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Autobauer VW-Software-Einheit startet im Juli – Betriebssystem soll bis 2024 kommen

Volkswagen will zum Software-Konzern aufsteigen und zeigt sich dabei zur Zusammenarbeit mit Partnern bereit. Das neue Betriebssystem „VW.OS“ nimmt Form an.
19.06.2020 Update: 19.06.2020 - 17:23 Uhr Kommentieren
Der Ausbau der Software-Entwicklung gehört zu den strategischen Schwerpunkten von Konzernchef Herbert Diess. Quelle: dpa
Produktion des ID.3 in Zwickau

Der Ausbau der Software-Entwicklung gehört zu den strategischen Schwerpunkten von Konzernchef Herbert Diess.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Erst im Mai hat es bei Volkswagen einen schwerwiegenden Software-Fehler gegeben. Weil das automatische Notrufsystem im neuen Golf nicht richtig funktionierte, musste der Wolfsburger Konzern die Auslieferung seines wichtigsten Modells gleich für mehrere Wochen stoppen.

Auch beim Prestigemodell ID.3, dem ersten Auto aus der neuen Generation reiner Elektrofahrzeuge von Volkswagen, gibt es Probleme mit der Software. Einige eigentlich eingeplante Funktionen werden fehlen, wenn die ersten Exemplare im September an die Kunden ausgeliefert werden.

Etablierte Autohersteller tun sich schwer damit, den stetig steigenden Software-Anteil in ihren Fahrzeugen auch tatsächlich zum Laufen zu bringen. Auch Volkswagen kommt dabei nur schrittweise voran. Nun bereitet der Wolfsburger Konzern einen dauerhaft angelegten Einschnitt vor, mit dem das Unternehmen auch zu einem leistungsfähigen Anbieter von Fahrzeug-Software aufsteigen soll. Zum 1. Juli nimmt die neue „Car.Software.Org“ ihre Arbeit auf, kündigte der Konzern am Freitag an.

Ein gutes halbes Jahr haben die Vorbereitungsarbeiten der neuen Volkswagen-Konzerntochter gedauert. Aus der Aufbauphase soll die Software-Einheit des Autoherstellers in den Arbeitsmodus überwechseln. Die „Car.Software.Org“ soll künftig nicht nur lästige Fehler wie beim Golf 8 und beim ID.3 verhindern helfen. Es geht vielmehr um den Aufbau einer grundsätzlich neuen Software-Strategie im Volkswagen-Konzern.

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    Bislang macht die Entwicklung von eigener Software bei Volkswagen nur einen geringen Anteil aus. Nach eigenen Angaben kommt der Wolfsburger Konzern gerade einmal auf einen Software-Eigenanteil von etwa zehn Prozent. Meistens stammt die Software von Autozulieferern wie Continental, Bosch oder dem koreanischen LG-Konzern. Die Arbeit eines Autoherstellers liegt dann darin, diese verschiedenen Software-Komponenten in einem Fahrzeug aufeinander abzustimmen und zum Laufen zu bringen.

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    Mit der „Car.Software.Org“ will Volkswagen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Software-Eigenanteil im Konzern bis zum Jahr 2025 auf mehr als 60 Prozent steigt. VW würde dadurch wesentliche Teile der Software-Kompetenz im eigenen Haus bündeln. „Volkswagen will die Hoheit über die komplette Fahrzeugarchitektur behalten, das schließt die Elektronik ein“, sagte Christian Senger, der künftige Vorstandschef der neuen Volkswagen-Tochter.

    Abhängigkeit von US-Techkonzernen reduzieren

    Die eigene neue Einheit soll zudem dafür sorgen, dass sich Volkswagen bei Computer- und Software-Themen nicht in die völlige Abhängigkeit großer amerikanischer IT-Konzerne wie Google und Apple begibt. Computerprogramme werden in jedem Auto in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. VW-Konzernchef Herbert Diess spricht deshalb immer wieder vom „Smartphone auf vier Rädern“.

    Entwickelt ein Autohersteller die fahrzeugbezogene Software nicht selbst, droht die Gefahr, technologisch den Anschluss zu verlieren. Ein Fahrzeughersteller könnte so zum reinen Vorlieferanten einer Blechkarosse werden, die Veredelung mit höherer Wertschöpfung und Software käme von einem IT-Giganten.

    Volkswagen ist der größte Autohersteller der Welt, deshalb denken die Wolfsburger auch bei der „Car.Software.Org“ in großen Dimensionen. Bis zum Jahresende sollen weltweit in der neuen Konzerntochter etwa 5000 Mitarbeiter zusammengefasst werden. Das werden vor allem Entwickler sein, die bislang schon bei den Marken VW, Audi und Porsche mit Auto-Software beschäftigt waren. Bis zum Jahr 2025 sollen mehr als 10.000 Experten für die IT-Tochter von Volkswagen tätig sein. Diese Zahl will der Konzern vor allem über Neueinstellungen erreichen.

    Zentrale Aufgabe der „Car.Software.Org“ ist die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems für alle Autos aus dem Volkswagen-Konzern, intern bereits „VW.OS“ genannt. Der Name ist angelehnt an Betriebssysteme aus der IT-Welt, „iOS“ von Apple ist das bekannteste Beispiel. Die VW-Software soll im Auto alle Dienste steuern, von Fahrer-Assistenzsystemen über hochautomatisiertes Fahren und Parken, die Ladetechnologie bis hin zu Systemen für Mobilitätsdienste und digitale Geschäftsmodelle der einzelnen Konzernmarken.

    Für die Entwicklung dieses konzerneigenen Betriebssystems stehen der neuen Volkswagen-Einheit gut drei Milliarden Euro zur Verfügung. 2024 sollen die Entwicklungsarbeiten am „VW.OS“ abgeschlossen sein. Ein Jahr später soll das Betriebssystem dann in jedem neu produzierten Fahrzeug aus dem Konzern eingesetzt werden.

    Volkswagen produziert in jedem Jahr mehr als zehn Millionen Fahrzeuge. Wenn das neue Betriebssystem dann einmal entwickelt ist, könnte es millionenfach in VW-, Audi-, Porsche- oder Skoda-Modellen verwendet werden – und die Kosten pro Auto extrem niedrig halten. „Software entfaltet ihr Potenzial mit der steigenden Zahl der Fahrzeuge“, unterstreicht Christian Senger, „das gilt für die Kostenvorteile, aber auch für das Lernen aus Daten. Diesen Skalierungsvorteil haben wir auf unserer Seite.“

    Anbindung an Premiumtochter Audi

    Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Volkswagen sein fertiges Betriebssystem eines Tages auch anderen Autoherstellern anbieten wird. „Wir treiben unsere Software-Plattform selbst voran. Wenn sich auf dem Weg aber neue Möglichkeiten ergeben, sind wir durchaus interessiert und offen“, ergänzt Senger. Gerüchten zufolge hat Volkswagen darüber Gespräche mit Daimler und mit dem Zulieferer Continental geführt, die aber zu keinem Ergebnis geführt haben.

    Ihren operativen Sitz wird die „Car.Software.Org“ in Ingolstadt haben. Das unterstreicht die Anbindung an die Premiumtochter Audi, die bei Forschungs- und Entwicklungsthemen innerhalb des Volkswagen-Konzerns wieder eine führende Rolle übernehmen soll. „Car.Software.Org“ ist erst einmal nur eine vorläufige Bezeichnung. Volkswagen denkt noch über einen eingängigeren Namen nach.

    Die Eigenständigkeit der neuen Einheit soll auch über die Rechtsform garantiert werden. Wie dazu aus Konzernkreisen verlautete, soll die neue Software-Tochter künftig als „Europäische Gesellschaft“ (Societas Europaea, kurz SE) geführt werden. Das sichere eine höhere Flexibilität, weil die Tochter international mit Zweigstellen in anderen Ländern aktiv sein werde. Auch die Mitbestimmungsrechte – bei Volkswagen wichtig für den Betriebsrat – sind gewahrt.

    In Branchenkreisen herrscht grundsätzlich Optimismus, dass Volkswagen den Software-Vorsprung von Konkurrenten wie Tesla aufholen kann. „Ich würde davon ausgehen, dass Volkswagen zwischen drei und fünf Jahre brauchen wird, um zu einem Autohersteller mit ausreichend Software-Kompetenz zu werden“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch Gladbach.

    Das gesamte Unternehmen Volkswagen müsse das Thema Software neu lernen. Beim Konkurrenten Tesla würden die Autos komplett um die Software herum entwickelt und konzipiert. „Einen solchen neuen Produktentstehungsprozess muss es also auch bei Volkswagen geben“, ergänzt Bratzel.

    Mehr: Angriff auf Tesla und Google: Daimler, VW und BMW entwickeln eigene Betriebssysteme

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