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Autobranche IAA: Glaubenswandel auf der heiligen Messe

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Quelle: Reuters
(Foto: Reuters)

Norbert Reithofer, BMW-Chef, begrüßt die Gemeinde gleich mit dem ein gutes Jahrhundert alten Credo. Wruuuum, wrumm-wrumm, wruuuum jault der BMW Mille Miglia, der auf einer ovalen Rennbahn kreiselt, die Reithofer in seine Halle hat einbauen lassen. Eine Schau des Vergangenen. Der silberne Sportwagen hat Ende der 1930er-Jahre auf Europas Straßen alles abgehängt, was abzuhängen war. Der Wagen fährt auf die Bühne, Reithofer steigt aus. Dem BMW-Chef hat der Fahrtwind den Scheitel verwirbelt, aber was soll's. Hauptsache „Freude am Fahren“.

Und dabei bleibe es ja, gelobt Reithofer. Und Klimaschutz mache ja auch Spaß, keine Sorge. So richtig inbrünstig geht ihm das neue Glaubensbekenntnis noch nicht über die Lippen. Es klingt eher, als spreche er zu sich selbst. Aber falls noch jemand Zweifel hatte, dass BMW nicht der grünste Autokonzern von allen sei, „das nachhaltigste Autounternehmen der Welt“, wie Reithofer sagt, dem hat er einen druckfrischen Nachhaltigkeitsbericht mitgebracht. Über Reithofer, auf einer Kinoleinwand, sieht und hört man, wie Wind durch einen Wald rauscht und dann ein BMW über eine Landstraße vor Alpenpanorama. Den hartnäckig Ungläubigen, das weiß Reithofer, überzeugen nur Fakten. Also hat er auf die 7er, 5er, 3er und Minis, die er an diesem Morgen über die Rennbahn schnüren lässt, große Aufkleber mit deren Benzinverbrauch kleben lassen: 4,1 Liter pro 100 Kilometer. 5,5! 3,9! 5,4! Der Roadster Z4 – 8,5 Liter, nun ja. Ein bisschen alter Spaß muss doch noch drin sein. Trotz „efficient dynamic editions“ und „active hybrid“, der neuen Autoreligion.

Höhepunkt des freudigen Grünseins ist der 7er, das Luxusaushängeschild mit dem blau-weißen Propellerlogo, als Hybrid, angetrieben von einem V8-Motor und zwei Elektromotoren. Das spare „im Gegensatz zum, sagen wir in Anführungsstrichen, ‚konventionellen‘ Modell“ 15 Prozent Sprit, beteuert Entwicklungsvorstand Klaus Draeger. Konventionell: Dass das, was als beste Limousine der Welt galt, nun nach gestern, nach Langeweile, nach Spaßbremse klingt, scheint Draeger anzuekeln, so abschätzig spricht er den Zahlenvergleich aus. Aber man will, muss ja dazugehören.

In der Daimler-Halle wartet Pastor Dieter Zetsche, bis die passende Stimmung erzeugt ist, ehe er auf die Kanzel steigt. Es donnern die Bässe, ein halbes Dutzend Artisten wiegt sich an langen Stangen durch die Luft. Nicht immer neigen sich die Stangen, wohin sie sollen, die Turner müssen mit gewagten Verrenkungen die Richtung korrigieren.

Zetsche findet, sein Konzern habe sich nicht verrenkt, also auch nichts zu korrigieren. Sollen andere beichten und Buße tun. Vor zwei Jahren habe er hier in Frankfurt angekündigt, schon bald „vom Grünen das Beste“ auf den Markt zu bringen, und heute sei es so weit. Mit dem S500 Plug-in-Hybrid habe Mercedes „das Dreiliter-Auto neu erfunden“. Die Kunden hätten verstanden: Seit Juli ist die Öko-S-Klasse auf dem Markt. Schon sei jede fünfte bestellte Mercedes-Luxuslimousine ein Hybrid.

Zetsche spricht von der Lithium-Ionen-Batterie in der Öko-S-Klasse, als wäre sie das neueste Automatikgetriebe. Grüne Routine. Er preist „E-Cell“ und „F-Cell“ und „BlueZero“ und „E-Drive“ als Zukunft der Mobilität unter dem Stern an. Und den Wasserstoff, vergessen Sie bloß den Wasserstoffantrieb nicht! Sehr vielversprechend, wirklich. Ist der Doktor mit dem Schnauzer am Ende ein Bekehrter?

Rockmusik bollert los, eine Hymne, auf der Bühne steht eine blonde Saxofonistin und lässt ihr Instrument unzüchtig röhren und sanft kreisen.

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