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Autohersteller Massige Autos für mehr Umsatz: BMW setzt auf die Luxusklasse

BMW hat es sich zum Ziel gesetzt, mindestens acht Prozent Rendite im Autogeschäft zu erwirtschaften. Das soll mit einem verstärkten Fokus auf das Luxussegment gelingen.
Update: 10.10.2019 - 17:18 Uhr Kommentieren
Auch beim Personal plant der Autobauer empfindliche Einschnitte. Quelle: Bloomberg
BMW-Finanzvorstand Peter

Auch beim Personal plant der Autobauer empfindliche Einschnitte.

(Foto: Bloomberg)

München Größer, schwerer und profitabler: Der BMW-Konzern setzt sich ehrgeizige Ziele im Topsegment. „Im Vergleich zu 2018 wollen wir im kommenden Jahr unseren Absatz in der Luxusklasse verdoppeln“, sagte Finanzvorstand Nicolas Peter am Donnerstag in München.

Verkauften die Münchener im vergangenen Jahr noch rund 66.000 Autos in diesem Bereich, so sollen es 2020 bereits 135.000 bis 140.000 sein. Ziel sei es, in diesem Segment der großen Limousinen, Sportcoupés und SUVs überproportional zu wachsen.

Bis vor Kurzem hatte BMW im Topsegment nur die 7er-Limousine. Vor drei Jahren entschied der BMW-Vorstand, das Angebot kräftig auszubauen, denn in der Luxusklasse wird deutlich mehr Geld verdient als mit kleineren Autos. Seit 2018 ist die 8er-Reihe auf dem Markt sowie das schwere SUV X7. Die beiden neuen Modellreihen verkaufen sich trotz der weltweit schleppenden Autokonjunktur gut.

Vor allem der bullige, über fünf Meter lange Geländewagen treibt den Absatz im Luxussegment. Ursprünglich nur für den US-Markt vorgesehen, verkauft sich das fast 2,5 Tonnen schwere Auto trotz der Kritik an großen SUVs auch hierzulande ordentlich. Konzernkreisen zufolge hat der X7 in Deutschland eine Lieferzeit von sechs Monaten.

Die Kunden wollen offenbar auch größere Motoren, als der Vertrieb zunächst angenommen hat. „Wir bauen die Fahrzeuge, die von den Kunden gefragt werden“, verteidigt Finanzvorstand Peter am Donnerstag die Modellpolitik. Die von der EU gesetzten Klimaziele für 2021 will der Konzern trotz der großen Fahrzeuge erreichen.

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„Die meisten dieser Modelle werden wir mit Hybridmotoren anbieten“, sagt Peter. Zudem werde ab 2021 mindestens ein reines Elektroauto auf den Markt kommen. Mit Hybrid und Elektroautos lässt sich der CO2-Flottenausstoß in der EU drücken.

Seit Jahren schauen die Münchener mit Neid auf die Erfolge von Mercedes im Luxusgeschäft. Nie hat es BMW geschafft, mit der 7er-Reihe auch nur annähernd die Verkaufserfolge der Mercedes-S-Klasse zu erreichen.

Neben den neuen Modellen hat man sich Hilfe aus Stuttgart geholt. Zu Beginn des Jahres wechselte Mercedes-Marketingchef Jens Thiemer zu BMW, der jetzt gemeinsam mit Vertriebsvorstand Pieter Nota seinen alten Arbeitgeber in dessen Königsklasse angreift.

Elektroautos bringen weniger Rendite

Der neue Hang zu Größe und Luxus ist wirtschaftlichen Zwängen geschuldet. Seit Monaten läuft BMW seinen selbst gesetzten Zielen hinterher. Den Anspruch, mindestens acht Prozent Rendite im Autogeschäft zu erwirtschaften, hat BMW bereits 2018 verfehlt und wird das Ziel auch in diesem Jahr nicht erreichen.

Zu Beginn des Jahres drückte eine Kartellstrafe das Ergebnis sogar in die roten Zahlen, im zweiten Quartal lag der Wert wieder bei 6,5 Prozent. Immerhin legt BMW anders als der Rest der Branche seit Beginn des Jahres bei den Verkäufen zu. Allerdings muss der Konzern – wie seine Konkurrenten – viel Geld in die Entwicklung von Elektroautos investieren, um die künftigen Verbrauchs- und Klimaanforderungen erfüllen zu können.

Mit dem Verkauf von Hybrid- und Elektroautos macht BMW rein finanziell betrachtet ein schlechtes Geschäft. So kostet ein Hybrid in der Herstellung 3000 bis 5000 Euro mehr als ein Verbrenner, doch BMW kann die höheren Kosten nicht auf die Kunden abwälzen. Ein Problem, das in den kommenden Jahren zunehmen wird. „Die Elektrifizierung gibt es nicht umsonst“, sagt Peter.

Von der „Zielrendite“ von acht Prozent will BMW dennoch nicht abrücken. „Acht bis zehn Prozent ist die Rendite, die wir anstreben, und die ist auch machbar“, stellt Peter fest. Bereits im März hat der Konzern ein Effizienzprogramm von zwölf Milliarden Euro bis 2022 angekündigt, das zum Teil über höhere Verkäufe in der Luxusklasse erreicht werden soll. Zudem wird beim Materialeinkauf gekürzt, wenig profitable Modelle und Motorenvarianten werden gestrichen.

Die Bonuszahlungen sollen gekürzt werden

Auch beim Personal plant BMW empfindliche Einschnitte. Insbesondere die relativ hohen Erfolgsbeteiligungen sind auf dem Prüfstand. So zahlte BMW für 2018 einem angestellten Facharbeiter 9175 Euro auf das Jahresgehalt, das ist fast doppelt so viel, wie die Kollegen bei Mercedes und Audi erhielten. „Wir müssen das rekalibrieren“, sagt Finanzvorstand Peter.

Der Betriebsrat hält dagegen. „Wir sind in laufenden Verhandlungen“, sagte eine Sprecherin des Betriebsrats am Donnerstag auf Anfrage. Das gelte auch für das Vorhaben des Vorstands, qualifizierten Mitarbeitern künftig nicht mehr so hohe Zuschläge zu zahlen, wenn sie statt 35 Stunden 40 Stunden arbeiten, um beispielsweise in der Entwicklung wichtige Projekte voranzutreiben. Zudem wird über das Schicksal von mehreren Tausend Leiharbeitern verhandelt, die möglicherweise nicht mehr weiterbeschäftigt werden. Die Gespräche sollen bis Dezember abgeschlossen werden.

Die Arbeitnehmer haben gute Argumente, im Branchenvergleich sind die Münchener die Messlatte in Sachen Wertschöpfung. Einer Untersuchung des britischen Marktforschers IHS zufolge baut ein BMW-Beschäftigter im Schnitt 21 Autos pro Jahr, ein Mercedes-Angestellter kommt nur auf 16.

Auch das operative Ergebnis pro Mitarbeiter ist in München deutlich höher: Rund 56.000 Euro schafft ein BMW-Mitarbeiter, das sind rund 16 000 Euro mehr, als ein Mercedes-Kollege beiträgt. Der Branchenschreck Tesla schreibt weiter Verluste.

Mehr: 5000 Beschäftigte müssen Berichten zufolge mit Einbußen bis zu 14.000 Euro im Jahr rechnen. Der Betriebsrat kritisiert das Vorhaben des Autobauers.

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