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Autobranche Angst vor dem „Erzfeind“ Sixt – Händler sind sauer auf VW

Der Autobauer und seine Händler bereiten sich auf den digitalen Fahrzeugvertrieb vor. Ein schon erzielter Kompromiss könnte wieder hinfällig werden.
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Der Händlerverband sieht sein Schreiben als Weckruf, um doch noch eine gemeinsame Linie mit dem Konzern zu finden. Quelle: dpa
Volkswagen-Autohaus in Hannover

Der Händlerverband sieht sein Schreiben als Weckruf, um doch noch eine gemeinsame Linie mit dem Konzern zu finden.

(Foto: dpa)

WolfsburgDer im vergangenen Jahr mühsam erreichte Burgfrieden zwischen deutschen Volkswagen- und Audi-Händlern einerseits und dem VW-Konzern andererseits droht schon nach wenigen Monaten wieder auseinanderzubrechen. Der VW- und Audi-Partnerverband, der Zusammenschluss der deutschen Händler, wirft verschiedenen Konzernmarken vor, die im vergangenen Jahr getroffenen neuen Spielregeln zu umgehen.

„Wir müssen erfahren, dass sich immer weniger Vertreter des Konzerns an unsere Vereinbarungen halten“, schreibt der Händlerverband in einem Brief an Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess, der dem Handelsblatt vorliegt. An verschiedenen Stellen im Konzern werde gegen die Neuregelung verstoßen, auf die sich Händler und der Wolfsburger Autohersteller im vergangenen Jahr nach monatelangen Verhandlungen verständigt hatten.

Im April kommenden Jahres soll in Deutschland ein neuer Händlervertrag in Kraft treten. Konzern und VW-Partnerverband waren sich einig darin, dass durch die Einführung der Elektromobilität und den künftigen Verkauf stark digitalisierter Autos auch neue Spielregeln im Fahrzeughandel notwendig werden.

Die mittelständisch geprägte Handelsbranche macht sich Sorgen, dass sie im digitalen Zeitalter künftig vom viel mächtigeren Volkswagen-Konzern übervorteilt wird. Zum Standard gehören in naher Zukunft beispielsweise Software-Updates, die bei Smartphones schon heute etwas völlig Gewöhnliches geworden sind.

Für die Händler war entscheidend, dass sie an diesen Aktualisierungen finanziell beteiligt werden. Denn die Updates werden künftig zentral aus Wolfsburg kommen – eigentlich an den Händlern vorbei.

Ein ganz großes Problem ist für den Händlerverband der Eigenvertrieb von Fahrzeugen durch Volkswagen über das Internet. Auch dabei wäre die mittelständische Händlerbranche eigentlich nicht mehr nötig – die zum Teil gewaltigen Investitionen in die Betriebe gemäß den markentechnischen Vorgaben des Konzerns ließen sich nicht mehr refinanzieren.

Deshalb sieht auch der im Frühjahr 2020 in Kraft tretende neue Vertrag nur einen sehr eingeschränkten Eigenvertrieb für die verschiedenen Marken des Volkswagen-Konzerns vor. Außerdem sollen die Händler auch dabei wieder finanziell beteiligt werden. Volkswagen kann heute allerdings noch nicht auf seine mittelständischen Partner verzichten – Handel und Werkstattbetriebe liegen zum überwiegenden Teil in ihren Händen.

Bei der Festlegung der neuen Vereinbarungen im vergangenen Jahr hatten sich der Konzern und der Händlerverband auf die Formel „We act as one“ („Wir agieren gemeinsam“) verständigt. Damit solle auch nach außen signalisiert werden, dass Hersteller und Händler tatsächlich in die gleiche Richtung marschierten. Beide Seiten sprechen von einem sogenannten gemeinsamen „Ökosystem“ im digitalen Zeitalter des Fahrzeughandels.

Doch genau daran gibt es jetzt große Zweifel beim Partnerverband. So habe die Transportersparte VW Nutzfahrzeuge inzwischen zwei neue zusätzliche Vertriebswege eingerichtet, die in dieser Form nicht mit dem Händlerverband abgesprochen gewesen seien. „Beide Vertriebskanäle agieren am Handel vorbei“, heißt es in dem Schreiben an Konzernchef Diess, das von Dirk Weddigen von Knapp, dem Vorsitzenden des Verbandes, unterzeichnet worden ist.

Sixt und Händler sehen sich als Konkurrenten

Den besonderen Zorn der Händler hat sich die Premiumtochter Audi zugezogen. Das Ingolstädter Unternehmen habe sich dazu entschieden, eine neue Kooperation mit der Sixt-Autovermietung einzugehen. Wegen des großen Rücklaufs von Mietwagen ist Sixt jedoch auch einer der größten Gebrauchtwagen-Händler in Deutschland.

Sixt und der mittelständische Handel sind deshalb starke Konkurrenten. In seinem Schreiben an Konzernchef Diess spricht der Partnerverband sogar vom „Erzfeind“ Sixt.

Sixt würden bessere Konditionen eingeräumt als den Händlern, kritisiert der Verband. Der Autovermieter werde zudem nicht zum neuen digitalen „Ökosystem“ aus Händlern und Hersteller gehören, „der dann auch noch Herr der gewonnenen Kundendaten sein wird“, heißt es in dem Schreiben.

Die künftige Behandlung der Kundendaten ist ein ganz besonderes Thema im Verhältnis zwischen Händlern und Hersteller. Sie sind ein Faustpfand des mittelständischen Handels, das die Händler ungern der VW-Konzernzentrale und erst recht nicht dem ungeliebten Rivalen Sixt preisgeben möchten. „Eine für uns nicht nachvollziehbare Strategie“, schimpft der Partnerverband.

Die Händler halten außerdem der Finanz- und Leasingsparte VW Financial Services Verstöße gegen gemeinsame Regeln vor. So wolle die Konzerntochter aus Braunschweig das Großkundengeschäft bei sich eingliedern und künftig auch in größerem Stil Garantieleistungen vermarkten – „ohne Integration des Handels“.

Der Händlerverband sieht sein Schreiben als Weckruf, um doch noch eine gemeinsame Linie mit dem Konzern zu finden. „Wir sind in großer Sorge, ob sich unser Vertragsmodell tragen wird“, schreibt der Verband. Bei keinem der Kritikpunkte sei mit den Händlern gesprochen worden, „gemeinsame Lösungen und Alternativen wurden nicht erörtert“. Noch sei es nicht zu spät, eine gemeinsame Linie zu finden.

Volkswagen wollte sich nicht im Detail zu den einzelnen Kritikpunkten der Händler äußern. „Der Volkswagen-Konzern und seine Marken stehen uneingeschränkt zu ihren Partnern im Handel und der vereinbarten Vorgehensweise ‚We act as one‘“, sagte ein Sprecher in Wolfsburg auf Anfrage.

Volkswagen habe den Brief des Partnerverbands erhalten und nehme die darin geäußerten Punkte ernst. „Unser Ziel ist, die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit der vergangenen Monate und Jahre im beiderseitigen Interesse fortzusetzen. Wir sind zu den genannten Punkten bereits im Dialog.“

Mehr: Porsche-Chef Oliver Blume spricht über das Risiko von US-Strafzöllen, das neue Elektroauto Taycan und den unliebsamen Besuch von der Staatsanwaltschaft. Lesen Sie hier das Interview.

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