Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autobauer spart drastisch Daimler könnte Belegschaft im Berliner Motorenwerk halbieren

Ab 2022 sollen in Berlin keine Dieselaggregate mehr produziert werden. 2500 Beschäftigte in Daimlers ältester Fabrik bangen um ihre Jobs. Die IG Metall ist entsetzt.
24.09.2020 - 15:01 Uhr 6 Kommentare
Die Hälfte der Belegschaft soll gehen. Quelle: Reuters
Daimler-Motorenwerk in Berlin

Die Hälfte der Belegschaft soll gehen.

(Foto: Reuters)

München Der Autobauer Daimler setzt in seinen deutschen Motorenwerken zum Kahlschlag an. Nachdem am Mittwoch bekannt wurde, dass der Mercedes-Hersteller am Stammsitz in Stuttgart Untertürkheim jede fünfte Stelle streichen will, droht in Berlin Marienfelde wohl noch Schlimmeres.

Die 2500 Personen starke Mannschaft in der Hauptstadt soll mehr als halbiert werden, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Geht es nach den Plänen des Managements, wird in drei bis fünf Jahren an dem Standort nur noch eine Rumpftruppe übrig bleiben.

Der Grund: Wie das Handelsblatt bereits im Juli berichtete, will Daimler die Produktion des V6-Dieselmotors in der Hauptstadt Ende 2021 auslaufen lassen. Ein vergleichbares Ersatzprodukt, das die Beschäftigten vor Ort mehrheitlich mit Arbeit auslasten könnte, ist derzeit nicht vorgesehen. Die Rosskur in Berlin ist Teil eines bereits beschlossenen Sparprogramms, mit dem Daimler die Personalkosten um zwei Milliarden Euro pro Jahr senken will.

Die Arbeitnehmervertreter sind entsetzt. Sie fürchten das „Ende des Verbrenners“ in Berlin und den „Ausverkauf“ des Südwerks. Die Gewerkschaft IG Metall spricht gar davon, dass das Daimler-Management den Standort Berlin „rasieren“ will.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Michael Rahmel, Betriebsratsvorsitzender in Marienfeld, wettert gegen die Pläne der Geschäftsleitung: „Es macht überhaupt keinen Sinn, ein dermaßen gut etabliertes Werk mit seinem ganzen Know-how gezielt ausbluten lassen zu wollen.“ Er will sich mit allen Mitteln „zur Wehr setzen“.

    Investitionen auf Minimum reduziert

    Auch Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, kündigt Widerstand an. „Wir werden nicht zulassen, dass das Management klammheimlich Produktionslinien des Verbrennungsmotors nach Rumänien oder Polen verschiebt.“ In Osteuropa unterhält Daimler weitere Powertrain-Fabriken.

    Mit Blick auf die niedrigen Arbeitskosten plädieren viele Manager intern seit Jahren dafür, verstärkt dort Motoren und Getriebe zu fertigen. Zumal der ganze Powertrain-Verbund nicht zuletzt durch die Coronakrise mit erheblichen Überkapazitäten zu kämpfen hat.

    Berlin Marienfelde blickt auf eine lange Historie zurück. Seit 1902 ist Daimler hier aktiv. Auch heute noch zählt die Marke mit dem Stern zu den größten Arbeitgebern in der Region Berlin-Brandenburg. Auf 500.000 Quadratmeter Werksfläche produzieren die Beschäftigten hier Motoren, Motorenkomponenten und Getriebe. Gewerkschafter Otto sieht sich nun aber laut eigener Aussage mit der „Ankündigung der schrittweisen Produktionsstilllegung“ in Berlin konfrontiert. Das sei industriepolitisch das völlig falsche Signal.

    „Es kann doch nicht angehen, dass Tesla keine 50 Kilometer vom Mercedes-Benz-Werk Berlin entfernt ein ganz neues Werk mit 10.000 Arbeitsplätzen baut, und dem Daimler-Management fällt gleichzeitig nicht mehr ein, als vor der Zukunft zu kneifen und sein ältestes produzierendes Werk hier dichtmachen zu wollen“, kritisiert Otto. Das sei „verheerend“ für Deutschlands führende Premium-Automarke.

    Daimler selbst äußerte sich nicht zu konkreten Personalabbauplänen. Von einem Investitionsstopp oder gar einer Schließung des Werks will der Konzern aber nichts wissen. „Es wird auch in den Standort Berlin weiter Investitionen geben“, betonte Daimler auf Anfrage. Gleichwohl werde der Anteil der Investitionen in konventionelle Antriebe dabei „auf ein Minimum reduziert,“ während jener in Elektromobilität und Digitalisierung steigen soll.

    Prinzipiell gilt für die Tarifbeschäftigten von Daimler deutschlandweit ein Kündigungsschutz bis Ende 2029. Der avisierte Personalabbau müsste ergo über freiwillige Vehikel wie Altersteilzeit, Frühpensionierung oder Abfindungen erfolgen.

    Mehr: Daimler setzt im Stammwerk zum Kahlschlag an – 4000 Jobs stehen auf dem Spiel.

    Startseite
    Mehr zu: Autobauer spart drastisch - Daimler könnte Belegschaft im Berliner Motorenwerk halbieren
    6 Kommentare zu "Autobauer spart drastisch : Daimler könnte Belegschaft im Berliner Motorenwerk halbieren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • hätte sich unsere Bundeskanzlerin nicht überwiegend um Flüchtlinge und die Türkei ge-
      kümmert, sondern mehr um die Probleme in Deutschland und hätte sie eine Strategie
      für die Automobilindustrie gehabt, wäre eine Abmilderung zu bedeutend weniger Problemen
      geführt. Das dicke Ende kommt im nächsten Jahr für die arbeitende Bevölkerung. Hinzu
      kommt noch, dass die Abzockerei durch Herrn Scholz noch gravierender wird. Er hat ja
      schon 'Steuererhöhungen angekündigt, obwohl wir in Europa die höchsten Steuer- und
      Abgaben haben.

    • Das ist das Ergebnis der Umweltpolitik und war längst absehbar. Die IG Metall hat die Entwicklung verschlafen.

    • Naja, Verlagerung der Arbeitsplätze nach Osten, aber Verkauf zu Höchstpreisen nach Westen. Das paßt irgendwie nicht richtig zusammen. Bedeutet aber auch gleichzeitig Gewinnmaximierung. Die Politik sollte sich hier ein Instrument einfallen lassen z.B. Arbeitsplatzvernichtungsabgabe, zu zahlen pro verkauften Daimler direkt vom Konzern.

    • Guten Morgen liebe IG Metall, schon aufgewacht??? E-Mobilität benötigt deutlich weniger Arbeitsplätze. Wieso erst jetzt jammern, wo sind die Demos gegen die Politik, die dieses Desaster zu verantworten hat. Aber: Die Lösung ist nicht fern. Tesla übernimmt die gut ausgebildeten Kräfte gerne. Nur da muss man richtig arbeiten für sein Geld. - Und weg ist die deutsche Gemütlichkeit...und die IG Metall

    • Wer noch etwas Verstand hatte sah, dass die Automobilindustrie viele Arbeitsplätze verlieren wird. Die Verteufelung des Diesel und Benziners wurde doch von der Politik noch befördert. Was für ein Hype um das Gretel, die Deutsche Umwelthilfe, FfF, alle wurden sie doch auch von den Medien bejubelt. Die Grünen würden doch am Liebsten Autos verbieten und trotzdem bekommen sie immer mehr Zuspruch. Weiter so, wir bekommen Deutschland schon klein.

    • Nicola Leibinger-Kammüller:
      „Wir dürfen unsere wichtigste Industrie jedoch nicht in einer Art deutscher Lust am Untergang kaputt machen“

      Die deutsche Automobilindustrie mit ihrem weltweiten Vorsprung der Verbrenner-Motorentechnik, ihrem Knowhow und ihrer Qualität schaffte auch die bestbezahlten Industriearbeitsplätze.
      Das findet jedoch keine Achtung und Anerkennung mehr in Deutschland. Das ist sozusagen Bestand.
      Glücksritter aus anderen Kontinenten werden hofiert.

      Die deutschen Autokonzerne werden bestraft und verklagt (für welchen echten Schaden bitte?), medial gedemütigt und von der Politik soweit reglementiert, dass es weh tut.
      Wer so behandelt wird, verliert Motivation und möchte gehen.

      Wirtschaftlich war ich immer ein bisschen patriotisch, werde immer nur deutsche Autos kaufen, war nie Geschädigter trotz „Diesel“ und bin Aktionär deutscher Autoaktien.
      Wenn sich deutsche Autokonzerne zusehends aus Deutschland zurückziehen, dann verstehe ich das sehr gut.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%