

Analysten nahmen ihre höheren Bewertungen für Fiat-Chrysler und Renault sofort wieder zurück. Allein der Wert der Renault-Aktie sank am Donnerstag um rund sieben Prozent.

Kritik an der französischen Regierung

Denn Fiat Chrysler will von einer Fusion mit dem französischen Wettbewerber nichts mehr wissen. Verschnupft reagierte der italienisch-amerikanische Autokonzern auf die Bitte aus Paris, sich doch etwas mehr Zeit für die Prüfung der vorgeschlagenen Fusionspläne zu nehmen.

Fünf weitere Tage wollte sich der Renault-Verwaltungsrat alle Details der angedachten Fusion noch einmal ansehen. Die Verzögerung war vor allem von den Vertretern des französischen Staates im Renault- Verwaltungsrat vorangetrieben worden. Die Regierung in Paris ist mit 15 Prozent der Anteile der wichtigste Eigentümer von Renault.

Die französische Seite sieht die Schuld für das Scheitern beim italienisch-amerikanischen Konkurrenten. Es habe keinen Grund gegeben, das Angebot so überstürzt zurückzuziehen, hieß es aus Regierungskreisen. Bereits zu Beginn der Gespräche habe FCA massiven Druck ausgeübt. Renault brauche auf jeden Fall noch mehr Zeit, um die Fusionspläne mit seinem japanischen Allianzpartner Nissan zu besprechen.

„Alles nur vorgeschoben“, lautete die Antwort aus Fiat-Chrysler-Kreisen. Die französische Regierung habe den Zusammenschluss von Anfang an nicht gewollt.

„Da wurde improvisiert, ohne Sinn fürs Detail“

Paris hatte mehrere Bedingungen für eine Einigung mit Fiat-Chrysler aufgestellt. Dazu gehörten der Erhalt der Arbeitsplätze und eine „ausgeglichene Führungsstruktur von Renault und FCA“. Ein künftiges Zusammengehen müsse auch die Allianz von Renault und Nissan einschließen, hieß es.
Fiat Chrysler erklärte, das politische Klima in Frankreich verhindere einen Erfolg der Fusion. Man sei aber weiter davon überzeugt, dass es gute Gründe für einen solchen Zusammenschluss gebe. „FCA wird seine Verpflichtungen durch die Umsetzung seiner unabhängigen Strategie weiterhin erfüllen“, hieß es aus der FCA-Zentrale.

Ganz anders fällt das Urteil von Giuseppe Berta von der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi aus: „Diese Hochzeit konnte nicht klappen, denn die Architektur der Fusion war nicht stabil und außerdem wollte der dritte Player, Nissan, eher eine lange Verlobungszeit“, sagte der Experte dem Handelsblatt. Dazu kämen handwerkliche Fehler: „Da wurde improvisiert, ohne Sinn fürs Detail, das war schlecht gemacht“, erklärte er. Die politischen Einschränkungen seien nicht bedacht worden.

Andere Experten hatten die Fusionspläne begrüßt. Die Unternehmen hatten in Aussicht gestellt, die Kosten pro Jahr um fünf Milliarden Euro zu drücken. Renault und Fiat Chrysler brauchen diesen Spielraum, um in Elektromobilität und das autonome Fahren investieren zu können. Analyst Arndt Ellinghorst von ISI Evercore beschreibt die Lage als „Albtraum“ für die Aktionäre. „Wenn sich Regierungen einmischen, ist das Ergebnis selten positiv für die Aktionäre oder die längerfristige Unternehmensentwicklung“.

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Wie geht es weiter? Fiat Chrysler könne das Europageschäft abstoßen und versuchen, mit Hyundai ins Gespräch zu kommen, „und Teilabkommen statt einer globalen Fusion abschließen“, glaubt Wirtschaftsprofessor Berta. Er glaube nicht, dass sich die Fiat-Eigentümerfamilie Agnelli, um Firmenerbe John Elkann ganz aus der Automobilbranche verabschieden werde.

„Der Fall zeigt, dass es nicht immer richtig ist, wenn die Politik eingreifen will in ökonomische Vorgänge“, erklärte der italienische Vizepremier und Industrieminister Luigi Di Maio. „Weiter sage ich nichts dazu, denn wenn FCA das Angebot zurückgezogen hat, dann hat der Konzern das nicht für passend gehalten.“

„Mit Blick auf die hohen Investitionskosten für Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren und die Elektromobilität wären eine Fusion oder eine enge Kooperation der beiden Autohersteller durchaus sinnvoll gewesen, zumal Fiat Chrysler bei E-Antrieben deutlich hinterherhinkt“, betonte Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover.

Sogar Branchenprimus Volkswagen geht auf Partnersuche, wenn auch nur im Rahmen einer Kooperation und nicht durch eine Fusion. Um die Entwicklungs- und Produktionskosten für den neuen MEB-Elektrobaukasten zu senken, will VW die E-Plattform auch anderen Autoherstellern anbieten. Aussichtsreichster Kandidat ist der US-Konzern Ford.

Die Partnersuche geht weiter

Autoanalyst Schwope ist davon überzeugt, dass Fiat Chrysler auch nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Renault auf Partnersuche bleibt. „Nicht auszuschließen ist, dass Fiat Chrysler und PSA wieder ihre Gespräche aufnehmen“, sagte er. Im Frühjahr war bekannt geworden, dass der italienische-amerikanische Konzern mit dem zweiten französischen Autohersteller den Kontakt gesucht hatte. PSA wäre aus Sicht Schwopes der „natürliche“ Fusionspartner für Fiat Chrysler. Beide Unternehmen arbeiten bei leichten Nutzfahrzeugen zusammen.

Renault und Fiat Chrysler wollten die Kosten nach einem Zusammenschluss um jährlich fünf Milliarden Euro drücken, einen Betrag, der wahrscheinlich nicht ohne Werksschließungen möglich gewesen wäre. „Fiat und Renault sind in Europa in einem vergleichbaren Produktsegment unterwegs“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Universität Duisburg-Essen.

Fiat Chrysler hat vor allem ein Problem in Italien. Auch dem im vergangenen Sommer verstorbenen Konzernchef Sergio Marchionne war es nicht gelungen, Fiat auf dem Heimatmarkt zu sanieren. Während der USA-Markt vor allem mit der Marke Jeep gut läuft, sind die Fiat-Fabriken in Italien nur ungefähr zur Hälfte ausgelastet. 27 Produktionsstätten betreibt FCA im Stammland von der Kernmarke Fiat.

Ein zweites Problem: Es fehlt an neuen Modellen gerade etwa im Bereich der Elektromobilität. Immerhin werden gerade im Vorzeigewerk Mirafiori in Turin die Produktionsstraßen für den elektrischen Fiat 500 gebaut, der im nächsten Frühjahr auf den Markt kommen soll. Fiat kann sich allerdings keine Elektrooffensive wie etwa der Volkswagen-Konzern erlauben, der bis zum Jahr 2023 mehr als 30 Milliarden Euro in neue Elektrofahrzeuge investiert. Deshalb ist das Fiat-Angebot sehr begrenzt.

Mehr: Die Fusion zwischen Renault und Fiat Chrysler ist geplatzt. Und auch die Allianz mit Nissan bröckelt. Die Japaner drängen auf Unabhängigkeit.

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Mehr zu: Autobauer - So scheiterte die Fusion von Fiat Chrysler und Renault

1 Kommentar zu "Autobauer: So scheiterte die Fusion von Fiat Chrysler und Renault"

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  • Mit dem Satz, "die politischen Verhältnisse sind nicht so, dass man engagiert sein möchte" ist wirklich A L L E S zu Ausdruck gebracht!!!

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