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Autobranche Warum BMW und Daimler ihre Verbrenner-Produktion verlagern – und welche Risiken das birgt

Goodbye Deutschland: BMW und Daimler forcieren die Produktion von Verbrennungsmotoren im Ausland. Die sechs wichtigsten Antworten zu dieser Strategie im Überblick.
23.11.2020 - 14:52 Uhr 5 Kommentare
Der Autobauer will seine Diesel- und Verbrennungsmotoren bis 2024 in Großbritannien und Österreich fertigen lassen.
BMW-Zentrale

Der Autobauer will seine Diesel- und Verbrennungsmotoren bis 2024 in Großbritannien und Österreich fertigen lassen.

Düsseldorf Deutschlands Schlüsselindustrie steckt mitten in einer weitreichenden Transformation. Vergangene Woche kündigte BMW das Aus für die Produktion von Verbrennungsmotoren in Deutschland an. Bis 2024 soll die Fertigung von Diesel- und Benzinmotoren aus dem Münchener Stammwerk nach Großbritannien und Österreich verlegt werden.

Und auch Daimler setzt bei seinen Verbrennerfahrzeugen neue Akzente. Ab 2024 will der Mercedes-Konzern Hunderttausende Verbrennungsmotoren gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer Geely produzieren – in Europa und China.

Es sind große Einschnitte, die die beiden Autobauer forcieren. Was ist bislang bekannt? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Was steckt hinter den Strategien von BMW und Daimler?

Für Autoforscher Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) hat die Verlagerung der Motorenproduktion vor allem symbolischen Charakter. Denn die Abkehr von Diesel- und Ottomotor geht bei beiden Konzernen mit einem stärkeren Bekenntnis zur Elektroauto-Produktion einher.

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    BMW zum Beispiel will in Europa bis 2025 jedes dritte Auto mit Hybrid- oder Elektroantrieb ausliefern. Schon 2022 sollen die Werke in München, Leipzig, Regensburg und Dingolfing dafür mindestens ein E-Modell bauen. Und auch Daimler fokussiert zunehmend die Elektrifizierung.

    „Die Autobauer signalisieren: Zukunftsthemen wie Elektromobilität gehören an den Kernstandort“, sagt Bratzel. Hinter der Strategie von BMW und Daimler stecke so etwas wie eine „Good Bank - Bad Bank“-Strategie: Das zukunftsträchtige Geschäftsmodell mit E-Autos bleibe in Deutschland, während die Verbrennertechnologie ins Ausland abgeschoben werde.

    Trotzdem: Benziner und Diesel werden auch nach 2030 noch über deutsche Straßen rollen und weiter produziert. Doch schon jetzt zeigt sich, dass ihr Anteil bei den Neuzulassungen abnimmt. Lag ihr Anteil im vergangenen Jahr noch bei rund 91,2 Prozent, sank er in der ersten Jahreshälfte 2020 auf 82,8 Prozent, zeigen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA).

    2. Welche Chancen bietet die Verlagerung der Produktion?

    Die Autobauer hoffen vor allem auf Kosteneinsparungen. „Verbrenner werden in den nächsten Jahren viel stärker mit anderen Antrieben im Wettbewerb stehen“, sagt Bratzel. Und der Druck wachse, je mehr Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb produziert würden. Denn je weniger Fahrzeuge ein Werk produziert, desto geringer die Auslastung – und umso niedriger am Ende die Marge.

    Genau deswegen bündelt BMW seine Ottomotorenproduktion. Kleine Antriebe sollen künftig komplett im österreichischen Steyr gefertigt werden, große Motoren im britischen Werk Hams Hall. Die Auslastung reicht schlicht und ergreifend nicht mehr, um drei Werke zu betreiben. Insgesamt will BMW bis Ende nächsten Jahres 500 Millionen Euro im Produktionsnetz einsparen.

    Ähnliches gilt für Daimler: Mit der zunehmenden Abkehr vom Verbrennungsmotor werden weniger Motoren benötigt, die Kosten pro Stück steigen. Durch die Kooperation mit Geely will der Konzern Kosten im dreistelligen Millionenbereich erzielen. Wie viele Motoren letztlich in China produziert werden, ist bislang aber noch unklar.

    3. Welche Risiken birgt das?

    Gerade den Plan von BMW, Verbrennungsmotoren in Großbritannien produzieren zu lassen, hält Autoforscher Bratzel für äußerst risikoreich. Über allem schwebe weiterhin das Damoklesschwert des Brexits: „Die wirtschaftlichen Beziehungen nach dem EU-Austritt sind noch immer nicht geklärt“, warnt er.

    Und noch heikler: Das Land will sich zeitnah von fossilen Antrieben verabschieden. Vor wenigen Tagen gab Premierminister Boris Johnson bekannt, das Verkaufsverbot für Autos mit Verbrennungsmotoren um fünf Jahre auf 2030 vorzuziehen. Doch offenbar überwiegt für die Autobauer der Vorteil, das „Auslaufmodell Verbrennungsmotor“ ins Ausland abzuschieben.

    4. Wie reagieren die Arbeitnehmervertreter?

    Die Geely-Kooperation stößt bei Daimler-Mitarbeitern auf Unverständnis. Betriebsrat und IG Metall haben an diesem Montag die rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland zu Protesten gegen Stellenabbau aufgerufen. Mehrere Aktionen seien im Laufe der Woche geplant.

    Betriebsratschef Michael Brecht beklagt, dass die Belegschaft mit den Corona-Einschränkungen und dem Bewältigen des Umbruchs zu Elektromobilität geleistet haben. "In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft", so Brecht über die aktuelle Situation.

    Auch Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG-Metall Baden-Württemberg, lehnt Daimlers Pläne ab. Der Wandel dürfe nicht zu Lasten der Arbeitnehmer geschehen. Zehntausende Arbeitsplätze müssten gesichert werden.

    5. Was bedeutet das für die Zulieferer?

    Der große Verlierer der Transformation der Autobranche sei die Zuliefererindustrie, sagt Autoforscher Bratzel. Für ein Elektroauto würden nämlich deutlich weniger Komponenten benötigt als für ein Verbrennerfahrzeug.

    Die Elektrooffensive könnte für manchen Zulieferbetrieb der letzte Sargnagel sein. Wie schlecht es um die Branche bestellt ist, zeigen nicht zuletzt die Ankündigungen vieler Konzerne wie Continental oder ZF, massiv Stellen abzubauen.

    6. Was plant Volkswagen?

    Für Autoforscher Bratzel ist klar: „Die Situation bei den Autobauern ist im Grunde überall dieselbe.“ Der Wandel hin zu elektrifiziertem Fahren wird in München ebenso forciert wie in Stuttgart und Wolfsburg.

    Seitens Volkswagen, wo der Einfluss der Arbeitnehmer traditionell groß ist, sind jedoch noch keine konkreten Pläne bekannt, die Produktion von Verbrennungsmotoren ins Ausland zu verlagern. Die Dominanz der Wolfsburger auf dem Heimatmarkt erweist sich hier als ein entscheidender Vorteil. Sie produzieren viel mehr Fahrzeuge, die Werke sind also stärker ausgelastet.

    Mehr: Elektroautos brauchen keine Kaufprämien, um sich durchzusetzen, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Martin Murphy.

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    5 Kommentare zu "Autobranche : Warum BMW und Daimler ihre Verbrenner-Produktion verlagern – und welche Risiken das birgt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • wer keinen Motor will, muss auch keinen Motor bauen. Klare und verständliche Reaktion der Firmen. Die Zukunft mit zuverlässigen Richtlinien liegt in Asien. Folglich gehen auch die Arbeitsplätze dahin. Da muss sich die Gewerkschaft und die Politik der Verbostpartie (Grünen) nicht wundern. Wir sollten uns auch nicht wundern, denn wir haben diese Politik gewählt und den wirtschaftlichen Sachverstand ausgeschaltet. Da werden noch die Arbeitsplätze der Stahlarbeiter und der stromintensiven Industrie folgen. - Dies ist nicht wichtig, denn so, wie wir heute Corona Geld von der EZB erhalten, bekommen wir Morgen sicher Arbeitslosengeld vom Staat. War da nicht was in Bezug auf das bedingungslosen Grundeinkommen von 1.000 Euro,.. Ein Schelm, wer Kommunismus dabei denkt.

    • @Herr Matthias Hesse:
      "ungeliebte Arbeitsplätze in Deutschland"
      Nein, da muss ich Ihnen widersprechen. Daimler und BMW stehen zu ihren Mitarbeitern und kümmern sich sehr fürsorglich. Doch wenn die Politik auf reine Emobilität setzt, dann geht es eben nicht anders. Die Tatsache ist, dass Deutschland einen Standortnachteil durch die Politik der Ideologien - durch die staatliche Planwirtschaft - hat, da MUSS man reagieren, das geht nicht anders.
      Wenn in Deutschland keine Verbrenner mehr fahren sollen, dann braucht man hier auch keine mehr zu produzieren und schon gar nicht Motoren.
      Unsere Politiker glauben irgendetwas entscheiden zu können, was nur schöne, von ihnen erdachte Folgen haben darf. Dem ist nicht so.
      Krasses Beispiel: Biogas zur Produktion von Strom: Die Grünen entschieden damals man wolle "Grünen Strom aus Biogas". Die Folge sind massive Schädigungen des Grund- und Trinkwassers durch Pestizide und Düngung, zusätzlich wird die Nahrungsmittelproduktion verdrängt. Dies bedeutet neben höherer Nahrungsmittelpreise den Import von Nahrungsmittel und erhöhte Transportkosten mit den damit verbundenen CO2 Ausstoß - der jetzt dann für die EU mit Steuern belegt wird. EXTREM BEDENKLICH, WAS IDEOLOGEN IN DER POLITIK SO VON SICH GEBEN UND ENTSCHEIDEN.
      Trotz der massiven, negativen Folgen wird diese Thema in den Medien nicht diskutiert, totschweigen ist wohl angesagt - den Grünen zum Wohle. "Arbeitsplätze" ist immer ein wichtiges emotionales Thema, "Gesundheit - Trinkwasser" wohl eher nicht. Das ist eine Sache der falschen Prioritäten.

    • Hier waren überall die gleichen Mc Kinsey Berater.
      Überall das gleiche recycelte Rezept. Unter dem Mantel Coronakriese und grüne Wende werden vor allem ungeliebte Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut.

    • Die Siemens Kernkraftwerke waren die Besten der Welt - das AKW Fukushima wäre nicht explodiert, hätten sie die Siemens - Technologie zur Wasserstoff - Katalyse innerhalb der Kuppel eingebaut!
      Nun sind die europäischen Dieselmotoren und auch Benzinverbrenner mit die Besten der Welt - statt alternative Kraftstoffe eFuels und Wasserstoff zu ermöglichen, zwingt die Politik die Industrie auf Elektromobilität.
      Das ist Industriepolitik oder STAATLICHE PLANWIRTSCHAFT. CO2 Vorgaben können ja noch in Ordnung sein, die Umsetzung sollte allerdings der Wirtschaft vorbehalten sein.

    • Die beiden Konzerne lasse sich doch nicht ständig von den Grünen schikanieren mit ihren technisch nicht machbaren Vorgaben für Abgaswerte. Der Diesel ist eine geniale Erfindung und wird noch lange seine hervorragenden Dienste tun.

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