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Autohersteller Skoda steigt in das Elektrozeitalter ein

Die tschechische VW-Tochter Skoda beginnt die Massenfertigung von E-Autos. Der neue Vorstandschef muss zugleich die Unabhängigkeit der Marke wahren.
02.09.2020 - 07:54 Uhr 2 Kommentare
Skoda-Chef Thomas Schäfer neben dem Elektro-SUV Enyaq iV Quelle: AP
Skoda-Chef Thomas Schäfer neben dem Elektro-SUV Enyaq iV

Durch den Ausbau der SUV-Linie konnte Skoda zuletzt seinen Absatz deutlich steigern.

(Foto: AP)

Prag Gerade einen Monat ist er im Amt, schon hat Thomas Schäfer seinen ersten größeren Auftritt vor sich. Prominenz hat sich im O2 Universum am Prager Stadtrand angesagt. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis ist gekommen und hat zugleich einen Teil seiner Regierung mitgebracht. Wenn das wichtigste Industrieunternehmen des Landes ein neues Auto präsentiert, dann nimmt sich der Regierungschef die Zeit für einen Besuch.

Auch für die tschechische VW-Konzerntochter Skoda hat das Elektrozeitalter begonnen. In Prag präsentierte das Unternehmen am Dienstagabend sein erstes eigenes reines Elektroauto, den Enyaq iV. Mit dem neuen Auto will Skoda den Durchbruch bei E-Autos erreichen – ähnlich versucht es die Wolfsburger Konzernmutter mit ihren neuen elektrischen Modellen ID.3 und ID.4.

Thomas Schäfer, der noch vor einem guten Monat an der Spitze von Volkswagen Südafrika stand, soll jetzt die recht erfolgreiche tschechische Konzerntochter in die elektrischen Zeiten führen. „Das ist der Beginn einer neuen Ära“, sagte der 50-Jährige bei der Enyaq-Präsentation.

Das erste reine Elektroauto aus tschechischer Produktion sei der Beweis dafür, dass Skoda auch E-Modelle in gewohnter Qualität und mit hoher Alltagstauglichkeit anbieten könne.

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    Für den neuen Skoda-Chef und sein Unternehmen ist das entscheidend. Es geht schließlich dabei um mehr als um die reine Premiere: Schäfer muss die Unabhängigkeit der Marke im VW-Konzern auch im Elektrozeitalter wahren.

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    Skoda Enyaq iV: Preise starten ab 33.800 Euro

    Der neue Enyaq, der auf demselben Elektrobaukasten wie ID.3 und ID.4 von Volkswagen basiert, soll schon in wenigen Tagen in wichtigen Skoda-Märkten wie Deutschland und Tschechien bestellbar sein. Das Auto wird am tschechischen Hauptstandort von Skoda in Mlada Boleslav unweit von Prag gemeinsam mit konventionell betriebenen Modellen produziert.

    Die ersten Auslieferungen an Kunden sind für den Frühling nächsten Jahres terminiert. In der Basisversion soll der Enyaq 33.800 Euro kosten.

    Der neue Skoda-Chef kalkuliert beim Enyaq mit jährlichen Stückzahlen von 70.000 bis 80.000 Autos. Vorausgesetzt, die tschechische VW-Tochter wird ausreichend mit Batterien beliefert. „Die Batteriekapazität ist überall in Europa knapp“, sagte Schäfer.

    Im weiteren Verlauf des nächsten Jahres soll dann eine Coupé-Variante des jetzt in Prag präsentierten SUV dazukommen. Dieses geplante Auto ist ebenfalls schon weitgehend fertig und zu Ende entwickelt.

    Auf Thomas Schäfer kommt die Aufgabe zu, mit Skoda dann noch weitere E-Modelle vorzubereiten und auf den Markt zu bringen. Dazu dürften vor allem kleinere rein batteriebetriebene Fahrzeuge unterhalb des neuen E-SUV Enyaq gehören – ein traditionell starkes Verkaufssegment für die tschechische Automarke. Das kann allerdings nur in enger Abstimmung mit dem Konzern in Wolfsburg passieren, denn auch VW will in den kommenden Jahren neue Kleinwagen mit E-Antrieb in sein Produktportfolio aufnehmen.

    Der neue Enyaq von Skoda Quelle: obs
    Der neue Enyaq

    Skoda geht den nächsten konsequenten Schritt bei der Umsetzung seiner E-Mobilitäts-Strategie.

    (Foto: obs)

    Die Abstimmung mit Volkswagen etwa über die Abgrenzung verschiedener Modelle dürfte nicht einfach werden. Schäfer selbst sieht aber kein konzerninternes Konfliktpotenzial. Skoda werde weiterhin preislich attraktive Autos mit hohen Qualitätsstandards anbieten. Zusätzlich könnte es bei der tschechischen VW-Tochter neue Anstrengungen auf Auslandsmärkten wie etwa in Asien geben. Schäfer nannte keine Details und bat um Geduld. „Nach den ersten 100 Tagen im Amt kann ich mehr sagen“, betonte er. Er sei sehr zuversichtlich, was die Zukunft von Skoda betreffe: „Die besten Jahre liegen noch vor uns.“

    In Finanz- und Börsenkreisen werden große Erwartungen in den neuen Skoda-Chef gesetzt. „Ich hoffe, dass Thomas Schäfer an der strategischen Ausrichtung nicht allzu viel verändern wird“, sagte Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover. Dass mit Winfried Vahland und Bernhard Maier in den vergangenen fünf Jahren gleich zweimal erfolgreiche Skoda-Vorstandschefs gehen mussten, sei ein „ärgerlicher Verlust“ gewesen. Vahland und Maier hätten die tschechische Volkswagen-Tochter „stark vorangebracht“.

    Als neuer Skoda-CEO müsse Schäfer vor allem darauf achten, dass sich das Unternehmen nicht zu einer Billigmarke entwickle. Denn dann sei die vergleichsweise hohe Rendite, die sich auf Audi-Niveau bewegt, auf Dauer nicht mehr zu halten. „In den vergangenen Jahren hat Skoda eine unheimliche Dynamik an den Tag gelegt“, betonte Schwope. Das gelte gleichermaßen für den Absatz und die Gewinngrößen.


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    Als beispielsweise Bernhard Maier im Herbst 2015 den Chefposten in der tschechischen Industriestadt Mlada Boleslav übernahm, da verkaufte Skoda pro Jahr ziemlich genau eine Million Autos. Ende 2019 war die VW-Konzerntochter schon bei knapp 1,25 Millionen Fahrzeugen angekommen, eine Steigerung von beinahe 18 Prozent.

    Dazu beigetragen hatte vor allem der starke Ausbau des Angebots von SUV. Ein Segment, in dem Skoda zuvor kaum vertreten war. Das Wachstum hätte sich mit großer Sicherheit auch in diesem Jahr fortgesetzt – wenn nicht das Coronavirus dazwischengekommen wäre.

    Von den neun großen Fahrzeugmarken des Volkswagen-Konzerns haben Corona-bedingt nur drei innerhalb des ersten Halbjahrs überhaupt noch schwarze Zahlen im operativen Geschäft geschrieben. Eine davon ist Skoda aus Tschechien mit einem Gewinn von 228 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 824 Millionen Euro).


    Heckansicht des Enyaq von Skoda Quelle: obs
    Details des Enyaq

    Die LED-Heckleuchten umfassen dynamische Blinker und besitzen eine animierte Coming-/Leaving-Home-Funktion.

    (Foto: obs)

    „Thomas Schäfer werden hoffentlich keine Fesseln durch den Konzern angelegt“, ergänzte Analyst Schwope. Konzernintern musste sich Skoda in der Vergangenheit häufiger die Kritik anhören, die tschechische Tochter sei mit ihrem Modellangebot zu nahe an Volkwagen herangerückt. Skoda habe Zugriff auf die im Konzern verfügbare Technologie wie jetzt bei der neuen Elektroplattform MEB, profitierte dann aber zugleich von der eigenen niedrigen Bezahlung.

    Trotz eines gewissen Annäherungsprozesses während der vergangenen Jahre liegen die tschechischen Löhne noch immer etwa zwei Drittel unter dem deutschen Niveau. VW-Standorte in der Bundesrepublik haben dann fast zwangsläufig ein Problem damit, bei den Kosten mit den tschechischen Kollegen aus dem eigenen Konzern Schritt zu halten.

    Konflikt mit der Marke Volkswagen

    Zuletzt hatte sich auch Konzernchef Herbert Diess in diese Richtung geäußert. Skoda sei bislang nicht aggressiv genug gewesen im Wettbewerb mit anderen Volumenherstellern wie Hyundai oder Opel. Die tschechische Tochter dürfe nicht zu einer weiteren Premiummarke aufgebaut werden, Skoda müsse stärker im Segment der preiswerten Fahrzeuge punkten. Thomas Schäfer deutete bei seinem ersten Auftritt an, dass Skoda unter seiner Führung diese neue Rolle stärker annehmen werde.


    Der Skoda Enyaq in der Frontansicht Quelle: obs
    Front-Details

    Die Fahrzeuge der „Founders Edition“ verfügen serienmäßig über das Crystal Face sowie eine sportlich gestaltete Front- und Heckschürze.

    (Foto: obs)

    Hinter den Worten von Konzernchef Diess steckt ein immer wieder aufflammender Konflikt zwischen Skoda und Volkswagen. So manchem in der Konzernzentrale waren die Kollegen aus Tschechien zu erfolgreich geworden. Langjährige VW-Kunden wechselten mittlerweile zu häufig zu Skoda, wo sie eine ähnliche Qualität zu niedrigeren Preisen bekämen, so die interne Wolfsburger Kritik. Darüber hatte es auch Auseinandersetzungen mit dem bisherigen Skoda-Chef Maier gegeben.

    Schäfer muss jetzt den Spagat schaffen. Einerseits soll sich die Marke stärker auf preiswerte Konkurrenten und nicht zu sehr auf Volkswagen zubewegen. Die vergleichsweise hohe Rendite darf dabei allerdings nicht in Gefahr geraten.

    Analyst Schwope sieht in einer Annäherung an Volkswagen hingegen kein Problem. Skoda könne vielmehr für einen stärkeren Wettbewerb innerhalb der eigenen Konzernreihen sorgen – und die Marke Volkswagen Pkw müsse sich in der Folge einfach stärker anstrengen. Schwope sprach sich entschieden dagegen aus, „die Marke Skoda künstlich zu bremsen“.

    Daheim in Prag und Mlada Boleslav ist Skoda unwidersprochen die Nummer eins. „Wir sind das Powerhouse in Tschechien“, sagte Schäfer. Der tschechische Premier dürfte das genauso sehen. Als sich Babis am Ende der Enyaq-Präsentation verabschiedete, bot er Schäfer seine Unterstützung an. „Melden Sie sich, wenn Sie etwas brauchen“, rief ihm Babis beim Verlassen des O2 Universums auf Deutsch zu.

    Das Interieur des Skoda Enyaq bestricht durch Cognacfarbene Lederbezüge mit Kontrastnähten. Quelle: obs
    Innenausstattung des Skoda Enyaq

    Das Interieur des Skoda Enyaq bestricht durch Cognacfarbene Lederbezüge mit Kontrastnähten.

    (Foto: obs)
    Das Display mit einer Bildschirmdiagonalen von 13 Zoll ist das größte in einem Skoda-Modell, dazu ist der Enyaq iV immer online. Quelle: obs
    Zentraldisplay des Skoda Enyaq iV

    Das Display mit einer Bildschirmdiagonalen von 13 Zoll ist das größte in einem Skoda-Modell, dazu ist der Enyaq iV immer online.

    (Foto: obs)


    Mehr: Thomas Schäfer tritt Maier-Nachfolge als Skoda-Chef an.

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    2 Kommentare zu "Autohersteller: Skoda steigt in das Elektrozeitalter ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das eine Steigerung von "ziemlich genau 1 Million" auf "knapp 1,25 Millionen" "beinahe 18 Prozent" sind müsste mir mal jemand vorrechnen.

    • ärgerlich:
      die Grafik "Operatives Ergebnis der Konzernmarken"
      Was zeigt die Grafik? Ebit? ROCE? Oder gar Beträge in Mio? € ???
      So viel Zeit, eine Grafik mit einer anständigen Legende zu versehen sollte schon sein.

      Man weiß ja gar nicht welche Äpfel da mit welchen Birnen verglichen werden.

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