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Pressekonferenz von Volkswagen

Haben sich auf einen Stellenabbau geeinigt (von links): Personalchef Gunnar Kilian, Marken-Chef Ralf Brandstätter, Betriebsratschef Bernd Osterloh und Komponenten-Vorstand Thomas Schmall.

(Foto: dpa)

Autobauer VW-Betriebsrat setzt sich durch – zehn Jahre keine Kündigungen

Seit März haben Vorstand und Betriebsrat von VW um einen neuen Stellenabbau gerungen. Es werden weniger Jobs gestrichen – ein Erfolg für Betriebsratschef Osterloh.
05.06.2019 Update: 05.06.2019 - 17:51 Uhr 2 Kommentare

Wolfsburg Im März auf der Betriebsversammlung schlug Volkswagen-Chef Herbert Diess die geballte Wut seiner Belegschaft entgegen. Der Vorstand hatte kurz zuvor angekündigt, bei der Kernmarke VW 7000 Stellen zu streichen. Vor rund 20.000 Mitarbeitern wies Betriebsratschef Bernd Osterloh die Pläne scharf zurück.

Jetzt ist der Konflikt beigelegt. Vorstand und Betriebsrat haben sich beim umstrittenen zusätzlichen Stellenabbau vor allem in den Verwaltungsbereichen auf einen Kompromiss geeinigt – und Osterloh hat sich weitgehend durchgesetzt. Bis zum Jahr 2023 sollen an den deutschen Standorten nur noch bis zu 4000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Wer im Unternehmen bleibt, hat zudem einen sicheren Arbeitsplatz: Die Beschäftigungssicherung wird in ganz Deutschland für zehn Jahre bis zum Jahr 2029 verlängert.

Osterloh gibt sich selbstbewusst: „Wir haben für die Belegschaften unsere Hauptanliegen Beschäftigungssicherung und Altersteilzeit durchgesetzt“, sagte er am Mittwoch in Wolfsburg. Mit der Verlängerung der Beschäftigungssicherung von 2025 bis 2029 sei eine Gleichbehandlung an allen deutschen Standorten erreicht worden. Bislang galt eine längere Frist nur für die Werke in Emden und Hannover, wo die Fertigung fast komplett auf Elektrofahrzeuge umgestellt wird.

Weil die Einführung der Elektromobilität mit zusätzlichen Risiken verbunden ist, sollte den Beschäftigten dort zusätzliche Sicherheit geboten werden. Volkswagen verlängert die Beschäftigungssicherung für seine deutschen Standorte, obwohl die Umstellung auf Elektroautos mit einem Stellenabbau verbunden sein wird. Weil Getriebe und Vergaser beim Elektroauto wegfallen, dürften mindestens 20 bis 30 Prozent der Stellen in der Produktion gestrichen werden. Verschiedene Branchenexperten haben vorgerechnet, dass der Arbeitsplatzabbau noch drastischer ausfallen wird.

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    Zum Jahresende startet Volkswagen mit der Fertigung einer neuen Generation von Elektrofahrzeugen auf Basis der sogenannten MEB-Plattform. Auf Grundlage dieses neuen Elektrobaukastens will VW mehr als 20 verschiedene Modelle produzieren. Diese sollen den Wandel bringen: Mitte des kommenden Jahrzehnts will Volkswagen rund eine Million rein batteriegetriebene Fahrzeuge fertigen.

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    „Mit diesem Paket wird Volkswagen nachhaltig gestärkt“, sagte Personalvorstand Gunnar Kilian. Mit zusätzlichen Investitionen in die IT werde der Konzern deutlich effizienter, aber auch attraktiver für die eigenen Mitarbeiter. „Wir schaffen neue, moderne, digitale und agile Arbeitsplätze und verbessern unsere Produktivität“, ergänzte Ralf Brandstätter, der das operative Geschäft der Marke VW verantwortet.

    „Hier bei Volkswagen muss keiner Angst um seinen Arbeitsplatz haben“, betonte Osterloh. Gleichwohl gehen die Stellenstreichungen in den kommenden Jahren weiter. In der Zeit von 2016 bis 2020 werden in Deutschland rund 23.000 Arbeitsplätze im Rahmen des „Zukunftspakts“ vor allem in der Produktion gestrichen. Osterloh bezeichnete die Einigung mit dem VW-Vorstand als „Meilenstein für die Automobilindustrie“.

    Osterloh setzt sich durch

    Jetzt kommt zusätzlich die Verwaltung hinzu, wo das Management ein größeres Einsparpotenzial sieht. Dem angekündigten Abbau von 4000 Jobs vor allem im Stammwerk Wolfsburg steht allerdings ein Stellenaufbau gegenüber: Mindestens 2000 neue Arbeitsplätze im IT-Bereich sollen für einen gewissen Ausgleich sorgen. Beim Umbau will der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Stattdessen sollen drei weitere Jahrgänge in Altersteilzeit-Programme aufgenommen werden.

    Die im März vom VW-Management genannte und fast doppelt so hohe Zahl von bis zu 7 000 Stellen in den Verwaltungsbereichen ist somit vom Tisch. Der Vorstand hatte damit im Frühjahr eine Protestwelle aufseiten des Betriebsrats ausgelöst. Die Arbeitnehmerseite hatte damit gedroht, wichtige Entscheidungen im Konzern auf längere Zeit zu blockieren. Unterstützung bekamen die Betriebsräte etwa von den beiden Aufsichtsräten des Landes Niedersachsen, die nach ihren Angaben nicht ausreichend über die neuen Pläne informiert worden waren.

    Der Betriebsrat warf dem Management damals vor, dass die Zahl 7000 durch keinerlei Berechnungen stichhaltig nachgewiesen worden sei und wahrscheinlich nur auf einer groben Schätzung beruhe. „Der Vorstand ist bisher nicht in der Lage, eine Erklärung zu diesen Zahlen zu liefern. Fakt ist: Hirngespinste von externen Unternehmensberatungen werden wir nicht akzeptieren“, hatte Betriebsratschef Osterloh im März gesagt.
    Mit der neuen Zahl von 4000 Arbeitsplätzen gibt sich der Betriebsrat zufrieden. Diese Angabe sei fundiert und realistisch für den geplanten Zeitraum bis zum Jahr 2023. „Jetzt haben wir einen guten Kompromiss gefunden“, sagte Osterloh.

    Trotz des nun geringeren Stellenabbaus soll das ebenfalls im März verkündete Sparprogramm der Marke Volkswagen nicht in Gefahr geraten, sagte Bereichsvorstand Brandstätter. Dieser sei nur eine von mehreren Komponenten, mit denen die Marke VW ihr Ergebnis verbessern wolle. Insgesamt geht es um einen Betrag von knapp sechs Milliarden Euro bis zum Jahr 2023. Diese Summe sei weiterhin erreichbar, sagte Brandstätter.
    Beim Stellenabbau liege Volkswagen immer noch „im geplanten Korridor“. Bei den ersten Planungen im Frühjahr seien weitere 1 600 Arbeitsplätze hinzugerechnet worden, die im Rahmen des Zukunftspakts bei Volkswagen aufgegeben werden.

    Der Konzern und der Betriebsrat haben sich auch auf weitere Produktivitätsfortschritte geeinigt, die vor allem in den direkten Bereichen der Fahrzeugfertigung erreicht werden sollen. Bis 2023 sind demnach jährlich jeweils fünf Prozent Steigerung geplant. Die höhere Produktivität sei erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Arbeitnehmerseite habe diesen Veränderungen zugestimmt. Das gesamte Paket sei ein „ausgewogenes Programm“, hieß es dazu aus Konzernkreisen.

    Aus Sicht der Konzernführung sind die Einschnitte zwingend nötig, da der Branchenprimus im Verwaltungsbereich gegenüber anderen großen Unternehmen einen Nachholbedarf hat. Wo in anderen Betrieben schon längst Computer die Verwaltungsarbeit übernommen haben, werden bei Volkswagen Rechnungen per Hand eingescannt oder fehlende Kontostellen in der Finanzbuchhaltung von Mitarbeitern eingetragen.

    Hier sehen sowohl Vorstand als auch Betriebsrat Nachholbedarf im Unternehmen. Damit es in der Verwaltung künftig effizienter zugeht, will Volkswagen zunächst im großen Stil investieren. Der Konzern will bis zum Jahr 2023 bis zu vier Milliarden Euro für die Digitalisierung ausgeben. Damit sollen moderne Computersysteme angeschafft werden, die die Abläufe und Prozesse in der Verwaltung deutlich beschleunigen und vereinfachen sollen. Diese Milliardeninvestitionen sorgen dann dafür, dass die Volkswagen-Verwaltung künftig mit weniger Personal auskommen kann.

    Jährlich 1400 neue Azubis

    Der Betriebsrat hat sich mit einer weiteren wichtigen Forderung durchgesetzt: In den kommenden drei Jahren bleibt es bei Volkswagen bei jährlich 1400 neu hinzukommenden Auszubildenden. Im Frühjahr hatte Familiensprecher Wolfgang Porsche auf der Seite der VW-Aktionäre die Frage aufgeworfen, ob wirklich alle 1 400 Lehrlinge von Volkswagen übernommen werden müssten.

    Auch das hatte damals Betriebsratschef Osterloh zu einer scharfen Gegenreaktion provoziert. „Wir haben nicht Probleme mit 1400 Auszubildenden nach Tarifvertrag“, hatte er gesagt. Im operativen Geschäft etwa bei der Entwicklung neuer Modelle seien die Probleme viel größer. Darauf solle sich der Aufsichtsrat viel eher konzentrieren.

    Allerdings hat der Betriebsrat auch bei den Auszubildenden einer Kompromisslinie zugestimmt. Bis zu 250 ältere Mitarbeiter können auf das feste Kontingent von 1400 angerechnet werden, wenn sie bestimmte aufbauende Ausbildungswege im IT-Bereich durchlaufen. Dieser Schritt soll mit dazu beitragen, dass die Software- und Hardwarekompetenz im Unternehmen zunimmt. Außerdem wird das Bildungsbudget bis 2023 um 60 Millionen auf dann 160 Millionen Euro erhöht.

    Mehr: Volkswagen nimmt einen zweiten Anlauf für den Börsengang der Lkw-Holding Traton. Vorgesehen ist eine Notierung in Frankfurt und Stockholm.

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    2 Kommentare zu "Autobauer: VW-Betriebsrat setzt sich durch – zehn Jahre keine Kündigungen"

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    • Als Aktionär verstehe ich eine so einseitige und langjährige Verantwortungsübernahme durch den CEO nicht.

    • 10 Jahresplan? Im Sozialismus kennt man nur den Fünfjahresplan! armes Deutschland

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