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Autohersteller „Gewinnermarke“ – Wie der einstige Controller Lohscheller Opel saniert hat

Michael Lohscheller hat Opel im Eiltempo auf Vordermann gebracht. Der Autobauer glänzt mit einem Rekordergebnis – strategische Defizite bleiben jedoch.
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Der Opel-Chef hat die Marke mit dem Blitz mit spitzem Bleistift saniert – allerdings hinkt das Unternehmen beim autonomen Fahren oder Mobilitätsdiensten hinterher. Quelle: Reuters
Michael Lohscheller

Der Opel-Chef hat die Marke mit dem Blitz mit spitzem Bleistift saniert – allerdings hinkt das Unternehmen beim autonomen Fahren oder Mobilitätsdiensten hinterher.

(Foto: Reuters)

Rüsselsheim Einmal im Monat dreht Opel-Chef Michael Lohscheller mit einem Dutzend seiner Mitarbeiter eine etwa zwölf Kilometer lange Trainingsrunde. Der begeisterte Marathonläufer will beim Joggen mit der Basis ins Gespräch kommen.

„Run with the boss“, heißt die Initiative. Jeder der fit genug ist, erlebt Lohscheller dabei als netten, umgänglichen Geschäftsführer eines der traditionsreichsten Autohersteller der Welt, der sich interessiert die Sorgen und Nöte seiner Truppe anhört.

Lohscheller ist freundlich, nahbar und wirkt trotz seiner baumlangen Statur alles andere als furchteinflößend. „Der Turnlehrer“, nennen ihn einige im Führungskader. Sie achten Lohscheller zwar, halten ihn aber zugleich nur für mäßig einflussreich.

Der starke Mann im Unternehmen sei ein anderer: PSA-Chef Carlos Tavares, der Opel vor fast zwei Jahren von General Motors (GM) kaufte und in den französischen Autokonzern (Peugeot, Citroën, DS) integrierte.

Diese Analyse ist nicht falsch, aber doch unvollständig. Denn Opel wurde nicht in Paris saniert, sondern in Rüsselsheim. Tavares gibt lediglich die Stoßrichtung vor, es ist Lohscheller, der die Details ausarbeitet und exekutiert, heißt es in Konzernkreisen.

Seine Leistung werde gerne unterschätzt. Dabei ist der 50-Jährige der radikalste Manager, der in den vergangenen Dekaden an der Spitze der Marke mit dem Blitz stand.

Der gelernte Controller hat Dutzende Führungskräfte geschasst, Tausende Mitarbeiter hinauskomplimentiert, die Fahrzeugpalette zusammengestrichen und Opel nach 20 Jahren unentwegter Verluste im Eiltempo auf Gewinne getrimmt. Jetzt will der Pacemaker zeigen, dass er mehr kann als Kosten killen. In Rüsselsheim soll nach zwei Jahren unter dem PSA-Dach eine Siegermentalität einkehren.

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„Ich will die Moral des Teams stärken, denn Opel ist jetzt wieder eine Gewinnermarke“, sagte Lohscheller dem Handelsblatt. Die jüngsten Geschäftszahlen dienen ihm bei diesem Vorhaben als Arbeitsgrundlage. Im ersten Halbjahr erzielte Opel ein bereinigtes Betriebsergebnis von rund 700 Millionen Euro. Das ist ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Lohscheller zeigt sich hochzufrieden darüber, wie schnell der Turnaround in Rüsselsheim glückte. Dennoch ist der Stolz vieler Opelaner nach wie vor angeknackst. Unzählige Sparrunden wirken nach.

„Wenn man fast 20 Jahre Verluste macht und immer nur hört, alles ist schlecht, leidet das Selbstwertgefühl natürlich“, räumt Lohscheller ein. Er findet aber, der Zeitpunkt ist gekommen, um Zuversicht zu verbreiten. Die guten Kennzahlen verschaffen Opel wieder Respekt in der Branche und mehr Einfluss bei PSA.

Anfang September rückt Lohscheller in den vierköpfigen Vorstand des Konzerns in Rueil-Malmaison auf. Er ist damit nicht nur der erste Deutsche im engsten Führungskreis von PSA, sondern übernimmt nach Handelsblatt-Informationen auch in einem weiteren Gremium mehr Verantwortung. Im 18-köpfigen Executive Committee ist Lohscheller künftig für die Region Eurasien zuständig und damit für Märkte wie Russland oder der Ukraine.

In Deutschland ist fast jede dritte Stelle weg

„Jeder sieht: Opel hat nun noch mehr Gewicht im gesamten PSA-Konzern“, sagt der Beförderte. Sofern die Kennzahlen auch künftig stimmen, werde das Selbstvertrauen im Adam-Opel-Haus automatisch steigen. Auf großspurige Werbekampagnen wie unter seinem Vorgänger Karl-Thomas Neumann will Lohscheller bei der Mission, Opel in eine Gewinnermarke zu verwandeln, aber verzichten. „Umparken im Kopf war als Kampagne gut kreiert, aber man muss erst das Fundament legen, sonst ist es nicht glaubwürdig“, sagt der Manager. Es gilt, bodenständig zu bleiben.

Lohscheller pflegt das Understatement auch privat. Als er vor zwei Jahren vom Finanz- zum Vorstandschef aufstieg, ist der Vater von zwei Kindern in ein deutlich kleineres Reihenhaus im Taunus umgezogen: „Wir wollten als Familie damit ein Signal setzen: Wir bleiben normale Menschen.“ Der Zweimetermann kommt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater hat im Bergbau gearbeitet und über den zweiten Bildungsweg Lehramt studiert.

„Ich würde mich als bescheidenen Menschen beschreiben“, sagt Lohscheller über sich selbst. Der gebürtige Münsterländer verbringt seine Sonntage nicht auf Segeljachten, sondern in der Kirche. Seit vielen Jahren ist er im Pfarrgemeinderat tätig, kümmert sich um die Kasse. Viele andere hätten das Amt bereits auf viel niedrigeren Karrierestufen abgegeben, aber der Opel-Manager hielt daran fest.

Lohscheller ist als Manager umstritten
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