Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autobranche Hoffnung auf neue Steuerhilfen für Autokäufer in China – Aktien von VW, BMW und Daimler steigen

In China wird wieder über Steuererleichterungen für Autoverkäufe nachgedacht. Die deutschen Autohersteller können sich schon einmal freuen.
Kommentieren
Ein Arbeiter reinigt das Firmenschild eines Volkswagen-Autohauses in der Nähe von Schanghai. Quelle: dpa
Volkswagen in China

Ein Arbeiter reinigt das Firmenschild eines Volkswagen-Autohauses in der Nähe von Schanghai.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Ohne China geht nicht mehr viel für die deutschen Automobilhersteller. Der Volkswagen-Konzern verkauft dort etwa 40 Prozent seiner Fahrzeuge, bei Daimler und BMW sind es immerhin noch 25 Prozent. Für die großen drei aus Deutschland ist China unumstritten der wichtigste Absatzmarkt: Die USA sind von China schon vor geraumer Zeit überholt worden, der eigene Markt in Deutschland belegt nur noch einen Platz im guten Mittelfeld.

Die deutschen Konzerne brauchen die Milliardenerträge aus China, wenn sie die eigene Produktion auf die anstehende Elektrifizierung und Digitalisierung ihrer Fahrzeuge umstellen wollen. Umso schwieriger wird es dann, wenn die Volksrepublik nicht mehr die erhofften Erträge liefert.

Genau das droht im Moment aus China. Seit der Jahresmitte sind die Verkaufszahlen in der Volksrepublik deutlich zurückgegangen. Der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China hat zu einer spürbaren Verunsicherung der chinesischen Autokäufer geführt.

Weil niemand so genau weiß, wie sich die Auseinandersetzung zwischen Peking und Washington weiterentwickelt, werden die vergleichsweise hohen Ausgaben für ein neues Auto erst einmal zurückgestellt. Aus den USA importierte Fahrzeuge sind beispielsweise mit einem Importzoll von 40 Prozent belegt worden. Davon sind auch die SUVs betroffen, die die deutschen Konzerne Daimler und BMW in ihren US-Werken für China produzieren.

Einzelne Autohersteller hatten bereits mit außergewöhnlichen Schritten auf die veränderte Situation reagiert. Das Unternehmen Great Wall Motor, größter SUV-Produzent in der Volksrepublik, hatte vor einem Monat für seine wichtigsten Modelle Preisnachlässe von bis zu 27 Prozent verkündet. Rabatte in dieser Größenordnung sind für China etwas Neues – auf einem permanent wachsenden Automarkt waren solche Nachlässe bislang nicht nötig. Great Wall will damit auch in Zeiten des Handelsstreits mit den USA Verkaufs- und Produktionszahlen hoch halten, zur Not auch auf Kosten der Erträge.

Die Zulassungsstatistik spiegelt die Zurückhaltung der Käufer deutlich wider: Im September war die Zahl der Autoverkäufe im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 1,9 Millionen Exemplare zurückgegangen. Für die ersten neun Monate 2018 lag das Verkaufsminus bei 1,1 Prozent.

Bis zum Jahresende war mit keiner durchgreifenden Besserung zu rechnen: Auf das gesamte Kalenderjahr bezogen wäre der chinesische Automarkt nach diesen Vorgaben zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder leicht geschrumpft.

Für Experten ist nicht nur der Handelsstreit zwischen den USA und China verantwortlich für die Absatzschwäche auf dem chinesischen Markt. „Die sieben fetten Jahre in der Autoindustrie sind erst einmal vorbei. Der Absatzrückgang in China ist nun ein weiteres Anzeichen dafür, dass jetzt sieben magere Jahre für die Fahrzeughersteller anstehen könnten“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM).

Doch seit Montagmittag ist wieder eine deutliche Erleichterung auf dem chinesischen Automarkt und an den internationalen Finanzmärkten spürbar geworden. Offenbar steht die chinesische Regierung in Peking vor einem neuen massiven Eingriff auf dem heimischen Automarkt, um die durchhängenden Fahrzeugverkäufe wieder nach oben zu bringen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, bereitet die nationale chinesische Entwicklungs- und Reformkommission die Wiedereinführung von Steuererleichterungen für Autokäufe vor. Demnach soll die Verkaufsteuer für Fahrzeuge mit einem Hubraum von weniger als 1,7 Litern von zehn auf fünf Prozent gesenkt werden.

Diese vergleichsweise kleineren Fahrzeuge stehen für etwa 70 Prozent des gesamten chinesischen Autoabsatzes. Ein ähnlicher Absatzstimulus war schon einmal vor drei Jahren eingeführt worden. Mit durchschlagendem Erfolg: 2016 schnellten die jährlichen Verkaufszahlen um 17 Prozent auf 24,6 Millionen nach oben.

Die offizielle Bestätigung zur erneuten Steuerförderung von Neufahrzeugen blieb am Montag zwar noch aus. Doch es gibt kaum Zweifel daran, dass die chinesische Regierung kurz vor der Wiedereinführung der Steuererleichterungen steht.

An der Börse sind die Autowerte an diesem Tag deshalb der klare Gewinner: Die VW-Aktie hatte bis zum späten Nachmittag ein Plus von mehr als fünf Prozent erreicht, bei Daimler waren es immerhin noch fast drei Prozent und bei BMW 2,5 Prozent. Auch die Autozulieferer profitierten von den Nachrichten aus China: Die Conti-Aktie legte um mehr als sechs Prozent zu.

Mit den nun zu erwartenden Steuererleichterungen dürfte sich die Lage auf dem chinesischen Automarkt deutlich entspannen. „Jeder Stimulus führt zu einer erfreulichen Jahresendrally“, schrieb Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI in einem Börsenkommentar.

Mit dem ursprünglich kalkulierten Absatzminus sei in diesem Jahr nun nicht mehr zu rechnen. Stattdessen werde es leicht nach oben gehen. Auch die Perspektiven für das kommende Jahr fielen deutlich besser aus. „Die Produktionszahlen dürften jetzt 2019 mit einer mittleren einstelligen Wachstumsrate zulegen“, so Ellinghorst. Bei den Aktien dürften bis zum Ende dieses Jahres vor allem Volkswagen und BMW profitieren.

Die meisten Autohersteller wollten sich nicht zu den jüngsten Entwicklungen in China äußern, weil noch keine offizielle Bestätigung vorliege. Doch intern dürfte schon kräftig gerechnet werden, mit welch positiven Auswirkungen die Branche jetzt auf ihrem weltweit wichtigsten Absatzmarkt kalkulieren kann.

Startseite

Mehr zu: Autobranche - Hoffnung auf neue Steuerhilfen für Autokäufer in China – Aktien von VW, BMW und Daimler steigen

0 Kommentare zu "Autobranche: Hoffnung auf neue Steuerhilfen für Autokäufer in China – Aktien von VW, BMW und Daimler steigen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote