Autobranche Wenn Hersteller zu Kannibalen werden

Auf dem Automarkt blüht eine enorme Modellvielfalt, die Kunden den Überblick trübt. Hersteller, die kein Segment mehr der Konkurrenz überlassen wollen, schwächen ihre Marken-Position. Experten empfehlen eine Modelldiät.
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  • dpa

VW will 2015 weiterwachsen

GenfFür Autobauer gilt der Lehrsatz «weniger ist mehr» nicht. In den vergangenen Jahren haben die Hersteller die Zahl ihrer Modelle vervielfacht, ganz neue Segmente erfunden - und noch immer ist kein Ende absehbar.

1990 waren in Deutschland gerade einmal 101 verschiedene Fahrzeuge im Angebot, wie die Unternehmensberatung Progenium herausgefunden hat. 2014 waren es schon 453. Mit ständig neuen Varianten, Ablegern und Typen buhlen die Autokonzerne um Kunden.

Doch der riesige Fuhrpark ist nicht leicht zu beherrschen, an allen Ecken und Enden lauern Probleme.

In immer kürzeren Abständen müssen neue Modelle auf den Markt gebracht werden. Auf dem Genfer Autosalon (Publikumstage: 5. bis 15. März) zeigen die Hersteller anhand von rund 130 internationalen Premieren, was die Kunden (meist noch in diesem Jahr) an Neuheiten erwarten können.

Softe SUV für die Massen
Kleine SUV rollen an den Start
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Vor allem der CX-3 macht sich Hoffnungen, das boomende Segment von Opel Mokka, Renault Captur und Skoda Yeti aufzurollen. Mazda vertraut dabei dem Rezept, das bereits das Kompakt-SUV CX-5 zum Achtungserfolg hat werden lassen: schnittig-aggressive Formensprache, sparsame Motoren und relativ faire Preise ...

Mazda CX-3
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Die Technik stammt vom gerade eingeführten Kleinwagen Mazda2, dazu kommt auf Wunsch ein Allradantrieb. Ab rund 19.000 Euro dürfte der Fünftürer kosten, angetrieben dann von einem Benziner mit etwa 120 PS.

Schnell wachsendes Marktsegment Mini-SUV
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Dass ein international eher kleiner Hersteller wie Mazda so schnell eine SUV-Variante seines neuesten Kleinwagens auflegt, lässt ahnen, wie wichtig das Segment mittlerweile ist. Die Wachstumsraten der Mini-SUV sind angesichts des weitgehend gesättigten Pkw-Marktes außergewöhnlich: Zwischen Herbst 2013 und Herbst 2014 ist die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um knapp 48 Prozent gestiegen.

Renault Captur
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Und der Trend dürfte sich noch eine Weile fortsetzen. „Mehr als ein Drittel des Wachstums des SUV Segments wird in den nächsten sechs Jahren von den Mini-SUV kommen“, prognostiziert Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen.

Den Namen gab es schon mal
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Die kleine SUV versprechen also gute Geschäfte. Auch Honda, zuletzt nur in der Kompaktklasse mit einem entsprechenden Modell vertreten, will daran partizipieren. Die Japaner haben zu diesem Zweck ihren Kleinwagen Jazz höhergelegt und mit bulligerem Blech verkleidet. In Genf feiert der Wagen als HR-V nun Europapremiere, um im Spätsommer auf den Markt zu kommen.

Bislang ist es nur ein Entwurf
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Infiniti zeigt auf dem Autosalon in Genf sein QX30 Concept. Der Crossover verweist auf ein zukünftiges Premium-Kompaktfahrzeug und soll das starke Bekenntnis von Infiniti zu diesem Segment bestärken. Das Concept Car überschreite mit seiner glatten, Coupé-artigen Linienführung in Verbindung mit dem soliden Auftreten eines Crossovers bestehende Designgrenzen, sagt Infiniti.

Ein Update für den Range Rover Evoque
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Das bringt dem SUV unter anderem Retuschen an Front und Heck, neue Sitze und Türverkleidungen sowie die ersten LED-Scheinwerfer im Modellprogramm der Marke. Dazu kommt ein modernisiertes Infotainmentsystem mit großem Touchscreen und Smartphone-Integration sowie eine Stereokamera für erweiterte Sicherheitsfunktionen. Außerdem wird das Auto dank neuer Dieselmotoren sparsamer. Die Markteinführung soll im Sommer erfolgen.

Pro Variante werden die Stückzahlen dabei kleiner. Und die große Auswahl, heißt es bei Progenium, könne die Autokäufer überfordern und die Marken schwächen.

«In gewisser Weise stecken die Hersteller in einem Dilemma», sagt Progenium-Chef Michael Mandat. «Niemand kann und will einzelne Marktsegmente dem Wettbewerb überlassen, gleichzeitig vernichtet die hohe Komplexität jedoch auch Wert und eine klare Positionierung.»

Bei VW etwa gibt es mehr Außenspiegel als Modelle. Das zu steuern, zu entwickeln oder zu liefern ist hochkomplex. Der Konzern verkauft immerhin die riesige Zahl von zehn Millionen Autos im Jahr. Doch nicht nur die Modellvielfalt ist enorm.

Große Klappe für die Oberklasse
Audi-Showcar Prologue Avant
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Die 5,11 Meter lange Studie Prologue Avant hat ein flach abfallendes Kombi-Heck, ähnlich dem des Mercedes CLS Shooting Brake. Im Audi läuft das Licht im Heck als Band über die volle Breite des Autos. Die LED-Heckleuchten wechseln zwischen zwei- und dreidimensionalen Effekten.

Premiere wird in Genf gefeiert
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Das abfallende Dach mündet in eine Kante, die das ganze Heck umläuft. Eine recht hohe Gürtellinie lässt den Prologue massiv wirken, die Radhäuser werden dezent betont. Die stark akzentuierte Front mit dem großen Kühlergrill wirkt dynamisch. Dank Matrix-Laser-Technik sind die Scheinwerfer schmal, weitere Leuchteinheiten betonen die sportlichen Lufteinlässe.

Im Innern des Concept Cars
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Wie schon bei der Coupé-Studie erstreckt sich die berührungsempfindliche Bildschirm-Fläche quasi über das gesamte Armaturenbrett. Der Fahrer findet Assistenz- und Multimediat-Flächen links und rechts vom Lenkrad, hat zudem noch ein OLED-Display (organische LED) auf der Konsole des Mitteltunnels für Schrifteingabe, Klimatisierung und Infotainment.

Design-Skizze des Innenraums, Beifahrerseite
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Der Ingolstädter Autobauer Audi will künftig seine Rivalen Mercedes und BMW verstärkt in der Oberklasse attackieren. „Das ist das Segment, in dem wir uns breiter aufstellen wollen“, sagte Rupert Stadler, der Chef der Volkswagen-Tochter, dem Handelsblatt. So könnte aus dem Concept Car schon bald ein A9 abgeleitet werden könnte. Die Ingolstädter planen zudem, zwei weitere neue Modelle in der Oberklasse zu platzieren, darunter ein Geländewagen.

Messerscharfe Bügelfalten
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Das Concept Car ist mit 5,11 Meter Länge eine eindrucksvolle Erscheinung. Neu und charakterstark im Audi-Design: Die ausgeprägten Sicken und Kanten im unteren Bereich der Türen und oben am Kotflügel im fließenden Übergang der hinteren Türen ins Heck.

Eine recht hohe Gürtellinie lässt den Prologue massiv wirken
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Der Beifahrer bedient einen weiteren Bildschirm und auch die Fond-Passagiere, die auf zwei Einzelsitzen untergebracht sind, haben Tablets und ein OLED-Display für Bedienung und Unterhaltung. Eine intelligente Software identifiziert Fahrer und Passagiere anhand ihrer Smartphones, stellt Sitze und Klimatisierung nach ihren Vorlieben ein und macht Vorschläge für Musik und Routenplanung.

Im Audi läuft das Licht im Heck als Band über die volle Breite des Autos.
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Deutlich näher an der Serie als die futuristische Bedienung ist der Plug-in-Hybrid-Antrieb, er ist nahezu identisch mit dem im Audi Q7 e-tron quattro, der im Sommer auf den Markt kommt. Die Systemleistung von 3,0-Liter-Diesel und Elektromotor ist mit 335 kW/455 PS etwas höher. Eine Achtstufenautomatik leitet die Kräfte des Motors an den permanenten Allradantrieb.

Auch bei Ausstattungen kann der Kunde auswählen wie nie zuvor. Standen den Käufern 1990 bei einer 3er Limousine von BMW noch 70 verschiedene Ausstattungsmerkmale zur Auswahl, ist diese Zahl 2014 auf mittlerweile 215 angewachsen.

Dabei hat diese Strategie zumindest auf dem deutschen Automarkt nicht nachhaltig gewirkt. Die Zahl der Neuzulassungen ging von 1990 bis 2014 in Deutschland um rund drei Prozent zurück. Dennoch: International kommt die Modellvielfalt an.

BMW etwa wagt sich mit dem Active Tourer sogar in ein Segment vor, dass für die sportlichen Münchner lange undenkbar war und bietet einen Van. In Genf zeigt der Autobauer dieses Modell dann auch noch in einer siebensitzigen Variante.

Zwar soll es bei der Tochter Mini statt sieben nur noch fünf Modelle geben, dagegen traut sich die Konzernmutter im Dickicht der wachsenden Vielfalt weiterhin den Durchblick zu. Doch das gelingt nicht allen.

Denn die Modellplanung ist eine Kunst für sich. Zusätzliche Varianten sollen der Konkurrenz Kunden abjagen - und nicht den Schwestermodellen des eigenen Konzerns. Diese sogenannte Kannibalisierung fraß etwa beim französischen Autobauer Peugeot Citroën am Geschäft.

Peugeot streicht Modelle
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