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Autobauer Streit bei Daimler spitzt sich zu – Verhandlungen im Stammwerk unterbrochen

Der Vorstand wirft den Betriebsräten eine Blockadehaltung beim Wandel der Pkw- und Lkw-Standorte vor. Die Arbeiterführer warnen vor einem Kahlschlag.
25.11.2020 Update: 25.11.2020 - 16:15 Uhr 1 Kommentar
Entwicklungschef Schäfer will das Stammwerk der Marke mit dem Stern für das Stromzeitalter umrüsten. Quelle: dpa
Daimler in Untertürkheim

Entwicklungschef Schäfer will das Stammwerk der Marke mit dem Stern für das Stromzeitalter umrüsten.

(Foto: dpa)

München Bei Daimler schaukelt sich der Streit über den künftigen Kurs und die Sparpläne der Konzernführung um Vorstandschef Ola Källenius weiter hoch. Erst am Wochenende warf Betriebsratschef Michael Brecht dem achtköpfigen Vorstand um Källenius vor, beim Sparen zu überziehen. Das Management agiere „absolut beratungsresistent“, kritisierte Brecht im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Konkret stört Brecht, dass etwa im Stammwerk des Mercedes-Herstellers in Stuttgart-Untertürkheim in den kommenden Jahren 4000 von 18.500 Stellen im Zuge der Antriebswende gestrichen werden sollen. Einzelne Lastwagenstandorte könnten gar um bis zu 40 Prozent schrumpfen. Für Brecht käme das einem Kahlschlag gleich: „Der Vorstand schießt übers Ziel hinaus“, polterte der Arbeiterführer.

Diese Kritik will das Management nicht unwidersprochen stehen lassen. Am Mittwoch wandten sich unter anderem Entwicklungsvorstand Markus Schäfer und Truck-Chef Martin Daum in zwei internen Schreiben an die Belegschaft. Beide Flugblätter liegen dem Handelsblatt vor.

Der Begriff „Kahlschlag“ unterstelle, dass Daimler willkürlich Arbeitsplätze abbauen wolle – „das ist schlicht falsch“, schreibt Daum an die 30.000 Beschäftigten von Daimler-Trucks in Deutschland. Es stimme zwar, dass im Zuge der Transformation weg von Verbrennungsmotoren hin zu elektrischen Antrieben künftig weniger Beschäftigte in den Aggregate-Werken benötigt würden als heute.

„Das ist leider unvermeidlich“, erklärt Daum: „Eines aber können wir Ihnen versichern: Wir werden diesen Übergang verantwortungsvoll gestalten.“ Fest steht jedoch: Der Weg hin zu klimaneutralen Lastwagen und Bussen wird eher schneller als langsamer vonstattengehen. Das Beispiel des einstigen Mobilfunkriesen Nokia, der von Apples Smartphones kalt erwischt wurde, sollte Daimler eine Lehre sein, bei der eigenen Transformation nicht zu zögerlich vorzugehen.

Streitpunkt Untertürkheim

„Es wird in unseren Werken deshalb spürbare Veränderungen geben“, kündigte Daum an. So analysiere sein Team aktuell genau, wie sich der Diesel-Antrieb bei künftig rückläufigen Stückzahlen noch möglichst lange wirtschaftlich fertigen lässt. Konkret erwägt Daimler, hier Kooperationen einzugehen. Gleichzeitig werde geprüft, welche Komponenten und Bauteile für Elektrotrucks Daimler selbst fertigen kann, um sich zu differenzieren. Man suche dabei den Dialog mit den Betriebsräten.

„Aber eines wollen wir Ihnen ganz offen sagen: Wir können nur Maßnahmen ergreifen, die wirtschaftlich sind. Denn es gibt ein oberstes Ziel, dem wir alle anderen Ziele unterordnen müssen, und das ist die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und damit der Fortbestand unseres Unternehmens“, betont Daum. Hier dürfe der Konzern keine Kompromisse eingehen. „Ansonsten gefährden wir für kurzfristige Scheinerfolge langfristig das große Ganze.“

Der Betriebsratschef von Daimler kritisiert die Konzernführung scharf. Quelle: Daimler
Michael Brecht

Der Betriebsratschef von Daimler kritisiert die Konzernführung scharf.

(Foto: Daimler)

Ums große Ganze geht es auch in Stuttgart-Untertürkheim. Fast 19.000 Beschäftigte stellen hier Motoren, Getriebe und Achsen für Limousinen, SUVs und Kompaktwagen her – und damit Produkte, die in Folge des Elektroautobooms immer seltener benötigt werden. Entwicklungschef Schäfer will das Stammwerk der Marke mit dem Stern folglich für das Stromzeitalter umrüsten.

Konkret plant der Manager den Aufbau von drei Kompetenzzentren in Untertürkheim: eines für Batterien, eines für elektrische Antriebe und Achsen sowie eines für Motoren. „In diesen wollen wir Produkte wie Batteriezellen, Batterien sowie elektrische und elektrifizierte Antriebsstränge entwickeln und zur Serienreife bringen“, schreibt Schäfer an seine Mitarbeiter. Dafür wolle Daimler „mehrere Hundert Millionen Euro“ investieren.

Betriebsrat wirft Management Verschleierung des Konflikts vor

Das Stammwerk müsse entschlossen in Richtung Elektromobilität marschieren. „Wenn wir das nicht tun, gefährdet das Untertürkheim, aber auch das gesamte Unternehmen und seine Beschäftigten“, warnt Schäfer gemeinsam mit Mercedes-Produktionschef Jörg Burzer. Um den Umbau des Standorts zu bewerkstelligen, müsse aber erst einmal Platz geschaffen werden, etwa indem die Produktion von Kurbelwellen ins polnische Jawor verlagert wird.

Das lehnen die Betriebsräte allerdings vehement ab und berufen sich auf bestehende Abmachungen. Schäfer betont dagegen, dass sich die Lage seit dem Abschluss der Vereinbarungen grundlegend verändert habe: „Festhalten am Status quo ist daher keine Option.“ Die Verhandlungen in Untertürkheim sind aktuell unterbrochen. „Die Vorstellungen beider Seiten gehen auseinander“, schreibt Schäfer. Er sei laut eigenem Bekunden aber zu Kompromissen bereit.

„Beispielsweise haben wir ein kostenintensiveres Konzept erarbeitet, wie ein Teil der Kurbelwellenfertigung im Neckartal verbleiben könnte“, erläutert der Entwicklungsvorstand. Doch auch diesen Vorschlag hätten die Betriebsräte abgelehnt. Schäfer wirft den Sozialpartnern eine Blockadehaltung vor und droht nun damit, den geplanten E-Campus statt in Untertürkheim an einem anderen Mercedes-Standort aufzubauen.

„Klar ist: Kommt die neue Kurbelwellenfertigung in vollem Umfang nach Untertürkheim, müssen wir für den Campus Mercedes-Benz Drive Systems alternative Szenarien prüfen. Denn eine Bündelung von Zukunftstechnologien ist dann aus Platzgründen in Untertürkheim nicht mehr möglich“, erläutert Schäfer.

Für die Arbeitnehmer ist die Drohung ein Affront. Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender am Standort Untertürkheim, sprach in einer Mitteilung von einem „Schlag ins Gesicht“. Das Management würde das wahre Ausmaß des Konflikts verschleiern. Die Verlagerung der Kurbelwellenfertigung sei „nur die Spitze des Eisbergs“. Die Betriebsräte gewinnen immer mehr den Eindruck, die Konzernführung nutze den E-Campus als so etwas wie ein „Trojanisches Pferd“, um bereits heute einen Abbau von Arbeitsplätzen „künstlich zu erzwingen“, erklärte Häberle.

Der Ton bei Daimler wird auf allen Seiten rauer. Vorstand und Arbeiterführern stehen aufreibende Wochen bevor. Noch scheint der obligatorische Weihnachtsfrieden in weiter Ferne.

Mehr: „Absolut beratungsresistent“ – Daimler-Betriebsratschef greift Vorstände frontal an.

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1 Kommentar zu "Autobauer : Streit bei Daimler spitzt sich zu – Verhandlungen im Stammwerk unterbrochen"

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  • den Betriebsrat verstehe, wer will. Die Bundesregierung und die Spd haben beschlossen,
    die Verbrennerfahrzeuge abzuschaffen und damit war klar, dass 100 000 Arbeitsplätze
    über sind. Die Spd beschließt, dass E-Auto Tausende von Fördergelder bekommen, wer
    noch Benziner produziert wird mit hohen Strafsteuern belastet.

    Der Spd und auch dem Betriebsrat mußte doch klar sein, dass durch diese Massnahme
    der Bundesregierung Arbeitsplätze zuviel vorhanden sind. Oder haben sie geschlafen??????
    Das Unternehmen Daimler versucht jetzt mit Massnahmen die Veränderung in den Griff
    zu bekommen, ansonsten wird Daimler von der Bildfläche kurzfristig verschwinden.
    Der Betriebsrat hat nicht die Interessen der Belegschaft vertreten, sondern hätte schon
    vor Jahren die Spd auffordern muessen, eine Übergangsvereinbarung zu treffen. Nichts
    ist passiert. Im übrigen ist doch die Tatsache so, dass neue Diesel nicht schlechter sind als E- Autos (Co2) Warum hat der Betriebsrat keine Aufklärung in der Öffentlichkeit be-
    trieben?
    ein Elektroauto.

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