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Autobauer Volkswagen setzt auf China, die zweite Jahreshälfte – und eine Kaufprämie

Der Konzern erwartet trotz Corona-Auswirkungen einen leichten Gewinn in diesem Jahr. Porsche wird zum wichtigsten Stabilisator für den gesamten Konzern.
29.04.2020 Update: 29.04.2020 - 13:22 Uhr 4 Kommentare
Seit der vergangenen Woche läuft in Deutschland die Produktion langsam wieder an. Quelle: dpa
Autoturm auf dem Werksgelände von Volkswagen

Seit der vergangenen Woche läuft in Deutschland die Produktion langsam wieder an.

(Foto: dpa)

Wolfsburg Der VW-Konzern stellt sich wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf deutlich schlechtere Geschäftszahlen in diesem Jahr ein. Volkswagen erwarte ein „im Vorjahresvergleich gravierend rückläufiges“ operatives Ergebnis, das aber noch im positiven Bereich landen werde, sagte Finanzvorstand Frank Witter an diesem Mittwoch in einem Gespräch mit Journalisten. Mit diesem vergleichsweise optimistischen Ausblick gehörte die VW-Aktie am Vormittag zu den klaren Gewinnern im Frankfurter Börsenindex Dax. Das Papier notierte mit einem Plus von fast 2,5 Prozent.

Der Umsatz dürfte „voraussichtlich deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen“, ergänzte Witter. Der nach Stückzahlen größte Autokonzern der Welt veröffentlichte zudem detaillierte Zahlen zum ersten Quartal. Demnach sank der Gewinn vor Steuern im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2019 von 4,1 Milliarden auf 0,7 Milliarden Euro. „Fast alle Marken haben im ersten Quartal noch schwarze Zahlen geschrieben“, sagte Finanzvorstand Witter.

In Zeiten der Coronakrise entwickelt sich die Stuttgarter Sportwagentochter Porsche zum wichtigsten Stabilisator für den gesamten Konzern. Porsche konnte seinen Umsatz in den ersten drei Monaten im Vorjahresvergleich sogar von 5,2 auf 5,4 Milliarden Euro steigern. Die Zahl der verkauften Autos gab nur leicht um 1,3 Prozent auf 56.000 Stück nach. Das operative Ergebnis fiel von 829 auf 529 Millionen Euro.

Audi steuerte gerade noch 15 Millionen Euro zum operativen Ergebnis des Konzerns bei, die Marke Volkswagen schaffte immerhin noch ein Plus von 481 Millionen Euro. Skoda hat im ersten Quartal operativ 307 Millionen Euro verdient. Die Marke VW Nutzfahrzeuge verbuchte ein Plus von 14 Millionen Euro.

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    Finanzvorstand Witter warnte vor anhaltenden unkalkulierbaren Risiken, die weiterhin von der Corona-Pandemie ausgingen. „Niemand hat heute ein Vorstellung davon, wie lange diese beispiellose Krise dauern wird“, sagte er. Am schwierigsten werde auf jeden Fall das aktuelle zweite Quartal, weil weltweit außerhalb von China zu großen Teilen Produktion und Verkauf ruhten. Volkswagen kalkuliert für die Monate von April bis Juni mit einem Verlust.

    Große Hoffnung auf China

    In der zweiten Jahreshälfte sollte eine Besserung eintreten, um im gesamten Jahr dann doch noch einen operativen Gewinn zu erreichen. Der Konzern gibt allerdings das Ziel auf, mit der Marke Volkswagen in diesem Jahr erstmals wieder schwarze Zahlen in den USA zu schreiben, bestätigte Witter. Die Corona-Pandemie lasse dort keine normale Geschäftsentwicklung zu. Weltweit rechnet Volkswagen in diesem Jahr mit einem Absatzeinbruch zwischen 15 und 20 Prozent.

    Volkswagen setzt vor allem auf China, wo der Konzern etwa 40 Prozent seiner Fahrzeuge verkauft. Die Volksrepublik hatte ihren Höhepunkt der Coronakrise bereits im Februar erreicht, das Leben in Wirtschaft und Gesellschaft normalisiert sich dort langsam wieder.

    „China zeigt, was möglich ist“, betonte der Finanzchef von VW. Fast alle Autofabriken seien in China wieder in Betrieb, und die meisten Händler hätten ebenfalls wieder geöffnet. „Es ist nicht unrealistisch, dort eine gewisse Erholung zu erwarten“, betonte Witter.

    In Finanzkreisen wird die Einschätzung geteilt, dass es in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung geben könnte. „Der Konzern sollte auch 2020 deutlich schwarze Zahlen schreiben“, sagte Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover. Hohe Renditen wie im Vorjahr werde es bei Volkswagen allerdings erst wieder im Jahr 2022 geben. 2019 lag die operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen bei 7,6 Prozent.

    Der VW-Konzern muss darauf achten, dass das eigene Liquiditätspolster in Zeiten der Coronakrise ausreichend groß bleibt. Finanzvorstand Witter bestätigte, „dass das Thema Dividende intensiv diskutiert wird“. Im Februar noch vor der Krise hatte der VW-Vorstand beschlossen, dass die Dividende etwa um ein Drittel erhöht werden soll. Die Aktionäre könnten dadurch mit einer Ausschüttung von mehr als drei Milliarden Euro rechnen.

    „Natürlich machen wir uns Gedanken“, ergänzte der Finanzvorstand. Volkswagen wolle die Ausschüttung der Dividende von der weiteren Geschäftsentwicklung des Jahres abhängig machen, die finale Entscheidung bleibe allerdings der Hauptversammlung überlassen.

    Volkswagen hatte das für die kommende Woche geplante Aktionärstreffen bereits abgesagt. Frank Witter sagte dazu, dass es bei VW noch keine Entscheidung über einen neuen Termin gebe. Andere Konzerne wie Bayer und Daimler haben sich bereits dazu entschieden, digitale Hauptversammlungen auszurichten.

    Kaufprämie soll Erholung bringen

    Nachdem Konzernchef Herbert Diess bereits am Montag eine Kaufprämie für die Automobilindustrie gefordert hatte, wiederholte auch Finanzvorstand Witter diesen Wunsch. VW hoffe „auf eine Stimulierung der Wirtschaft durch die Regierungen“. Witter erinnerte an die Abwrackprämie, mit der die Autonachfrage in Deutschland vor gut zehn Jahren nach der Finanzkrise wieder angekurbelt worden war.

    Über die Autoindustrie könne die Volkswirtschaft angeschoben werden. „2009 haben wir ein Momentum für die gesamte Wirtschaft erreicht“, betonte Witter. Volkswagen baue auf die „positiven Erfahrungen“ aus dieser Zeit. Mit einer staatlich bereitgestellten Kaufprämie sei eine schnelle Erholung erreichbar. „Wir schreiben das Jahr nicht komplett ab“, so Witter.

    Auch der Betriebsrat von Volkswagen drängt darauf, dass die Bundesregierung eine neue Kaufprämie beschließt. Man werde sich dafür starkmachen, „dass die Politik Geld für diesen Impulsstoß bereitstellt“, schrieb VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in einem Brief an die eigene Belegschaft.

    „Wir wissen, dass wir damit nach Steuermitteln rufen“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. „Aber wir wissen auch, dass sich dieses Geld für unsere gesamte Gesellschaft klug anlegen ließe und sich so gleich mehrfach rechnen könnte – nämlich ökonomisch, ökologisch und sozial.“

    Vorläufige Zahlen zur Geschäftsentwicklung im ersten Quartal hatte Volkswagen bereits Mitte April genannt. Der Umsatz sank zwischen Januar und März von 60,0 auf 55,1 Milliarden Euro, die Auslieferungen aller Marken gingen um fast ein Viertel (23 Prozent) auf rund zwei Millionen Fahrzeuge zurück.

    Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen wie etwa Entschädigungszahlungen aus der Dieselaffäre fiel von 4,8 auf 0,9 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite gab entsprechend von 8,1 auf 1,6 Prozent nach.

    VW hat wie viele andere Hersteller den Betrieb in Werken und Autohäusern wegen Ansteckungsrisiken und fehlenden Nachschubs durch unterbrochene Lieferketten einstellen müssen. Seit der vergangenen Woche läuft auch in Deutschland die Produktion wieder langsam an, jedoch zunächst mit geringerer Kapazität.

    Die Fertigung hatte im Zwickauer Werk von Volkswagen begonnen, wo das aus Konzernsicht wichtige neue Elektromodell ID.3 gebaut wird. Seit Montag wird aber auch wieder im Stammwerk in Wolfsburg gearbeitet. Überall beginnt der Konzern zunächst mit kleineren Stückzahlen, will die Produktion aber in den kommenden Wochen nach und nach auf Normalniveau hochfahren.

    Mehr: So will VW die Coronakrise bewältigen.

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    4 Kommentare zu "Autobauer: Volkswagen setzt auf China, die zweite Jahreshälfte – und eine Kaufprämie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Spätestens jetzt wird manchem, dem die Industrie vor Monaten noch ein übergroßes Auto verkauft hat, klar, dass dies eine Fehlinvestition war. Zu viel Geld festgelegt, das in Notzeiten (unsichere Arbeitsplätze) fehlt, Abschreibung sehr hoch, da die Zukunft längst andere technische Konzepte bevorzugt, schwierige Märkte für anspruchsvolle Objekte in kleinen Stückzahlen, wechselnder Anspruch einzelner ideologischer Gruppen. Da weicht man als Hersteller vielleicht besser auf staatliche Kunden aus.

    • Keine Prämien für privat. Jetzt im ganzen Euro-Raum die Kommunen mit neuen Fahrzeugen ausstatten. Dafür Bonds ausgeben, die die EZB kauft. Null Zinsen, lange Laufzeit. Aufgrund der schnellen Einsatzfähigkeit (Stadtwerke) der Fahrzeug müssen es diesmal noch Verbrenner sein und die können derzeit noch zuhauf produziert werden. Der gesamte Euroraum hätte etwas davon, sogar Länder, die nicht im Euroraum sind, wegen der Zulieferungen. Das wäre politisch leicht durchsetzbar, aber man denkt zu unflexibel. Mit altem Denken löst man Krisen nicht, schon gar nicht diese Groß-Krise. Vielleicht lesen diese Zeilen einige Entscheider und tragen es gedanklich weiter.

    • Alle 10 Jahre wieder brauchen die armen Autohersteller wieder das Steuergeld von uns Allen damit es uns Allen, am besten mit einem neuen Auto, viel besser geht. 2009 sind gerade viele Schmutzdiesel in den Markt mit staatlicher Hilfe gedrückt worden. Aber sicher Vorhersagbar wie das Wetter, die Autobosse bekommen wieder die Kohle und ganz vorne steht auf jeden Fall ÖKO drauf, oder BIO dass wäre geil.

    • VW wird das neue "Tesla". Nach diesem Corona-Ding wird VW der unangefochten innovativste Automobilhersteller der Welt sein.

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