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Autobauer VW, BMW und Daimler sprechen über Kooperation beim autonomen Fahren

Deutsche Autobauer und Zulieferer prüfen, ob sie ihre Entwicklungsaktivitäten beim autonomen Fahren zusammenlegen. So könnten Kosten in Milliardenhöhe gesenkt werden.
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Volkswagen, Daimler und BMW loten offenbar eine Allianz in Sachen autonomes Fahren aus. Quelle: imago/GlobalImagens
Autonome Fahrtechnologie im Test

Volkswagen, Daimler und BMW loten offenbar eine Allianz in Sachen autonomes Fahren aus.

(Foto: imago/GlobalImagens)

Düsseldorf Die Elektrifizierung und das autonome Fahren verschlingen Milliarden an Entwicklungskosten. Zu viel für einen einzelnen Autohersteller, besonders in Zeiten einer sich abschwächenden Konjunktur und bei rückläufigen Verkaufszahlen. Neue Bündnisse sind die Antwort der Branche darauf: Hersteller und Zulieferer teilen sich Entwicklungs- und Produktionskosten – an erster Stelle beim autonomen Fahren.

Deutschlands Autohersteller und die großen Zulieferer sprechen aktuell über einen gemeinsamen Entwicklungsverbund für selbstständig fahrende Vehikel. Das wurde am Mittwoch in Branchenkreisen bestätigt. Daimler, BMW und Volkswagen gehören auf Herstellerseite dazu.

Bei den Zulieferern sind Bosch, Continental und ZF mit an Bord. Die beteiligten Konzerne suchen dabei insbesondere nach gemeinsamen Standards für das autonome Fahren. Über die Pläne hatte zuerst das „Manager Magazin“ berichtet.

Am Montag hatte das Handelsblatt bereits darüber berichtet, dass BMW und Daimler die Möglichkeit umfangreicher Allianzen prüfen.

In Unternehmenskreisen wurde vor überzogenen Erwartungen gewarnt. „Die Gespräche stehen erst am Anfang“, sagte ein Branchenvertreter. Die kommenden Wochen müssten zeigen, ob eine Annäherung der verschiedenen Positionen in Sachen autonomes Fahren möglich wird.

Bislang verfolgen die Hersteller und Zulieferer weitgehend eigene Ansätze bei der Entwicklung autonom einsetzbarer Fahrzeuge. Der Daimler-Konzern und Bosch arbeiten an eigenen Projekten, BMW kooperiert besonders intensiv mit dem israelischen Anbieter Mobileye, der inzwischen zum US-Konzern Intel gehört.

Volkswagen ist noch auf der Suche nach dem idealen Partner beim autonomen Fahren. Schon seit Monaten verhandelt der Wolfsburger Autohersteller mit dem US-Konzern Ford über eine mögliche Kooperation. VW führt zudem in den USA mit einem weiteren Partner schon länger Gespräche über die Entwicklung eigenständig fahrender Autos: mit dem Start-up Aurora.

Wie sich die deutschen Autobauer äußern

Neu ist, dass nun die deutschen Konzerne aus der Automobilbranche untereinander verhandeln. Volkswagen wollte sich im Detail nicht dazu äußern. „VW verfolgt den Ansatz einer offenen Plattform, um möglichst viele Partner einzubinden. Durch die so geschaffenen Synergien können Kosten gesenkt und Skaleneffekte erzielt werden“, sagte ein Konzernsprecher. Volkswagen prüfe aktuell in unterschiedlichen Teilen der Welt verschiedene Gemeinschaftsprojekte.    

Aus Konzernkreisen hieß es ergänzend dazu, dass es noch offen sei, ob der Wolfsburger Autobauer ein einzelnes Kooperationsprojekt beim autonomen Fahren eingehen oder gleich mehrere Bündnisse beschließen werde. Da die regulatorischen Vorgaben in den verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedlich ausfallen, könnte es am Ende auch mehrere Entwicklungsallianzen geben. Kurzfristig sei mit Entscheidungen jedenfalls nicht zu rechnen.

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Ein BMW-Sprecher sagte, der Münchener Autokonzern verfolge zusammen mit anderen Herstellern, Zulieferern und Technologieunternehmen Pläne für eine „nichtexklusive Plattform“ beim autonomen Fahren. Andere Unternehmen hätten zudem Interesse an einer Zusammenarbeit geäußert.

Zu aktuellen Spekulationen in den Medien wollte sich BMW nicht äußern. Continental wie auch die anderen beteiligten Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab. In Industriekreisen verlautete ergänzend dazu, dass eine Zusammenarbeit etwa bei Sensoren extrem sinnvoll sei.

Enge Absprachen könnten zum Problem werden

Da die Sicherheitstechnik ohnehin standardisiert werden müsse, könne sich die Industrie mithilfe einer branchenweiten Kooperation Doppelarbeit sparen. „Was sollen wir denn sonst machen? Das muss sich in diese Richtung entwickeln“, betonte ein Branchenvertreter. Beim autonomen Fahren gehöre auch die unmittelbare Kommunikation zwischen den Autos dazu: „Die Fahrzeuge müssen doch eine gemeinsame Sprache sprechen.“

Gerade die deutschen Autohersteller müssen jedoch aufpassen, wenn sie eine verstärkte Kooperation untereinander eingehen wollen. Die EU-Kommission ermittelt schon seit zwei Jahren gegen Daimler, Volkswagen und BMW, weil sie in der Vergangenheit zu enge Absprachen getroffen hatten.

Eine abschließende Bewertung dieser möglichen Kartellverstöße durch die Brüsseler Wettbewerbsbehörden steht allerdings noch aus. Bei einer Verurteilung durch die EU drohen den Konzernen Milliardenstrafen, entsprechend vorsichtig sind sie bei neuen Kooperationen. Kartellrechtlich unproblematisch dürfte dabei die Festlegung von neuen Industriestandards für das autonome Fahren sein.

Zudem gibt es bereits ein Vorbild, dass die Zusammenarbeit auf neuen Arbeitsgebieten für die Autohersteller rechtlich zulässig ist: Ende 2015 hatten Daimler, BMW und Audi die frühere Nokia-Geodatendiensttochter Here gemeinsam gekauft. Inzwischen haben sich auch Bosch und Continental an dem unter anderem in Berlin ansässigen Kartenanbieter beteiligt.

Ein funktionierendes digitales Kartensystem ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das autonome Fahren. Here-Produkte werden inzwischen in vielen Navigationssystemen deutscher Fahrzeuge verwendet. Die Autokonzerne könnten demnach ihre bei Here gesammelten Erfahrungen auf eine erweiterte Zusammenarbeit beim autonomen Fahren übertragen.

Bei autonom eingesetzten Fahrzeugen hinken die deutschen Autohersteller im Vergleich zu Konkurrenten deutlich hinterher. Daimler, BMW und Volkswagen haben zwar vor allem in den USA erste Versuchsprojekte gestartet. Doch neue Konkurrenten wie aus der IT-Branche sind mit ihren Projekten schon viel weiter vorangekommen.

„Die höchste Innovationsstärke hat dabei mit Abstand die Alphabet-Tochter Waymo“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach bei Köln. Die Mobilitätstochter des Google-Mutterkonzerns sei bei eigenständig fahrenden Autos so etwas wie der Weltmarktführer.

Kein anderes Unternehmen hat bisher Autos Millionen von Kilometern eigenständig fahren lassen – die entscheidende Größe, um ausreichende Erfahrungen mit der neuen Technik zu machen und später eine Zulassung zu bekommen. Im Dezember hat Waymo in den USA den ersten kommerziellen Service mit selbstständig fahrenden Taxen gestartet.

In dieser Woche hat Waymo angekündigt, dass in den USA eine eigene Montagefabrik errichtet werden soll. Die Alphabet-Tochter will darin Serienautos in autonom fahrende Vehikel umwandeln. Mehrere Hundert Autos könnten dort entsprechend umgebaut werden. Mit dieser Fabrik würde Waymo seinen technologischen Fortschritt gerade auch gegenüber den deutschen Herstellern noch einmal ausbauen.

Waymo profitiert zudem von der Finanzkraft seines Mutterkonzerns Alphabet. Das US-Unternehmen verdient deutlich besser als alle etablierten Autokonzerne, die sehr genau auf ihre Investitionen achten müssen. Alphabet und Waymo können es viel eher verkraften, wenn ein geplantes Vorhaben nicht sofort die erhoffte Rendite einbringt. 

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