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Arbeiterin im neuen Mercedes-Werk

Auf dem russischen Automarkt herrscht Aufbruchstimmung.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Autohersteller Trotz Sanktionen – Daimler investiert mehr als 250 Millionen in neues russisches Werk

Daimler setzt auf die Aufbruchstimmung am russischen Automarkt und eröffnet eine neue Fabrik. Die Stuttgarter hoffen auf das Wachstum im Luxussegment.
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MoskauSilbern leuchtet der Stern über dem Industriepark Jessipowo 40 Kilometer nordwestlich des Moskauer Autobahnrings MKAD. Noch liegt der Schnee rund um das Fabrikgelände, doch die Sonne wärmt und leuchtet am Himmel schon als eifriger Frühlingsbote.

Auf dem Gelände herrscht nicht nur wegen des Wetters Aufbruchsstimmung: Innerhalb von weniger als zwei Jahren hat der Daimler-Konzern hier seine erste russische Fabrik für Pkw-Produktion hochgezogen. Nun ist Kremlchef Wladimir Putin zur Eröffnung da. Seine übliche Verspätung ist auch die einzige Verzögerung des ganzen Projekts.

Putin fährt mit seiner Limousine direkt in die Fabrikhalle vor. Wohl nicht nur aus Bequemlichkeit: Vor einem Jahr ist der russische Präsident umgestiegen von Mercedes-Modellen auf die russische Luxuslimousine Aurus, die Moskau in Konkurrenz zu Daimler, aber in Zusammenarbeit mit den Arabern bald auch exportieren will.

Immerhin kommt Putin mit netten Worten zu Mercedes: „Wir werden auch in Zukunft solche Projekte unterstützen, die sowohl von russischen Unternehmen als auch von unseren ausländischen Partnern in Angriff genommen werden“, verspricht er Daimler. Er werde alles dafür tun, dass der Konzern sein Engagement in Russland nicht bereue, fügt er hinzu.

Zumindest bisher hat sich die russische Bürokratie voll engagiert, um Daimler die Investition – immerhin gut 250 Millionen Euro – schmackhaft zu machen. Die Stuttgarter sind die Ersten, die im Moskauer Umland vom Special Investment Contract (SPIC) der russischen Regierung profitieren: Der sieht eine verringerte Gewinn- und Vermögensteuer sowie eine minimale Pachtgebühr für das Grundstück vor.

„Mercedes glaubt an das enorme Potenzial des russischen Automarkts, insbesondere für das Premiumsegment.“ Quelle: AP
Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Wladimir Putin

„Mercedes glaubt an das enorme Potenzial des russischen Automarkts, insbesondere für das Premiumsegment.“

(Foto: AP)

Die Zusammenarbeit lobt auch Deutschlands Wirtschaftsminister Peter Altmaier, als er die Fabrik zum „großen Leuchtturmprojekt der deutsch-russischen Kooperation“ ernennt, die er trotz politischer Differenzen und Konflikte weiter ausbauen will.

Daimler wird derweil in seiner Moskauer Fabrik mit rund 1000 Mitarbeitern pro Jahr 25.000 Autos bauen. Zunächst sollen Modelle der E-Klasse hier vom Band laufen, später dann auch Geländewagen vom Typ GLC, GLE und GLS.

Damit reagiert Mercedes auf die wachsende Bedeutung des russischen Markts für den Konzern: Innerhalb der letzten zehn Jahre sei es gelungen, den Absatz zu verdoppeln, seit sechs Jahren sei Mercedes die erfolgreichste Premiummarke in Russland, teilte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Fabrikeröffnung mit.

Risiko ist überschaubar

Insgesamt ist die Tendenz weit weniger eindeutig. So hat der russische Markt in den vergangenen Jahren eine Berg-und-Tal-Fahrt hingelegt wie wenige andere Märkte. Von seinem Hochstand 2008, als knapp drei Millionen Neufahrzeuge abgesetzt wurden und alle Marktbeobachter nur noch darüber spekulierten, wann und nicht ob Russland Deutschland als wichtigster Pkw-Markt ablösen werde, stürzte er auf die Hälfte ab.

Einer kurzfristigen Erholung folgte der nächste Crash nach der Ukrainekrise und den Sanktionen. 2018 ging es dann wieder aufwärts: 12,8 Prozent plus bedeuteten im Endeffekt 1,8 Millionen verkaufte Neuwagen.

Wie es 2019 weitergehen wird, ist angesichts der Mehrwertsteuererhöhung in Russland, der weiter drohenden Verschärfung westlicher Sanktionen und der seit fünf Jahren sinkenden Realeinkommen der Russen unklar. In den ersten beiden Monaten gab es ein Minus von 1,8 Prozent.

Der US-amerikanische Automobilbauer Ford, einer der lange Zeit größten und erfolgreichsten Produzenten in Russland, reagierte auf die Unwägbarkeiten mit der Schließung seiner Fabriken. Ford-Modelle in Russland werden nun ausschließlich beim ehemaligen Joint-Venture-Partner Sollers vom Band laufen.

„Mercedes-Benz glaubt an das enorme Potenzial des russischen Automobilmarktes, das gilt insbesondere für das Premiumsegment“, erläuterte Zetsche hingegen seine Strategie. Angesichts der zunehmenden Protektionsmaßnahmen, die die russische Regierung über den Markt verhängt hat, gab es wohl auch keine großen Alternativen für die Stuttgarter, die ansonsten in Russland nur zusammen mit dem mehrheitlich staatlichen Konzern Kamaz in der Lkw-Produktion aktiv sind.

Das Risiko ist überschaubar: Die Produktion ist durch den SPIC bis 2026 günstig – und selbst wenn die Nachfrage in Russland sinken sollte, hat Daimler immer noch die Möglichkeit, einen Teil der Fahrzeuge zu exportieren. Die Konkurrenz hat das in Krisenzeiten bereits erfolgreich vorgemacht.

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