Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autobauer Sparprogramm in Ingolstadt: Audi will die Nachtschicht streichen

Audi-Chef Bram Schot will im Stammwerk in Ingolstadt die Kosten senken. Daher soll die Nachtschicht weichen. Arbeitnehmer fordern Einsparungen im Management.
1 Kommentar
BW-Tochter: Audi will die Nachtschicht in Ingolstadt streichen Quelle: dpa
Produktion bei Audi

In Ingolstadt ist die Nachtschicht wegen hoher Zuschläge beliebt. Nun könnte sie abgeschafft werden.

(Foto: dpa)

MünchenSie kommen, wenn andere Feierabend machen. Jeden Abend um 22 Uhr übernehmen mehrere Hundert Arbeiter die Montagelinie eins, auf der die Audi-Modelle A4 und A5 für den Weltmarkt produziert werden. Bis zum nächsten Morgen um 6 Uhr sorgt die Nachtschicht in Ingolstadt dafür, dass das Band im Audi-Werk nicht stillsteht.

Es ist die teuerste Produktion, die sich Audi leistet: Jeder Beschäftigte erhält im Schnitt einen Zuschlag von dreißig Prozent. Mangel an Freiwilligen hat Audi deshalb nicht.

Damit soll bald Schluss sein. Unternehmenskreisen zufolge will Audi-Chef Bram Schot die Nachtschicht streichen. Einen hohen zweistelligen Millionenbetrag soll das pro Jahr einsparen, rechnet man in Ingolstadt.

Das Kalkül: Die aufgrund der schwachen Konjunktur ohnehin nicht gut ausgelastete Produktion soll von einem Dreischicht- auf ein Zweischichtsystem umgestellt werden.

Damit das Absatzvolumen mittelfristig gleich bleibt, sollen die Takte in den Tagesschichten verdichtet werden. Schot, der Ende 2018 endgültig zum Vorstandschef der kriselnden VW-Tochter ernannt wurde, wolle ein Zeichen setzen, heißt es im Unternehmen. Der Schritt sei mit Audi-Aufsichtsrats- und VW-Chef Herbert Diess abgestimmt. Offiziell will Audi die Pläne nicht kommentieren.

Der Kampf um die Nachtschicht ist ein Symbol in Ingolstadt und der Auftakt einer beispiellosen Sparrunde. Eingeführt unter den VW-Granden Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn sollte die Nachtarbeit die Aufholjagd auf BMW und Mercedes befeuern. Tatsächlich gelang Audi im Jahr 2013 einmal das Kunststück, mehr Autos zu verkaufen als Mercedes.

Doch mit dem Dieselskandal 2015 rutschte die VW-Tochter in die Krise. Zweimal versuchte Schots Vorgänger Rupert Stadler, die Nachtschicht abzuschaffen und scheiterte am Widerstand der Arbeitnehmer.

Betriebsratschef Peter Mosch setzte gar eine Beschäftigungssicherung bis 2025 durch. Doch der neue Audi-Chef Schot sieht die Lage so ernst, dass er über den ganzen Konzern Milliardeneinsparungen fordert – auch von den Arbeitnehmern.

Die spielen auf Zeit. „Uns wurde das Ansinnen erneut mündlich mitgeteilt, uns liegt augenblicklich kein belastbarer schriftlicher Antrag vor“, erklärt Audi-Betriebsratschef Peter Mosch dem Handelsblatt.

Man werde sich Gesprächen über „die wirtschaftliche Weiterentwickelung des Unternehmens nicht verschließen, solange die Interessen der Beschäftigten gewahrt bleiben“, so Mosch weiter. „Einseitiges Sparen zu Lasten der Beschäftigten ist nicht zu machen. Wir fordern auch eine deutliche Straffung der Managementstrukturen und einen klaren Zukunftsplan für Audi“, sagt der stellvertretende Aufsichtsratschef.

Schot will diesen Zukunftsplan in den kommenden Wochen vorstellen. Sicher ist: Die Audi-Welt steht vor drastischen Umbrüchen.

Startseite

Mehr zu: Autobauer - Sparprogramm in Ingolstadt: Audi will die Nachtschicht streichen

1 Kommentar zu "Autobauer: Sparprogramm in Ingolstadt: Audi will die Nachtschicht streichen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ob man mit der Streichung einer Schicht die Kosten reduzieren kann, mag dahingestellt sein.
    Sicher ist jedoch, dass man die Produktion verringert.
    Deshalb deutet die Maßnahme eher auf eine Verringerung der Nachfrage hin.

Serviceangebote