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Autobauer Tesla in der Liquiditätsfalle – Scheitert der Elektropionier?

Kann Elon Musk seine technologische Revolution fortsetzen? Der Blick in die Bilanzen des US-Autobauers zeigt: Der Spielraum für den visionären Unternehmer wird immer kleiner.
Update: 16.07.2019 - 09:32 Uhr 9 Kommentare
Tesla-Chef Elon Musk muss dringend die Kosten senken und die Produktion hochfahren. Quelle: dpa
Pionier unter Zugzwang

Tesla-Chef Elon Musk muss dringend die Kosten senken und die Produktion hochfahren.

(Foto: dpa)

Frankfurt, San Francisco An Tesla scheiden sich die Geister. Die einen wollen in ihrer Begeisterung für die elektrische Revolution, die der Neuling in der Automobilbranche angestoßen hat, keinerlei Kritik gelten lassen. Die anderen warten nur darauf, dass Gründer und CEO Elon Musk mit seinem wohl größten Projekt scheitert oder Tesla übernommen wird. Argumentative Munition bekommen beide Seiten regelmäßig. Tesla – das ist ein stetes Wechselbad der Gefühle.

Mal sind die Absatzzahlen so schlecht, dass eine Debatte über die Nachfrage nach Elektroautos insgesamt einsetzt. Prompt bricht die Aktie ein. Dann – wie vor wenigen Tagen – meldet die US-Firma einen neuen Absatzrekord, kündigt das Hochfahren der Produktion an, und das Tesla-Papier legt kräftig zu.

Das Auf und Ab an der Börse sowie die Tatsache, dass die Tesla-Aktie in den zurückliegenden zwölf Monaten fast ein Viertel ihres Wertes eingebüßt hat, sind ein Zeichen dafür, dass der US-Autohersteller einen entscheidenden Punkt erreicht hat. In den kommenden Monaten wird und muss sich zeigen, ob Tesla-Chef Musk seine Vision von der Elektrifizierung des Individualverkehrs auf der Straße wirklich zu Ende bringen kann. Die Chance dafür ist da. Aber sie ist begrenzt, wie der Blick auf die jüngsten Zahlen und Fakten zeigt.

Tesla ist eine gefräßige Maschine, wenn es um Kapital geht. Das belegen vor allem zwei Kennziffern: Seit dem Börsengang im Jahr 2010 hat das Unternehmen bei seinen Investoren fast acht Milliarden Dollar eingesammelt – über Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen. Gleichzeitig beziffert der Geschäftsbericht für das Jahr 2018 das insgesamt addierte Defizit des Unternehmens auf 5,3 Milliarden Dollar.

Basierend auf den verfügbaren Zahlen zeichnet sich ab, dass sich an dieser Situation so schnell nichts ändern wird. Der Finanzbericht für das erste Quartal des laufenden Jahres weist einen Barmittelbestand von 2,3 Milliarden Dollar aus. Gemessen am Kapitalhunger von Tesla ist das erschreckend wenig.

Dünne Kapitaldecke

Alleine in den ersten drei Monaten des Jahres verbrannte das Unternehmen mehr als 900 Millionen Dollar. Auf diese Summe beläuft sich der operative Mittelzufluss (Cashflow) abzüglich der Sachinvestitionen (Capex). Das bedeutet: Die Ende März verfügbaren Mittel hätten noch maximal für rund acht Monate gereicht. Zumindest rechnerisch wäre Tesla im November das Geld ausgegangen.

Deshalb hat Musk vor einigen Wochen erneut eine Kapitalerhöhung durchgeführt. 2,7 Milliarden Dollar an frischem Geld hat sich das Unternehmen gesichert. Doch bleibt die Situation, wie sie derzeit ist, dürfte auch das nicht weit in die Zukunft reichen. Am 24. Juli wird Tesla wohl konkrete Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Und in der Unternehmensspitze weiß man, dass Analysten und Investoren dann vor allem beim Cashflow sehr genau hinschauen werden.

Prompt verwies das Unternehmen in der jüngsten Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC nicht nur auf die aktuellen Auslieferungsrekorde. 87.048 E-Autos wurden im zweiten Quartal gebaut, 95.200 ausgeliefert. Man habe auch signifikante Fortschritte bei der Straffung der weltweiten Logistik und der Liefersysteme bei gleichzeitig höheren Lieferzahlen erzielt, heißt es in der Mitteilung.

Das wiederum habe positive Effekte auf die Kosteneffizienz und das Umlaufvermögen gehabt, deutet das Management Fortschritte beim Cashflow an. Im Aktionärsbrief zum ersten Quartal hatte Tesla in Aussicht gestellt, in den drei restlichen Quartalen des laufenden Jahres einen positiven freien Mittelzufluss zu schaffen.

Doch die Analysten bleiben vorerst überwiegend skeptisch. Ihre Befürchtung: Elon Musk könnte das Super-Quartal auf der Ertrags- und Kostenseite teuer bezahlt haben. Die Wall Street werde sich jetzt auf Ertragskraft und die Bruttomargen konzentrieren, prophezeit Analyst Daniel Ives von Wedbush Securities.

Und sein Kollege Ryan Brinkman von J.P. Morgan weist darauf hin, dass auch gute Zahlen bei Ertrag und Free-Cash-Flow im zweiten Quartal, so sie denn kommen werden, nicht überbewertet werden sollten. Das belegt die grundsätzliche Skepsis, die mittlerweile herrscht.

Nachfrage im Heimatmarkt ist verzerrt

Tatsächlich sagt die Zahl der produzierten und ausgelieferten Fahrzeuge wenig aus, wenn es um Profitabilität und operative Stärke des Unternehmens geht. Vor allem das Hochfahren der Serienproduktion des Model 3 hat Tesla bisher viel Geld gekostet. Auch deshalb hat das Unternehmen in den ersten zwei Produktionsjahren fast ausschließlich die teureren Varianten des Model 3 verkauft, die deutlich oberhalb des versprochenen Einstiegspreises von 35.000 Dollar liegen und höhere Margen sichern.

Mittlerweile kostet selbst die Basisversion offiziell 35.400 Dollar, also etwas mehr als geplant. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass das Management den Investoren Fortschritte beim Cashflow und der Profitabilität präsentieren muss.

Die mittelfristig geplanten Fertigungszahlen von einer Million gebauten Fahrzeugen bis Ende 2020 zu erreichen, klingt allerdings nach einer echten Herkules-Aufgabe. Denn dazu muss das Unternehmen weitere Werke errichten, etwa im wichtigen Markt China. Zu Hause in den USA sind erste Sättigungserscheinungen zu erkennen. Zum 1. Juli ist dort zudem der steuerliche Bonus für Tesla-Fahrzeuge um 50 Prozent gesenkt worden.

Analyst Ryan Brinkman von J.P. Morgan warnt, dass alleine das schon die tatsächliche Nachfragesituation im starken zweiten Quartal verzerrt haben könnte. Denn viele Kunden dürften sich noch vor Ablauf dieser Frist ein Neufahrzeug bestellt haben. Musk selbst hatte mehrfach per Twitter dazu aufgefordert.

Hier zeigt sich ein ganz besonderes Problem des Herausforderers der etablierten Automobilindustrie: Anders als die großen Hersteller hat Tesla noch keine global verteilte Produktion. Die ist aber wichtig, will man in die kosteneffiziente Massenfertigung gehen. Tesla muss die weltweite Fertigung erst errichten – für viel Geld und unter schwierigen Rahmenbedingungen. Zwischen den USA und China tobt gerade ein Handelskrieg, der die geplante Expansion von Tesla erschweren könnte.

Fertigungskosten müssen sinken

„Der größte Schatten, der über Tesla liegt, ist die Frage, ob das Auslieferungsziel von 360.000 bis 400.000 Einheiten für 2019 erreicht wird. Das wird viel über die Nachfrage aussagen“, sagt Ives von Wedbush Securities. Vielen Analysten war aufgefallen, dass Tesla das Jahresziel in seiner jüngsten SEC-Mitteilung über den Lieferrekord im zweiten Quartal nicht ausdrücklich bekräftigt hat.

Das sorgt für Irritation. Es werde zudem eine Herausforderung, diese Ziele mit einem profitablen Businessmodell zu vereinen. „Obwohl die Auslieferungen positiv waren, bleiben wir vorsichtig“, sagt Joseph Spak von RBC Capital. Der Mix der Fahrzeugtypen könne auf die Gewinnmarge drücken. 

Tatsächlich entfielen im zweiten Quartal 81,5 Prozent der Auslieferungen auf die margenschwächeren Modelle der 3er Serie. Die Luxusmodelle der S- und X-Reihe bestreiten den Rest. Für Ives von Wedbush bedeutet das: Will Musk seine Profitabilitätsziele erreichen, müsse die Bruttomarge von 20 Prozent beim Model 3 bei geringeren Verkaufspreisen für preisgünstigere Modellvarianten angehoben werden.

Anders ausgedrückt: Die Fertigungskosten pro Auto müssen deutlich sinken. Das geht ohne weitere Investitionen kaum.

Tesla-Chef Musk steckt also in einer Art Liquiditätsfalle: Die bisherige Strategie, den Investoren immer neue Mittel zu entlocken, stößt allmählich an ihre Grenzen. Die „Geldgeber“ wollen endlich sehen, dass ihr Einsatz auch Profit bringt. Um das zu zeigen, braucht Musk wiederum noch mehr Geld. Die notwendigen Investitionen über Kredite zu finanzieren, dürfte schwierig werden. Die Bilanz weist für Ende vergangenen Jahres eine Nettofinanzverschuldung von 8,093 Milliarden Dollar aus, nach 6,691 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2017.

Neues Geschäftsmodell für die Investoren

Die Verschuldung ist also bereits gestiegen, abzulesen auch am sogenannten Gearing. Das beschreibt das Verhältnis von Nettofinanzschulden zu Eigenkapital. Werte bis zu 100 Prozent gelten als problemlos. Liegt eine Firma dauerhaft darüber, schauen sich die Banken weitere Kreditanfragen schon mal deutlich genauer an. Bei Tesla ist dieser Wert im Geschäftsjahr 2018 von 158 Prozent auf 164 Prozent gestiegen.

Vielleicht ist dieses Dilemma auch mit dafür verantwortlich, dass Musk über ein völlig neues Geschäftsmodell nachdenkt. Er will seine Fahrzeuge zu vollautonomen Roboterautos machen. Schon 2020 könnten die ersten dieser Fahrzeuge in den USA unterwegs sein, sofern die Behörden das Projekt genehmigen würden, versprach der Tesla-Chef im April auf dem Autonomy Day des Unternehmens.

Musk will damit mehr als nur Innovationen treiben. Er will die Technik dazu nutzen, einen Fahrdienst anzubieten. Die Idee: Braucht ein Besitzer seinen Tesla nicht, kann er ihn per App für andere Nutzer freigeben. Dafür erhält er eine Gebühr, Tesla wiederum eine Provision. Auch eigene Fahrzeuge will Tesla dafür einsetzen. Musk kann sich sogar vorstellen, den Kunden Autos wieder abzukaufen, um sie in die Roboterflotte zu integrieren.

Tesla würde damit zum Flottenbetreiber werden, der den Investoren stabile und besser planbare Cashflows liefern könnte. Vor allem aber: Musk könnte die Preise für seine Autos deutlich heraufsetzen. Dass das nicht nur eine Vermutung ist, zeigte sich vor wenigen Tagen. Per Twitter machte Musk deutlich, dass er an eine massive Preiserhöhung denkt. „Vollautonome Autos, die als Roboter-Taxi dienen, sind um ein Vielfaches wertvoller als nicht autonome Autos“, begründete er seine Idee.

Ob der ehrgeizige Plan aufgeht, muss sich zeigen. Bei Analysten und Investoren hat das Vorhaben jedenfalls zumindest bislang nicht gezündet. Sie schauen lieber erst mal auf die harten Fakten, die Tesla in einigen Tagen liefern wird. 

Mehr: Inside Tesla – Ein Besuch im Allerheiligsten des US-Konzerns: Elon Musk erfindet das Auto neu. Mit dem Model 3 will Tesla 2019 den Massenmarkt erobern. Das entscheidet sich in Teslas Gigafactory in Nevada. Ein Ortsbesuch.

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9 Kommentare zu "Autobauer: Tesla in der Liquiditätsfalle – Scheitert der Elektropionier?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warten wir`s ab. Haben Sie sich schon einmal die Anmutung eines Tesla vergegenwärtigt. Das ist auf allen Ebenen B Ware. Der Grund, warum dieses Fahrzeug zur Zeit noch gekauft wird,ist die Tatsache, daß diesem Klientel das Image wichtiger ist als die Substanz.Und die Infrastruktur? Das ist der einzige Grund warum Tesla überhaupt noch einen Wert hat. Das Unternehmen ist ein Übernahmekandidat. Es wird gefleddert werden.

  • @ Frank Krebs
    "Glaubt ernsthaft jemand, Tesla hätte einer deutschen Elektro-Offensive etwas entgegenzusetzen?"

    Lieber Herr Krebs, darüber müssen Sie sich doch selber amüsieren...

    Die "deutsche Elektro-Offensive" ist zunächst mal das Pfeifen im Wald nachdem alle unsere Hersteller gemeinsam in vollem Bewusstsein ihre vormals wirklich glorreiche Historie mit Vollgas gegen die Wand gefahren haben. Dann haben wiederum alle in kollektiver Arroganz versucht, über Spaltmaße den einzig wirklich disruptiven Innovator kleinzudiskutieren. Diese Diskussion ist jedoch so durchschaubar sinnlos wie die über Bügelfalten in der Jeans.
    Tesla ist immer noch der einzige (!) Hersteller, der ein System (!!) inklusive Aufladung anbietet - nicht nur irgendwelche sinnlosen schönen Autos, die vielleicht einmal im Leben 400km weit kommen.
    Tesla ist fast weltweit das meistverkaufte Oberklassefahrzeug - in der Presse sind natürlich regelmäßig Problemberichte über Tesla zu lesen, die es bei diesem rasanten Wachstum natürlich immer vollautomatisch dazu gibt...

    Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentlichen Patienten unsere großartigen Hersteller sind, die nach langer Ignoranz nun versuchen, rechts zu überholen und aus der letzten Reihe wieder in die Poolposition zu kommen

    Wer versucht hier also wem etwas entgegenzusetzen?

  • 5,3 Milliarden Defizit. Zahlen Amazon, Google, Facebook, Microsoft aus der Portokasse bevor diese Amerikanische Ikone in die Binsen geht.

  • Dieser Artikel ohne jegliche neue Fakten aus dünner Luft gezogen. Unfassbar, dass ich mich bereiterklärt habe für diese Leisung zu bezahlen. Im besten Fall handelt es sich um schlechte Recherche und Inkompetenz. Im warscheinlichen Fall um bezahlte Propaganda um der drohenden Pleite unserer Autoindustrie entgegenzuwirken!

  • Ich persönlich würde niemals Tesla shorten - zu gefährlich:
    "Musk ist jedoch nicht nur ein Meister der Illusion, sondern auch ein Überlebenskünstler. Jeder der seinen Privatisierungs-Tweet und den damit einhergehenden juristischen Ärger im letzten Jahr als Todesstoß für das Unternehmen angesehen hatte, lag bis heute falsch. Wer die mangelnde Qualität der Autos als Grund für das Scheitern eingestuft hatte, bekam ebenfalls nicht Recht. Nüchtern analysiert dürfte Tesla auch 2019 dieselbe Wundertüte bleiben, die es 2018 war. Für Anleger gilt daher, was der berühmte Value-Investor Mohnish Pabrai zu Tesla gesagt hat: Dies ist ein unglaublich spannendes Unternehmen, das einen hohen Unterhaltungswert verspricht. Aber eines bei dem man weder auf der Long- noch auf der Shortseite engagiert sein will."
    https://www.smartinvestor.de/blog/2019/07/10/siw-28-2019-wer-hat-angst/


    @ Frank Krebs
    "Glaubt ernsthaft jemand, Tesla hätte einer deutschen Elektro-Offensive etwas entgegenzusetzen?"

    Tesla nicht, aber die US-Regierung - nämlich eine Angleichung der US-Importzölle auf den Satz, den die EU für US-Autoimporte erhebt.

  • Tesla ist bereits gescheitert. Das pfeifen doch die Spatzen von den Dächern. Glaubt ernsthaft jemand, Tesla hätte einer deutschen Elektro-Offensive etwas entgegenzusetzen?

  • Wenn VW das neue Modell tatsaechlich um die € 30.000 anbietet, kann das fuer Tesla
    toedlich sein. Und Daimler stellt die entsprechenden Modelle im hoeheren Segment
    zu Preisen etwas unter Tesla vor. Schaumermal.

  • Liebe Frau Bartels, Sie haben schon oft ueber die Neutrinos geschrieben und jetzt ueber
    ein neues Auto namens Pi. Frage: Wo wird schon Energie aus Neutrinos gewonnen? Was
    kostet diese Energie? Und wo und zu welchem Preis kann man Autos Marke Pi kaufen?
    Was leisten diese Autos?

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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