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Autobauer Volkswagen will mit neuem Logo sein Image aufpolieren

Der Autobauer gibt sich ein modernes Markenbild und will so den Dieselskandal vergessen machen. Dabei hilft auch der Einstieg in die Elektromobilität.
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Neues VW-Logo 2019: VW will mit neuem Logo sein Image aufpolieren Quelle: dpa
VW-Hochhaus in Wolfsburg

Das alte Logo auf dem Verwaltungsgebäude ist bald Geschichte.

(Foto: dpa)

Wolfsburg Noch ziert das alte Logo das Volkswagen-Markenhochhaus am Wolfsburger Mittellandkanal. In Blau und Grau, mit einem Gewicht von 7,5 Tonnen und einem Durchmesser von acht Metern steht es wie ein Willkommensgruß auf dem etwa 70 Meter hohen Gebäude. Nach dem Umbau und der Sanierung des Markenhochhauses war das Logo erst 2016 dort wieder neu auf dem Dach montiert worden.

Jetzt steht der nächste Wechsel auf dem Programm, nicht aus baulichen oder architektonischen Gründen, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen. Volkswagen gibt sich ein neues Logo. Das zuletzt 2007 eingeführte blau-weiß-graue Markensymbol soll komplett verschwinden und durch eine neue Variante ersetzt werden. In wenigen Tagen werden Arbeiter in Wolfsburg anrücken und das Logo auf dem Verwaltungsgebäude abmontieren.

Nach dem Dieselskandal und dem damit verbundenen Imageverlust soll das Abzeichen einen neuen Volkswagen-Konzern symbolisieren. Ein Unternehmen, das seine Kunden nicht mehr betrügen und stattdessen heute sehr ernst nehmen will. Ein Konzern, der nicht mehr um jeden Preis auf PS setzt, sondern der sich für die Umwelt starkmachen will.

Deshalb ist der neue Markenauftritt auch ganz wesentlich mit dem Einstieg des VW-Konzerns in die Elektromobilität verbunden. Das neue Logo wird die Fahrzeuge der ersten echten Elektrogeneration zieren, allen voran den ID.3, das elektrische Gegenstück zum Golf. Das Auto wird in drei Wochen auf der IAA in Frankfurt präsentiert – und genau dann rücken Arbeiter in Wolfsburg zum Austausch an.

„Volkswagen durchläuft gerade den massivsten Wandel seiner Geschichte“, sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wolfsburg. Die neue Elektroflotte und der neue Markenauftritt samt Firmenlogo hätten daran einen wesentlichen Anteil.

Bis zum Jahr 2025 will Volkswagen Weltmarktführer in der Elektromobilität werden. Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen jährlich eine Million Elektrofahrzeuge verkauft werden, so steht es in den VW-Plänen.

Mehr als 20 verschiedene neue E-Modelle plant der Wolfsburger Autohersteller in diesem Zeitraum. Zugleich soll die komplette Produktion so umgestellt werden, dass das Unternehmen seine Autos spätestens bis zum Jahr 2050 komplett kohlendioxidfrei produziert. Dieses neue Umweltbewusstsein soll die Dieselaffäre endgültig vergessen machen.

Anfang der 2030er-Jahre dürfte der letzte neue Verbrennungsmotor von Volkswagen auf den Markt kommen, der dann noch etwa bis zum Jahr 2040 verkauft wird. Eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren vorausgesetzt, dürfte der letzte Verbrenner um das Jahr 2050 herum von der Straße verschwinden. Der VW-Konzern wagt sich damit in der Branche weit vor. „Es ist eine risikoreiche Wette“, sagt Stefan Bratzel, Professor des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach.

Dazu gehört auch der neue Markenauftritt. Mit dem Einstieg in die Elektromobilität müsse Volkswagen die Marke neu ausrichten, betonte Vertriebsvorstand Stackmann. Im Zentrum dieses veränderten Markenbildes steht das neue Logo. Es wird vollständig erst auf der IAA mit der Präsentation des ersten Elektrofahrzeugs zu sehen sein. Gewisse Grundzüge wurden allerdings schon während des Pressegesprächs in Wolfsburg präsentiert.

Das neue Logo soll schlichter und einfacher werden als der im Moment noch verwendete Vorgänger. Das bisherige VW-Logo war dreidimensional angelegt, das neue wird nur noch zweidimensional eingesetzt. Das gesamte Erscheinungsbild wirkt schlanker, jünger und moderner. Auf einigen VW-Veröffentlichungen und etwa den Trikots des VfL Wolfsburg ist ein Übergangslogo schon zu sehen. Die offizielle Version will der Konzern noch zurückhalten.

70.000 Logos müssen ausgetauscht werden

„Jedes Logo hat seine Zeit“, sagte Marketingchef Jochen Sengpiehl. Volkswagen stehe jetzt vor der größten Markenerneuerung, die es in der Welt jemals gegeben habe. Volkswagen ist in insgesamt 171 Ländern vertreten, wo die Markenlogos jetzt nach und nach ausgewechselt werden müssen. Zu den genauen Kosten machte Volkswagen keine Angaben. Der jährliche weltweite Marketingetat des Wolfsburger Autoherstellers geht in die Milliarden.

Rund um den Globus müssen bei etwa 10.000 VW-Händlern insgesamt 70.000 Logos ausgetauscht werden. Volkswagen nimmt sich für die gesamte Umstellung auch etwas Zeit. Gleich mit dem Start der IAA im September bekommen die europäischen Händler das neue Logo. China soll dann im Oktober folgen, Nord- und Südamerika kommen erst im neuen Jahr an die Reihe. „Die Umstellung soll bis Mitte des kommenden Jahres beendet sein“, ergänzte Sengpiehl.

Volkswagen gibt sich optimistisch, dass der neue Markenauftritt zum Imagewandel beitragen wird. „Und damit wollen wir uns die Anerkennung der Gesellschaft wieder verdienen“, betonte Ralf Brandstätter, Chief Operating Officer (COO) der Marke Volkswagen, mit direktem Bezug zum Dieselskandal.

Konzernchef Herbert Diess hatte noch vor wenigen Wochen eingestanden, dass die Dieselaffäre für Volkswagen auch fast vier Jahre nach ihrem Beginn noch immer nicht ausgestanden ist. Das Ansehen des Autokonzerns sei weiterhin im Keller.

„Der Vertrauensverlust vor allem bei der Marke VW ist groß. Audi ist noch immer im Krisenmodus. Porsche hat den Diesel aus dem Programm genommen. Unser Dieselanteil in Europa sinkt – mit erheblichen Herausforderungen für die Lieferketten“, sagte der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende auf einer internen Managementveranstaltung in Wolfsburg.

30 Milliarden Euro hat VW bislang für die Bewältigung der Dieselaffäre zurückgelegt. Milliarden von Euro mussten dafür aufgewendet werden, um die manipulierten Dieselfahrzeuge wieder in Ordnung zu bringen. In den Vereinigten Staaten spielt der Diesel für Volkswagen heute keine Rolle mehr. Der VW-Konzern hat dort nach der Dieselaffäre die ursprüngliche Zielsetzung aufgegeben, den Selbstzünder parallel zum Benzinmotor als eine anerkannte Antriebsvariante zu etablieren.

Europa ist dadurch der weltweit einzig wichtige Absatzmarkt für den Diesel geblieben. Doch mit der Abgasaffäre ging ein Ansehens- und Bedeutungsverlust einher. Drohende Fahrverbote in den Städten taten ein Übriges. Bei den Neuwagenverkäufen kommt der Diesel aktuell auf einen Anteil von etwa einem Drittel, auch bei Volkswagen. Vor dem Bekanntwerden der Abgasaffäre lag der Anteil bei knapp der Hälfte.

Mehr: Neue Studien zeigen: Die Zahl der Rückrufe der Autohersteller ist im ersten Halbjahr erneut gestiegen – in Deutschland, aber auch in den USA.

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