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Volkswagen-Werk in Emden

Hohe Nachfrage nach Elektro-Modellen sichern die Arbeitsplätze in Ostfriesland.

(Foto: Volkswagen)

Autobauer VW will E-Kleinwagen in Osteuropa bauen

Ihren E-Kleinwagen können die Wolfsburger nur in Osteuropa profitabel fertigen. Das Werk in Emden geht wegen der hohen Nachfrage nach E-Autos aber nicht leer aus.
1 Kommentar

Düsseldorf, Berlin Um große Worte war VW-Chef Herbert Diess im vergangenen November nicht verlegen. Der Aufsichtsrat hatte just seine Pläne für eine umfassende Elektrooffensive freigegeben, mit der der VW-Chef den Weg vom Verbrennungsmotor zum Stromantrieb beschreiten will.

Besonders aufmerksam hörten die 9.000 Mitarbeiter in Emden seine folgenden Ausführungen. „Dort werden künftig elektrische Kleinwagen und Limousinen mehrerer Marken gefertigt. Damit haben wir für diesen Standort eine nachhaltige Perspektive geschaffen“, hatte der Volkswagen-Chef nach der Aufsichtsratssitzung verkündet.

Das Werk im Norden wird als eines der ersten von Verbrennern auf E-Autos umgestellt. Und neue Modelle bedeuten sichere Arbeitsplätze, wissen die Beschäftigten. Die Ankündigung von Diess bedeutete aber noch mehr: Sie war ein Versprechen auf günstige Elektrofahrzeuge.

Bislang kosten die mindestens 30.000 Euro, meist aber erheblich mehr. Selbst die Politik ist aufgerüttelt, sieht sie doch den Preis als ein Hindernis für die Umstellung auf die neue Antriebsform.

In einem Konzept für das neue Zeitalter der Elektromobilität fällt dem Kleinwagen eine wichtige Rolle zu. Gerade für Familien mit kleineren Einkommen ist die Anschaffung eines Stromers unerschwinglich. Für den Erfolg der Mobilitätswende sei ein Modell für weniger als 20.000 Euro unabdingbar, sagte ein Manager von VW. „Die Bundesregierung hat uns darauf wiederholt hingewiesen.“

Diess versprach daher einen Kleinwagen, der ab 2023 gebaut und für weniger als 20.000 Euro verkauft werden soll. VW-intern firmiert das Projekt unter dem Namen „MEB entry“. Dieses Modell, ein kleineres Auto etwa so groß wie ein Polo oder ein T-Roc, würde am Standort Emden in drei fast baugleichen Varianten für Volkswagen, Seat und Skoda gefertigt. So zumindest sahen es die Pläne im November vor. Rund 200.000 Einheiten sollten jährlich in den Verkauf gehen.

Für das Werk in Emden und seine rund 9.000 Beschäftigten war das eine gute Nachricht so kurz vor Weihnachten. Weil zusätzlich zu dem „MEB entry“ noch eine rein batteriegetriebene Limousine im Passat-Format in Ostfriesland gebaut werden soll, wäre die Auslastung der Fabrik auf Jahre gesichert. MEB ist die Abkürzung für „Modularer Elektrifizierungs-Baukasten“, eine Plattform, mit der künftig ein Großteil der neuen VW-Elektroflotte produziert werden soll.

Nach der Ankündigung wuchs die Skepsis. Die Strategen von VW hatten einmal nachgerechnet, wie teuer der E-Kleinwagen wirklich werden würde. Das Ergebnis: Wegen der Lohnkosten würde das Modell bei den hohen Kosten für die Batterie ein Verlustbringer. Die Pläne waren Makulatur – und in Emden wuchs die Sorge um die Jobs.

Die ist inzwischen immerhin gebannt. Der Aufsichtsrat beschloss auf seiner Sitzung am Montag, dass in Emden statt des ursprünglich angekündigten Kleinwagens nun ein elektrischer Kompakt-SUV in der Größe eines heutigen VW Tiguan produziert werden soll. Dieses Modell war bislang für die VW-Fabrik im sächsischen Zwickau gedacht, die ebenfalls komplett auf die Fertigung von Elektroautos umgerüstet wird.

Die Nachfrage nach dem dort gefertigten ID – dem elektrischen Nachfolger des Golfs – sei indes so groß, dass Zwickau zugunsten der ostfriesischen Kollegen problemlos auf den Kompakt-SUV verzichten könne, wie aus Konzernkreisen verlautet. Das Unternehmen äußerte sich nicht dazu.

Seine Pläne für ein billiges E-Auto kann VW damit wieder aufleben lassen. Der Kleinwagen könne nun an einem osteuropäischen Standort mit günstigeren Lohnkosten produziert werden, hieß es in den Kreisen. Als Favorit gilt ganz besonders die Fabrik im slowakischen Bratislava, in der jetzt die Fertigung von rein batteriegetriebenen Kleinwagen auf einer älteren Fahrzeug-Plattform beginnt.

Die planerische Hoheit für den Kleinwagen hat die spanische Volkswagen-Tochter Seat übernommen. Sie soll das Elektroauto für weniger als 20.000 Euro in den kommenden Jahren zur Serienreife bringen. Seat hat ausgewiesene Erfahrungen mit Kleinwagen. Den Spaniern sollte die Konzeption eines solchen Autos gelingen, hieß es.

Bei Volkswagen wird die Aufgabe der Kleinwagenfertigung in Emden nicht als Rückschlag für die von Konzernchef Diess eingeleitete Elektrooffensive gesehen. „Seat wird es schon schaffen, einen solchen elektrischen Kleinwagen auf die Beine zu stellen“, betonte ein Konzernmanager. Eine Verlagerung des Produktionsstandortes nach Osteuropa sei eine reguläre Veränderung des laufenden Planungsprozesses.

Schon auf der Bilanzpressekonferenz im März hatte Konzernchef Diess den eingeschlagenen Weg in Richtung E-Mobilität verteidigt. „Wir muten uns ein extremes Umbauprogramm zu“, sagte er. Volkswagen habe gute Chancen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Angesichts der großen Herausforderungen müsse VW auch mit Misserfolgen kalkulieren. „Das eine oder andere wird nicht gelingen“, so Diess weiter.

Die Worte Emden und Kleinwagen fielen damals in der Rede des Konzernchefs noch nicht. Auf Arbeitnehmerseite dürfte die Aufgabe der Produktion der elektrischen Kleinwagen in Emden auf keinen besonderen Widerstand stoßen.

Die Fabrik in der größten Stadt Ostfrieslands ist die traditionelle Produktionsstätte für den VW Passat. Die Nachfrage nach dem Modell schwächelt aber, weil die Kunden stärker sportliche Geländewagen nachfragen. Im vergangenen Jahr hat es dort wegen anhaltender Verkaufsrückgänge mehrfach Kurzarbeit gegeben.

Die Probleme bei der Umstellung auf die neuen Zulassungsstandards nach WLTP-Norm sorgten für weitere Produktionslücken. Zudem hat Volkswagen technische Probleme bei der Umstellung auf die neue Passat-Variante („Facelift“), die die Situation in Emden zusätzlich verschärften.

Mit dem Vorschlag, einen sportlichen Geländewagen mit Elektroantrieb von Zwickau nach Ostfriesland zu holen, sorgt das Unternehmen für den erforderlichen Ersatz zur künftigen Auslastung der Emder VW-Fabrik. Die 9.000 Arbeitsplätze wären also gesichert.

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1 Kommentar zu "Autobauer: VW will E-Kleinwagen in Osteuropa bauen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Guten Tag,
    für Standort Bratislava wäre es sicherlich eine gute Info. Liebe Redaktion des Handelsblattes.
    Statt "Osteuropa" sollten sie (nach 30 Jahre des Mauerfalles) doch noch lieber die Bezeichnung Mitteleuropa benutzen. Oder Zentraleuropa. Im geographischen Sinne ist die Slowakei halt kein Osteuropäisches Land. Da ist leider die "Mauer" und der "kalte Krieg" bei euch irgendwie noch immer in den Köpfen. Leider.

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