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Autobauer Warum Volkswagen auf einmal besser dasteht als die Konkurrenz

Die deutsche Automobilbranche steht vor unruhigen Zeiten. Ausgerechnet VW dürfte am Freitag ein solides Jahresergebnis präsentieren. Was dahintersteckt.
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Mitte des nächsten Jahrzehnts soll ein Viertel aller im Konzern gefertigten Fahrzeuge einen elektrischen Antrieb besitzen. Quelle: Reuters
Elektrisches Konzeptauto von VW

Mitte des nächsten Jahrzehnts soll ein Viertel aller im Konzern gefertigten Fahrzeuge einen elektrischen Antrieb besitzen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die Automobilbranche ist in den vergangenen Monaten vor allem mit Negativmeldungen aufgefallen. Gewinnwarnungen bei Daimler und BMW, aber auch bei großen Zulieferern wie Continental hatten für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt.

Volkswagen will an diesem Freitag einen gegenläufigen Akzent setzen: mit soliden Zahlen für das abgelaufene Jahr. Der Wolfsburger Autokonzern wird am Nachmittag sein vorläufiges Jahresergebnis 2018 veröffentlichen. Aus Anlegersicht besonders interessant ist der Dividendenvorschlag, der ebenfalls am Freitag bekanntgegeben wird.

Dass bei Volkswagen im vergangenen Jahr Gewinnwarnungen ausgeblieben sind, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Der Konzern profitiert von seinem starken China-Geschäft und außerdem von seiner schieren Größe. Der Dieselskandal spielt nur mehr in der öffentlichen Diskussion in Deutschland eine Rolle. Auf den Auslandsmärkten herrscht hingegen inzwischen weitestgehend wieder Normalität.

Für 2018 hatte der VW-Konzern selbst eine Umsatzsteigerung von maximal fünf Prozent angekündigt. Das wäre in der Summe ein Betrag von etwa 240 Milliarden Euro. Bei der operativen Umsatzrendite vor Sondereinflüssen wie etwa den Belastungen aus der Dieselaffäre hatten die Wolfsburger eine Spanne zwischen 6,5 und 7,5 Prozent versprochen. Das Ergebnis würde damit zwischen 15,6 und 18,2 Milliarden Euro liegen.

Werden die Sonderlasten einbezogen, soll die Rendite „moderat unterhalb des erwarteten Korridors“ liegen. Bei sechs Prozent wäre das ein Gewinn unter 15 Milliarden Euro.

2017 hatte Volkswagen ein operatives Ergebnis nach Sondereinflüssen von 13,8 Milliarden Euro erreicht. Würde Volkswagen am Freitag seine Ankündigungen wahr machen, hätte der Konzern also im Jahresvergleich eine ordentliche Steigerung geschafft.

Damit sähe VW um einiges besser aus als beispielsweise der Konkurrent Daimler. Die Stuttgarter hatten ihr Jahresergebnis bereits Anfang Februar vorgelegt. Das operative Ergebnis (Ebit) von Daimler ist binnen Jahresfrist von 14,3 auf 11,1 Milliarden Euro gefallen. Die operative Rendite liegt für 2018 bei 6,6 Prozent – und damit auf dem Niveau eines Volumenherstellers. Der Daimler-Konzern hat dadurch seinen Premiumvorsprung verloren.

An den Finanzmärkten werden von Volkswagen für den Freitag keine Überraschungen erwartet. „Die zurückliegenden Monate waren zwar für Volkswagen nicht gut“, sagt etwa Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover. Doch der VW-Konzern dürfte sich bei der Veröffentlichung seiner Bilanz für 2018 im Großen und Ganzen an die selbst gemachten Vorgaben halten.

Gerüstet für Investitionen und Diesellasten

Volkswagen hat den Titel als weltgrößter Fahrzeughersteller im vergangenen Jahr verteidigen können. Eine Jahresproduktion von fast elf Millionen Fahrzeugen verschafft den Wolfsburgern Kostenvorteile, die kleinere Hersteller bei Weitem nicht erreichen können. VW profitiert insbesondere von seinem Baukastensystem („Plattformen“), das die Produktionskosten deutlich senkt.

Trotz des großen Aderlasses infolge des Dieselskandals steht der Volkswagen-Konzern aus Sicht Schwopes finanziell recht solide da. Bei der Vorlage des letzten Quartalsergebnisse Ende Oktober habe VW eine Nettoliquidität im Automobilbereich von 24,8 Milliarden Euro ausgewiesen – genug, um für Investitionen und weitere Diesellasten gerüstet zu sein.

Schwope rechnet zudem damit, dass Volkswagen auch in den kommenden Jahren einen operativen Gewinn von mindestens 15 Milliarden Euro erreichen wird – was für ausreichend finanziellen Spielraum sorge. Die Dieselaffäre habe Volkswagen zwar noch nicht hinter sich gelassen, „aber das Thema verliert seine Bedeutung“, so Schwope.

VW-Finanzvorstand Frank Witter hatte bereits vor Weihnachten angekündigt, dass die Milliardenlasten deutlich zurückgehen werden. Für 2018 verbuchte der Wolfsburger Konzern demnach Abflüsse von 5,5 Milliarden Euro zur Beilegung des Skandals, in diesem Jahr sollen es zwei Milliarden Euro werden und 2020 nur noch eine.

2018 war auch die Umstellung auf die neuen Zulassungsstandards nach WLTP-Standard ein wesentlicher Kostentreiber. Volkswagen hat dadurch beim operativen Ergebnis eine gute Milliarde Euro verloren. 2019 soll es keine größeren WLTP-Probleme mehr geben.

In einer risikofreien Welt wird Volkswagen trotzdem nicht leben. Das größte Wagnis geht der Konzern in den kommenden Jahren mit dem Umbau zum Elektrohersteller ein. Mitte des nächsten Jahrzehnts soll ein Viertel aller im Konzern gefertigten Fahrzeuge einen elektrischen Antrieb besitzen.

Volkswagen baut dafür schon jetzt acht Fabriken ausschließlich für Autos mit Batterieantrieb. Unklar ist dabei allerdings, ob die Ladeinfrastruktur entsprechend schnell mitwachsen wird. Wenn nicht, würde Volkswagen auf seinen Elektroautos sitzenbleiben.

Kurzfristig steht Volkswagen wie die anderen Autohersteller in diesem Jahr vor ganz anderen Problemen. Sollten die USA tatsächlich Einfuhrzölle auf europäische Autos erheben, droht dem VW-Konzern ein deutlicher Einbruch der Gewinne. Erste Schätzungen von Branchenexperten belaufen sich auf etwa 2,5 Milliarden Euro, die der Konzern dadurch verlieren könnte.

Marktführer in China

Unsicherheiten bei der konjunkturellen Entwicklung gibt es auch zunehmend in Europa, allein schon durch die ungelösten Fragen im Zusammenhang mit dem Brexit. Wenn dann noch der Exportmarkt USA wegen neuer Zölle in Teilen ausfallen sollte, würde das die Probleme in Deutschland und Europa zusätzlich verschärfen.

Volkswagen ist Marktführer in China. In der Volksrepublik müssen alle Hersteller Abschied nehmen von den starken Wachstumsraten der vergangenen zwei Jahrzehnte. In den zurückliegenden sechs Monaten waren die Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt sogar rückläufig.

Volkswagen freut sich von Jahr zu Jahr über Milliardenerträge allein aus China. Der VW-Konzern muss darauf hoffen, dass der chinesische Markt sich wieder stabilisiert und nicht dauerhaft einbricht.

Entsprechend vorsichtig dürfte Volkswagen auch bei seiner Jahresprognose für 2019 sein. Marktbeobachter erwarten, dass der Wolfsburger Konzern sich ungefähr an die Vorgaben aus dem abgelaufenen Jahr 2018 halten könnte. „Niemand sollte zu viel erwarten“, ergänzt Automobilanalyst Schwope.

Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen seine Dividende deutlich um fast 50 Prozent erhöht. Dieses Mal dürfte es ebenfalls weiter nach oben gehen, wegen der grundsätzlichen Unsicherheit an den globalen Automärkten allerdings wahrscheinlich nicht mehr ganz so hoch. Wegen der Dieselaffäre fällt die Dividende bei Volkswagen im Konkurrenzvergleich immer noch um einiges niedriger aus.

In den ersten Jahren nach Bekanntwerden des Skandals hatte VW die Ausschüttung an die eigenen Aktionäre deutlich zurückgefahren. Volkswagen strebt nach eigenen Angaben künftig eine Ausschüttungsquote an die Anteilseigner von 30 Prozent an. Zum Vergleich: Daimler hatte die Dividende nach dem Gewinneinbruch vor wenigen Tagen von 3,65 auf 3,25 Euro je Aktie gesenkt.

Mehr: Der BGH hat am Freitagmittag über die illegalen Abschalteinrichtungen von VW entschieden – nun steigen die Chancen der Diesel-Kunden auf Schadenersatz.

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