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Autohersteller Renault und Nissan legen Streit bei: Renault darf mehr mitreden

Der französische Autohersteller und sein japanischer Partner haben einen wichtigen Konflikt gelöst. Großaktionär Renault bekommt mehr Mitspracherecht bei Nissan.
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Der Verwaltungsratschef von Renault bekommt einen Sitz im Nominierungsausschuss. Quelle: Reuters
Jean-Dominique Senard

Der Verwaltungsratschef von Renault bekommt einen Sitz im Nominierungsausschuss.

(Foto: Reuters)

TokioDer französische Autohersteller Renault und sein japanischer Partner Nissan haben einen Streitpunkt ihrer kriselnden Allianz beigelegt. Kurz vor der Nissan-Jahreshauptversammlung am kommenden Dienstag nahmen die Franzosen Vorschläge für eine Reform der Unternehmungsführung der Japaner an. Zuvor hatte Nissan die Forderungen seines größten Aktionärs erfüllt, in Schlüsselgremien vertreten zu sein.

Wie Nissan mitteilte, wird Renaults Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard im Nominierungsausschuss über die Ernennung von Toppositionen mitentscheiden können. Konzernchef Thierry Bolloré wird zudem im Auditkomitee über Nissans Bücher wachen, eine Zustimmung der Aktionäre vorausgesetzt.

Damit geht Renault siegreich aus dem Machtkampf hervor, der die angespannten Beziehungen der Autokonzerne stark belastet hatte. Anfang Juni drohten die Franzosen überraschend an, auf der Aktionärsversammlung nicht für Nissans Unternehmensreform stimmen zu wollen, mit der Nissan sich nach dem Skandal um seinen früheren Chef Carlos Ghosn eine transparentere Struktur geben wollte. Stattdessen wollte sich Renault enthalten.

Damit wäre Nissans wichtigstes Reformprojekt gescheitert. Renault besitzt 43 Prozent der Nissan-Aktien und bei einer Enthaltung hätte der Vorschlag die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlt. Die Attacke hatte Nissan derart getroffen, dass der Konzern den Streit umgehend in die Öffentlichkeit trug.

Erst nannte der Konzern Renaults verhalten in einer Presseerklärung „äußerst bedauerlich“. Dann gab Nissan-Chef Hiroto Saikawa der britischen Zeitung „Financial Times“ ein Interview, in dem er sich für einen Dialog einsetzte.

Seit Jahren wehrt sich Nissan gegen Vorstöße Renaults

Tatsächlich haben sich nun beide Seiten noch einmal zusammengerauft. Bei Nissan wirkt allerdings noch ein wenig Ärger nach. Die Governance-Struktur unterscheide sich nun von der Renaults, wird moniert. Bei den Franzosen säßen keine Vorstände mit Managementaufgaben in den Kontrollkomitees. Doch bei Nissan sei das mit den beiden Top-Managern aus Paris nun der Fall.

Renault gibt sich offiziell zufrieden. Der Konzern heißt Nissans Entscheidung in einer Presseerklärung willkommen. Die Berufung der Renault-Manager in Nissans neue Führungsstruktur „bestätigt den Geist des Dialogs und gegenseitigen Respekts, der in der Allianz besteht“.

Doch offen bleibt dabei, wie gut es um Gesprächsbereitschaft und Respekt tatsächlich bestellt ist. Seit Jahren wehrt sich Nissan gegen Renaults Vorstöße, die Allianz durch eine Fusion unumkehrbar zu machen. Denn die Japaner argwöhnen, dass der Verbündete damit nur seine Macht festschreiben wolle, obwohl Nissan doppelt so groß wie Renault ist und als der technische Treiber gilt.

Die überraschende Verhaftung des ehemaligen Nissan-Chefs Ghosn in Japan und seine harten Haftbedingungen haben dann in Paris für noch mehr Verstörung gesorgt. Japans Staatsanwaltschaft wirft Ghosn Verstöße gegen Finanzmarktgesetze und Veruntreuung vor.

Kurz darauf schürte Renault durch seinen kurzen, aber heftigen Fusionsflirt mit Fiat Chrysler in Japan den Verdacht, dass die Franzosen auf diesem Wege entweder einen Weg aus der Allianz suchen oder ihr Gewicht im Machtkampf erhöhen wollten.

Der Streit beschäftigt inzwischen auch die Regierungen beider Länder. Frankreich ist mit 15 Prozent einer der Ankeraktionäre Renaults. Und Finanzminister Bruno Le Maire stellte öffentlich klar, was für seine Regierung Priorität hat: die Reparatur der Allianz.

Er wolle, dass Renault der Unternehmensreform seines Partners zustimme und so ein positives Signal für eine Stärkung der Allianz senden würde, sagte er in einem Interview mit der französischen Radionanstalt „Europe 1“. „Es ist ganz und gar nicht in unserem Interesse, die Allianz zu schwächen.“

Die nächste Botschaft können die beiden Partner am Dienstag auf Nissans Jahreshauptversammlung selbst senden. Dabei stehen sie unter amtlicher Aufsicht. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird vor dem G20-Gipfel zum Staatsbesuch in Japan empfangen. Die Auto-Allianz wird dem Vernehmen nach Teil seiner Gespräche mit Japans Regierungschef Shinzo Abe sein.

Mehr: Warum Renault enttäuscht über die geplatzte Fusion mit Fiat Chrysler ist.

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