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Autohersteller Daimler droht Verzug bei Softwareupdates – Verkehrsminister Scheuer setzt Ultimatum

Daimler muss so schnell wie möglich die beanstandeten Diesel von der Straße bekommen. Doch das Unterfangen ist schwieriger als gedacht.
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Daimler muss seine Diesel dringend nachrüsten. Quelle: Bloomberg
Unter schlechtem Stern

Daimler muss seine Diesel dringend nachrüsten.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf/StuttgartAndreas Scheuer hat über die Kooperation mit der Autoindustrie klare Vorstellungen. „Wichtig sind die knallharten Zahlen und die konkrete Umsetzung“, sagte der Bundesverkehrsminister jüngst im Handelsblatt-Interview an die Adresse von Daimler. Der CSU-Politiker macht seit Monaten Druck. Seine Beamten haben in 774.000 Dieselfahrzeugen des Herstellers „unzulässige Abschalteinrichtungen“ ausfindig gemacht.

Scheuer verlangt, dass die Fahrzeuge so schnell wie möglich in die Werkstätten gerufen werden. Das hat der 43-jährige Minister mit Daimler-Chef Dieter Zetsche Anfang Juni vereinbart. Es gehe darum, „dass mit maximalem Abarbeitungstempo und in kooperativer Transparenz mit den Behörden die vom Bund beanstandeten Applikationen in der Motorsteuerung beseitigt werden“.

Seitdem herrscht in Stuttgart hektisches Treiben. „Die Situation ist überhaupt nicht lustig“, beschreibt eine Führungskraft die Lage. Einerseits wurden bis Mai noch Modelle der C-Klasse mit den beanstandeten Motoren gebaut, für die der Konzern rasch einen Verkaufsstopp angeordnet hat. Andererseits fehlt den Mercedes-Ingenieuren derzeit noch eine Software, um die Autos per Rückruf wieder sauber zu bekommen.

Komplexe Updates

Die Folge: Wohl erst Ende des Jahres, so der interne Befund, sei ein solches „Softwareupdate“ entwickelt, heißt es in Konzernkreisen. „Wir versuchen alles, um die Updates möglichst schnell fertig zu bekommen“, sagt ein Konzernsprecher. Doch auch dann ist die Sache noch nicht vom Tisch, denn die neuen Applikationen müssen erst noch von den Behörden abgenommen und zugelassen werden. „Schnell geht auch das nicht“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Die Sache zieht sich, was den Verkehrsminister erneut erbost. Bis Ende 2018 müssten die Updates für die 5,3 Millionen Dieselfahrzeuge aller Hersteller in Deutschland abgeschlossen sein. Dabei bleibe es, macht Scheuer gegenüber dem Handelsblatt klar. „Ich nehme die Hersteller beim Wort.“ Immerhin habe er „die Unternehmen dazu aufgefordert, bis zum 1. September die Softwareentwicklung für die Updates abzuschließen.

Dann kann das Kraftfahrt-Bundesamt alle Updates prüfen und freigeben. Dafür sind die Hersteller verantwortlich. Auch Daimler.“

Doch der Stuttgarter Konzern hat noch andere Baustellen. Ende Juni hatte Daimler seine Händler angewiesen, die Auslieferung von einigen Mercedes-Modellen wegen des angekündigten Rückrufs für Dieselautos mit der Norm 6b zu stoppen. Die Emissionswerte bei diesen Fahrzeugen liegen im realen Fahrbetrieb offenbar so hoch, dass Daimler die Autos erst dann an die Kunden übergeben will, wenn die Software aktualisiert wurde und die Werte sinken.

Intern kalkuliert der Hersteller zwar nur mit etwa 1500 Autos in Deutschland und bis zu 20.000 in ganz Europa. Fakt ist aber: Daimler entstehen durch den Auslieferungsstopp Mehrkosten. Die Händler müssen ihren Kunden übergangsweise andere Autos zur Verfügung stellen.

Für Investoren sind die weiteren Belastungen keine guten Nachrichten. Bereits Ende Juni musste Daimler seine Ergebnisprognosen für das laufende Jahr nach unten anpassen. Begründung unter anderem: die Dieselrückrufe von mehreren Tausend Vito-Transportern sowie Probleme mit den Zulassungen für die neuen Abgas- und Verbrauchstests WLTP.

Während sich die Mercedes-Techniker bemühen, möglichst schnell eine Lösung für die Probleme zu finden, will der Konzern gleichzeitig Widerruf gegen den angekündigten Rückruf der Autos einlegen. Denn nach wie vor gilt die Maxime von Vorstandschef Zetsche, dass man weder manipuliert noch betrogen habe. Daimler will unter allen Umständen verhindern, ein zweiter Fall Volkswagen zu werden.

Doch Investoren geht nicht nur die Aufklärung zu langsam. Auch bei der Elektromobilität sehen sie Nachholbedarf. „Es gibt bisher kein einziges Mercedes-Modell mit Elektroantrieb im Angebot. Hier muss Daimler endlich liefern“, sagte Winfried Mathes dem Handelsblatt. Der Sprecher der Fondsgesellschaft Deka Investment, die mehr als zehn Millionen Daimler-Aktien hält, fürchtet, dass der Stuttgarter Konzern bei all dem Fokus auf die Technik des vergangenen Jahrhunderts jene der Zukunft verschläft.

„Die Umstellung auf Elektromotoren kostet zwar viel Geld, aber je länger Daimler wartet, umso teurer wird es“, mahnt Mathes: „Der Konzern kann aus unserer Sicht die von der EU geforderten CO2-Ziele nur dann erreichen, wenn der Anteil der Elektroautos in der Flotte deutlich ansteigt.“

Die EU schreibt den Autoherstellen bei neu zugelassenen Pkws einen Grenzwert von maximal 130 Gramm ausgestoßenem Kohlenstoffdioxid pro gefahrenem Kilometer vor. Bis 2021 sinkt dieses Flottenziel aber auf nur noch 95 Gramm pro Kilometer. Überschreiten die Hersteller den Wert, drohen hohe Strafzahlungen.

Es hakt bei E-Autos

Genau das bereitet Mathes große Sorge. Denn Daimler liegt derzeit gut 20 Prozent über den geforderten Grenzwerten von 2021. Im vergangenen Jahr stiegen die Emissionen sogar leicht an. Der Vertrauensverlust in die Dieseltechnik verschlimmert die Ausgangslage noch. Die Selbstzünder stoßen um bis 15 Prozent weniger klimaschädliches CO2 aus als Benziner, sind aber unter Beschuss. Eine Lösung wären möglichst abgasfreie Autos, sprich Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Doch auch hier hakt es in die Stuttgart.

Bei der neu geschaffenen Elektromarke EQ lassen sich die internen Zeitpläne kaum mehr halten. Das erste Modell, der Geländewagen „EQC“, wird zwar im September in Stockholm vorgestellt. In den Verkauf kommt der Stromer aber erst schrittweise ab Sommer 2019. Die Stimmung im Konzern ist dürftig. „Es sind viel zu viele Baustellen auf einmal“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Tatsächlich kämpft Zetsche in seinem letzten Amtsjahr an mehr Fronten, als ihm lieb sein kann. Das Saubermann-Image der Marke mit dem Stern ist angekratzt, die Zahlen liegen unter Plan, die Softwareupdates hängen in der Warteschleife, und die Aussichten trüben sich ein.

Eskaliert auch noch der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt, wäre Daimler einer der größten Leidtragenden. Das Geschäftsmodell der Stuttgarter basiert auf freiem Handel und der glänzenden Reputation als Autobauer. Beides wackelt.

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