Autohersteller im PS-Rausch Immer stärker, immer schneller

Alle reden über Umweltschutz. Doch in der Realität ist die Autobranche seit Jahren im PS-Rausch und steuert auf einen neuen Rekord zu. Die Elektrifizierung der Antriebe könnte den Trend sogar noch verschärfen.
Jüngste Messungen ergeben: Der reale Ausstoß von CO2-Werten weicht von den Angaben der Autohersteller ab. Quelle: dpa
Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Jüngste Messungen ergeben: Der reale Ausstoß von CO2-Werten weicht von den Angaben der Autohersteller ab.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs gab eine Zeit, da waren Geländewagen noch was für Förster. Die beliebteste Fahrzeugklasse der Deutschen war die Kompaktklasse, besonders der Golf. Im Schnitt kam ein Neuwagen in Deutschland auf 98 PS.

Seitdem sind 20 Jahre und ganze 21 UN-Klimakonferenzen vergangenen. Die Autowelt in Deutschland ist heute eine andere. Vor allem der Anteil stadttauglicher Geländewagen, so genannter SUV, hat massiv zugelegt. „Trotz Dieselgate, Klimaprotokollen und Diskussionen um blaue Plaketten legt die durchschnittliche PS-Zahl eines Neuwagens weiter zu”, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen.

Auf diese SUV gibt es die höchsten Rabatte
Dacia Duster
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Der Konkurrenzkampf im SUV-Segment sorgt für günstige Preise und hohe Nachlässe. Auch vor den beliebtesten Crossover-Modellen macht diese Entwicklung nicht Halt, bis zu 30 Prozent Nachlass sind im Internet laut einer Auswertung des Neuwagenvermittlers meinauto.de möglich.

Mit einer großen Ausnahme: Dacia kalkuliert seine Preise von Anfang an sehr knapp und gewährt daher kaum Preisnachlässe. Im Falle des Duster sind das gerade einmal 187 Euro oder 1,75 Prozent – 10.503 statt 10.690 Euro für den Duster 1.6 SCe 4x2 Essentiel mit 114 PS.

Skoda Yeti
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Höhere Rabatte sind bei Skoda drin – über ein Viertel des Listenpreises ist als Nachlass möglich. Mag auch daran liegen, dass der Yeti bereits in die Jahre gekommen ist und bald die Premiere des größeren Skoda-SUV Kodiaq ansteht.

Im Internet wird der Yeti als 1.2 TSI Green Tec Active mit 110 PS 5.126 Euro (25,64 Prozent) unter dem Listenpreis von 19.990 Euro gehandelt. Sprich: Der Yeti kostet dann noch 14.864 Euro.

Nissan Qashqai
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Selber Grundpreis, etwas geringerer Rabatt: Auch der Nissan Qashqai steht mit 19.990 Euro in der Liste – zumindest wenn es sich um den 1.2 DIG-T mit 116 PS in der "Visia"-Ausstattung handelt. Meinauto.de führt das beliebte Nissan-SUV noch mit 15.112 Euro. Mit 24,4 Prozent fällt der Preisnachlass damit geringer aus als beim Yeti. Dafür gibt es aber auch das deutlich modernere Auto.

Opel Mokka
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Eine Nummer kleiner als Yeti und Qashqai ist der Opel Mokka. In der Preisliste ist er auch exakt 1.000 Euro günstiger zu haben, nicht aber im Internet. Dort wird für einen Mokka 1.6 ecoFlex mit 116 PS noch 15.289 Euro verlangt. Mit dem niedrigeren Grund- und höheren Endpreis kommt der Opel so auf einen Nachlass von 19,49 Prozent oder 3.701 Euro.

Renault Kadjar
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Die Platzierung des Renault Kadjar in dieser Liste ist interessant: Er kostet in der offiziellen Preisliste genauso viel wie der Nissan Qashqai (19.990 Euro), leistet mit dem "TCe 130"-Motor aber 15 PS mehr als das japanische SUV (131 statt 116 PS), mit dem er sich einen Großteil der Technik teilt.

Die Mehrleistung und die Tatsache, dass er das modernere der beiden Autos ist, dürften der Grund sein, warum der Kadjar im Internet zu einem höheren Preis gehandelt wird: Bei ihm sind 23,5 Prozent oder 4.698 Euro Nachlass drin.

Damit kostet der Renault gerade einmal drei Euro mehr als der Opel Mokka, obwohl er eine Klasse größer ist. Zum Technik-Bruder Qashqai sind es immerhin 180 Euro Unterschied.

Seat Ateca
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Mit reichlich Verspätung zu dem SUV-Boom bietet Seat mit dem Ateca jetzt auch seinen ersten Offroader an. Die ersten Kritiken sind gut, Seat zeigt sich mit den Bestellungen zufrieden.

Dennoch wird der Ateca gleich mit ordentlichem Abschlag verkauft. Statt der 19.990 Euro in der Liste wird die Variante 1.0 TSI Ecomotive Reference (116 PS) im Internet für 16.802 Euro verkauft. Mit 15.95 Prozent (3.188 Euro) fällt der Nachlass zwar geringer aus als bei älteren Modellen, ist aber dennoch bemerkenswert hoch.

Ford Kuga
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Das Gegenteil zum Ateca ist der Ford Kuga: Er befindet sich am Ende seiner Laufzeit, zudem kommt hausinterne SUV-Konkurrenz durch den Ford Edge hinzu. Das alternde Modell mit 1,5-Liter-EcoBoost-Motor und 120 PS in der "Trend"-Ausstattung gibt es im Internet für 17.361 Euro.

Ford hat ursprünglich 23.300 Euro für dieses Modell ausgerufen – der mögliche Rabatt beträgt also 25,49 Prozent oder stolze 5.939 Euro.

In einer Studie hat der Wissenschaftler in den vergangenen Jahren immer wieder die durchschnittliche Motorenleistung der verkauften Neuwagen in Deutschland gemessen. Dieses Jahr steuert die Branche auf einen neuen Rekord zu. „Bereits heute ist so gut wie sicher, dass im Jahr 2017 die psychologische Grenze von 150 PS pro Neuwagen übersprungen wird”. Denn schon in den ersten neun Monaten 2016 kam ein Neuwagen im Schnitt auf 148 PS.

Und gerade die ohnehin schon umstrittenen Dieselantriebe treiben den Schnitt mächtig nach oben. Mit 163 PS ist ein durchschnittlicher Diesel heute um 33 PS leistungsfähiger als ein Porsche 911 aus dem Jahr 1974. Auch beim Benziner hat die durchschnittliche Leistung mit 135 PS erneut deutlich zugelegt.

Wie sich die Autoriesen elektrisieren
Unter Strom
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Die Zukunft fährt elektrisch. In einer Studie hat das Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach die elektrischen Strategien untersucht. Insbesondere die deutschen Hersteller müssen nun die Aufholjagd starten, sagen die Wissenschaftler. Was die Konzerne planen – und wie viel elektrische Autos sie in Deutschland verkaufen.

GM (Opel) – Die Rückkehr des Ampera
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Noch im Jahr 2012 wurde der Ampera zu Europas Auto des Jahres gekürt. Wirklich erfolgreich wurde der Plug-in-Hybrid aber nie. Im ersten Halbjahr 2016 verkaufte Opel kein einziges elektrisches oder halbelektrisches Auto. Das soll sich bald ändern. In Paris zeigen die Rüsselsheimer den Ampera-E: ein reines Elektroauto mit 400 Kilometern Reichweite, das mit dem Vorgänger nur den Namen gemein hat.

Ford – Noch einmal mit Gefühl
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Nur zwei Mal wurde der Ford Focus Electric im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. Ford hat bei der Elektromobilität bislang wenig zu bieten. Darum sollen nun 4,5 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Elektromobilität investiert werden. Bis 2020 sollen 40 Prozent aller Ford-Modelle elektrifiziert werden.

Toyota – der skeptische Weltmarktriese
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Obwohl die Japaner massiv auf den Hybrid setzen, geht die Elektrifizierung bei Toyota noch nicht sonderlich weit. Gerade einmal 22 Exemplare des Prius Plug-in-Hybrid wurden im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. Und ein reines Elektroauto hat Toyota derzeit nicht mal im Angebot.

PSA (Peugeot und Citroen) – Franzosen mit Nachholbedarf
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Die Schwestermodelle Peugeot iOn und Citroen C-Zero kommen langsam in die Jahre. Mickrige 79 Exemplare wurden im ersten Halbjahr in Deutschland zugelassen. Gemeinsam mit Dongfeng haben die Franzosen darum eine Elektro-Plattform entwickelt, auf der bis 2021 sieben reine Elektroautos entstehen sollen. Insgesamt will PSA bis dahin elf elektrische Modelle anbieten.

Hyundai-Kia – Elektrooffensive aus Korea
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Die koreanischen Schwesterkonzerne wollen bei der elektrischen Mobilität vornewegfahren. Die 302 verkauften Elektroautos im ersten Halbjahr gehen vor allem auf das Konto des Kia Soul EV. Mit dem neuen Ioniq will Hyundai als erster Hersteller ein Modell anbieten, das als Hybrid, Plug-in-Hybrid und als reines Elektroauto erhältlich sein soll.

Geely (Volvo) – Schwedischer Herzschlag
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Wer große SUV wie den Volvo XC90 baut, der braucht elektrische Hilfe – schon alleine um die strengen Abgaswerte einzuhalten. Rund 468 Plug-in-Hybride haben die Schweden mit der chinesischen Mutter im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. 2019 soll das erste Elektroauto mit einer Reichweite von 500 Kilometern vorgestellt werden.

Der Trend zu mehr Leistung wird von den Herstellern gerne mit der Sicherheit begründet. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Sicherheitssysteme und Elektronik haben das Gewicht der Fahrzeuge erhöht. Doch das alleine reicht als Begründung für die PS-Protzerei nicht. Denn mit neuen Werkstoffen ist es den Herstellern im gleichen Zeitraum auch gelungen, das Fahrzeuggewicht zu senken. Ein Golf IV aus dem Jahr 1997 kam beispielsweise auf ein Gewicht zwischen 1050 und 1477 Kilogramm. Ein heutiger Golf VII wiegt zwischen 1205 und 1472 Kilogramm. Der Unterschied ist nicht besonders hoch.

Der Gewichtssprung bei den Neuwagen rührt vor allem daher, dass immer schwerere Fahrzeugreihen verkauft werden. Der Trend zum Geländewagen macht immer leistungsfähigere Motoren notwendig. Damit die Hersteller trotzdem noch die strengen Abgasvorschriften einhalten können, bleibt ihnen kaum eine Alternative, als zu tricksen – beispielsweise durch halbelektrische Antriebe wie den Plug-in-Hybrid.

Warum Elektroautos den Trend beschleunigen
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