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Arbeiter im VW-Werk in Chattanooga

Der Konzern darf weiter Fahrzeuge an US-Regierungsstellen verkaufen.

(Foto: AP)

Autohersteller US-Behörden geben VW trotz Dieselaffäre weiterhin Aufträge

Anders als befürchtet wird Volkswagen nicht von Aufträgen der US-Behörden ausgeschlossen. Der Konzern muss dafür aber ein Zugeständnis machen.
01.09.2019 - 12:58 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Trotz der Dieselaffäre wird Volkswagen in den USA nicht von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen. Eine entsprechende Vereinbarung („Administrative Agreement“) hat der deutsche Autohersteller jetzt mit der US-Umweltbehörde EPA („Environmental Protection Agency“) getroffen.

Das wurde am Wochenende in Wolfsburg in Konzernkreisen bestätigt. Volkswagen muss den US-Behörden allerdings in einem Punkt entgegenkommen: In der Wolfsburger Konzernzentrale wird es künftig einen zweiten Monitor geben.

Nach einem Skandal im Ausmaß der VW-Dieselaffäre sei es in den USA üblich, dass Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit eines Unternehmens für öffentliche Aufträge geprüft würden, hieß es dazu ergänzend in Wolfsburg. In ähnlichen Fällen seien bereits etliche Konzerne aus anderen Branchen auf ihre Zuverlässigkeit als öffentlicher Auftragnehmer getestet worden. Deshalb sei es völlig erwartbar gewesen, dass auch Volkswagen dieser Prüfung unterzogen werde. In den USA können Firmen, die gegen Rechtsvorschriften verstoßen haben, von Aufträgen der öffentlichen Hand ausgeschlossen werden.

Die Umweltaufsicht EPA hat nun stellvertretend für die US-Regierung den Eignungstest von Volkswagen für öffentliche Aufträge vorgenommen. Durch das Dieselverfahren sei es naheliegend gewesen, dass die EPA diese Aufgabe im Auftrag der Regierung übernehmen würde, verlautete aus Konzernkreisen. Die US-Umweltbehörde sei bereits im Besitz aller erforderlichen Unterlagen.

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    Die abschließende Freigabe für Volkswagen habe die „Suspension and Debarment Division“ (SDD) der EPA erteilt. In den USA ist es üblich, dass einzelne Behörden wie die EPA solche Zuverlässigkeitstests für sämtliche staatliche Behörden vornehmen.

    Anerkennung durch US-Behörden

    In Wolfsburg herrscht eine gewisse Erleichterung darüber, dass es dem Konzern jetzt gelungen ist, das „Administrative Agreement“ mit den US-Behörden zu treffen. „Diese Vereinbarung erkennt die umfangreichen Maßnahmen an, die unser Konzern seit 2015 zur Stärkung der Compliance- und Risikomanagement getroffen hat, und gestattet es uns und unseren Tochtergesellschaften, weiter Geschäfte mit der US-Regierung zu tätigen“, hieß es in einer internen Mitteilung an die Führungskräfte, die das Handelsblatt einsehen konnte.

    „Für Volkswagen ist diese Einigung mit der US-Umweltbehörde ein wichtiges Signal“, sagte eine Führungskraft in Wolfsburg. Dem deutschen Autohersteller werde damit bescheinigt, alle geforderten Standards für öffentliche Aufträge zu erfüllen. Nach der Aufdeckung der Dieselaffäre habe in Wolfsburg die nicht ganz ungerechtfertigte Sorge bestanden, dass der Konzern in den USA von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden könnte.

    Das Verhältnis zwischen Volkswagen und US-Behörden war angespannt, der deutsche Autokonzern konnte sich keine weiteren größeren Fehler in den USA erlauben. Durch den Dieselskandal hatte die Reputation des deutschen Autokonzerns enorm gelitten.

    Für Volkswagen ist diese Einigung mit der US-Umweltbehörde ein wichtiges Signal. VW-Manager, der nicht namentlich genannt werden will.

    Rein wirtschaftlich gesehen ist die Bedeutung öffentlicher Aufträge aus den USA für Volkswagen vergleichsweise gering. Gerade im Vergleich zu Deutschland werden Autos aus dem VW-Konzern extrem selten als Dienstwagen von amerikanischen Behörden ausgewählt. „Viel wichtiger ist für uns die Symbolkraft. Der Konzern ist zuverlässig genug für öffentliche Auftraggeber, trotz der schwierigen Dieselzeiten“, hieß es dazu in Wolfsburg.

    Für eine Sparte aus dem großen VW-Konzernreich ist die Bedeutung amerikanischer öffentlicher Aufträge allerdings doch etwas größer: für die Augsburger MAN Energy Solutions (MAN ES). Die bayerische Volkswagen-Tochter produziert große Dieselmotoren, die vor allem auch in der Schifffahrt Verwendung finden. Ein wichtiger Abnehmer dieser Aggregate aus Deutschland ist unter anderem auch die US-Marine, die sie in vielen ihrer Schiffe verwendet.

    Schiffmotoren von MAN

    Zumindest für MAN ES hätte es spürbare Konsequenzen geben können, wenn das Unternehmen als Folge der Abgasaffäre mit Diesel-Pkw von öffentlichen Aufträgen aus den USA ausgeschlossen worden wäre. MAN ES kommt mit rund 14.000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von etwa drei Milliarden Euro.

    Von der neuen Einigung mit der US-Umweltbehörde EPA verspricht sich Volkswagen auch positive Auswirkungen außerhalb der Vereinigten Staaten. Denn in anderen Ländern rund um den Globus sei das Verfahren mit Volkswagen sehr genau beobachtet worden, sagte ein Konzernmanager.

    Wäre VW in den USA künftig von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen worden, hätte den Konzern dasselbe Schicksal in anderen Ländern ereilen können. Dann wären die wirtschaftlichen Konsequenzen womöglich doch etwas größer geworden.

    Dass Volkswagen als Gegenleistung jetzt zusätzlich einen zweiten US-Monitor akzeptieren muss, wird in Wolfsburg als vergleichsweise kleines Eingeständnis gesehen. Das neue Kontrollverfahren sei nicht vergleichbar mit dem bereits seit zwei Jahren laufenden Haupt-Monitorprozess im VW-Konzern.

    Seit dem Sommer 2017 soll der vom Washingtoner Justizministerium eingesetzte US-Jurist Larry Thompson vor allem dafür sorgen, dass sich die Dieselaffäre kein zweites Mal in Wolfsburg wiederholt. Dafür sind beispielsweise umfangreiche Compliance- und Whistleblower-Verfahren mit Millionenaufwand auf vielen Konzernebenen eingerichtet worden.

    Zusätzliche Kontrollinstanzen sollen dafür sorgen, dass der VW-Konzern künftig wirklich alle Gesetze einhält. In der Spitze hatte US-Monitor Larry Thompson bis zu 100 Mitarbeiter in seinem Team, die allesamt von Volkswagen bezahlt werden mussten.

    Grafik

    Das zweite Monitorverfahren, das voraussichtlich in diesem Herbst beginnen soll und das zunächst ebenfalls auf eine Dauer von drei Jahren angelegt ist, soll wesentlich kleiner und weniger umfangreich ausfallen. Bei Volkswagen wird damit gerechnet, dass der Stab des zweiten Monitors maximal fünf Mitarbeiter bekommen wird.

    Eine zweite grundlegende Prüfung wie im ersten Monitorverfahren werde es nicht mehr geben. Bei entsprechend positivem Verlauf kann die Amtszeit des neuen Monitors sogar von drei auf zwei Jahren gekürzt werden.

    Der zweite Monitor werde sich vor allem um Regelungen im Zusammenhang mit öffentlichen Aufträgen kümmern. Dazu gehören Vorgaben, die der Wolfsburger Autokonzern jetzt in der neuen Übereinkunft mit der US-Umweltbehörde EPA entsprechend dafür getroffen hat. „Der Aufwand wird sich in klaren Grenzen halten“, berichten Konzernkreise.

    „Die neue Vereinbarung verlangt in erster Linie die weitere Einhaltung der Bedingungen unserer schon bestehenden Vergleiche in den USA sowie Schritte, die sich größtenteils mit unseren bereits bestehenden Aktivitäten decken“, heißt es in der VW-internen Mitteilung an das eigene Management. Dazu gehörten die Fortsetzung der Mitarbeiterschulungen zum VW-Verhaltenskodex und die Verwendung des Hinweisgebersystems („Whistleblower“).

    Der neue zweite und von der EPA eingesetzte Monitor kommt vom US-Unternehmen „Artifice Forensic Financial Services“. John Hanson gilt als erfahrener Firmenkontrolleur, der schon bei verschiedenen amerikanischen Unternehmen in ähnlicher Funktion tätig war.

    Hanson ist ausgebildeter Ökonom, hat aber eine ganz besondere Periode in seinem Lebenslauf vorzuweisen: Zehn Jahre lang war er Agent bei der US-Bundespolizei, dem FBI, wo er sich auf komplizierte Betrugsfälle spezialisiert hatte.

    Kooperation in vollem Umfang

    Volkswagen werde mit dem neuen EPA-Prüfer in vollem Umfang kooperieren, heißt es weiter in der Mitteilung. Alle dafür notwendigen Schritte würden unternommen. Wie bei allen anderen regulatorischen Verpflichtungen, die der VW-Konzern eingehe, sei jeder Mitarbeiter dazu verpflichtet, die neue Vereinbarung mit den US-Behörden einzuhalten.

    Das „Administrative Agreement“ sieht Volkswagen als wichtigen Schritt in Richtung Normalisierung. Die Vereinbarung werde zur „Bereinigung der Verfehlungen aus der Vergangenheit“ beitragen, wobei bereits in vielen Bereichen deutliche Fortschritte erreicht worden seien.

    „Diese und weitere wichtige Veränderungen müssen wir vorantreiben auf unserem Weg, Volkswagen zu einem Beispiel dafür zu machen, wie ein sozial verantwortliches Unternehmen in den kommenden Jahren handeln und führen sollte“, schließt die vertrauliche interne Management-Mitteilung von Volkswagen.

    Mehr: Immer mehr Systeme für Diesel-Nachrüstungen erhalten eine Zulassung. Doch für die Halter steckt der Teufel im Detail. Vor allem VW gerät deshalb in die Kritik.

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