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Lidarsensor-Technik von Bosch

Elektroniksysteme und die dazu passende Software für alle Fahrzeugbereiche werden in Zukunft über Erfolg und Misserfolg in der Industrie entscheiden.

(Foto: Bosch)

Autoindustrie Bosch sichert sich Milliardenaufträge für Fahrzeugcomputer

Zulieferer Bosch will Fahrzeugcomputer für alle Bereiche entwickeln, Milliardenaufträge liegen bereits vor. Schon im Januar startet der neue Geschäftsbereich mit 17.000 Spezialisten.
16.12.2020 - 08:59 Uhr Kommentieren

Stuttgart Der Kampf um die Fahrzeugcomputer könnte die Kräfteverhältnisse in der Autoindustrie kräftig durcheinanderwirbeln. Bosch-Chef Volkmar Denner zeigte sich kürzlich im Handelsblatt-Interview für diese Auseinandersetzung „bestens gewappnet“. Jetzt ist klar, warum: Der weltgrößte Automobilzulieferer hat bereits Milliardenaufträge für das Gehirn und Nervensystem künftiger Autos erhalten.

Aufträge im Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro sind allein seit diesem Sommer hinzugekommen. „Die Orders liegen zusammengezählt inzwischen im mittleren bis hohen einstelligen Milliardenbereich“, bestätigte eine Konzernsprecherin.

Damit zieht Bosch deutlich am Hauptkonkurrenten Continental vorbei, der bei den Fahrzeugcomputern über eine Auftragshöhe von vier Milliarden Euro berichtete. Der Dax-Konzern aus Hannover ist Lieferant für das Elektroauto ID.3 von Volkswagen. Die Schwaben halten sich dagegen bei den Namen ihrer Kunden bedeckt. Es geht insgesamt um mindestens zehn Großaufträge rund um den Erdball.

Bereits seit 2019 steuern Fahrzeugcomputer von Bosch etwa Fahrerassistenzsysteme oder Fahrzeugbewegungen von Serienfahrzeugen. In Kürze kommen zentrale Computer für Cockpitfunktionen und Karosserieelektronik dazu. „Fahrzeugcomputer bergen für Bosch enormes Geschäftspotenzial“, sagt der zuständige Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger.

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    Die Fahrzeugcomputer sind ein zentraler Baustein, mit dem Bosch seine führende Rolle bei softwareintensiven Elektroniksystemen ausbauen will. Der Markt umfasst nach Schätzung des Konzerns rund 20 Milliarden Euro und wächst bis 2030 jährlich um bis zu 15 Prozent.

    Um diesen Markt besser zu erschließen, nimmt dazu im Januar wie bereits angekündigt der neue Geschäftsbereich „Cross-Domain Computing Solutions“ mit insgesamt 17.000 Mitarbeitern seine Arbeit auf. In der Einheit führt Bosch sowohl die Hard- als auch Softwareentwicklung für Fahrzeugcomputer, Sensoren und Steuergeräte für alle Fahrzeugbereiche zusammen.

    Vorbild ist Elektropionier Tesla

    Tesla hat es vorgemacht: Ziel der Elektropioniere ist es, am Ende möglichst nur noch einen Computer für das gesamte Auto zu haben. Experten gehen eher davon aus, dass es am Ende zwei bis drei Computer sein werden – allein aus Sicherheitsgründen, Kostengründen und um mit kürzeren Kabelwegen Gewicht zu sparen. „Fahrzeugcomputer sind der Schlüssel, um die Komplexität von Elektroniksystemen zu reduzieren und so sicher wie möglich zu machen“, sagt Kröger.

    Der Konzern hat sich bereits Aufträge im hohen einstelligen Milliardenbereich gesichert. Quelle: Bosch
    Fahrzeugcomputer von Bosch

    Der Konzern hat sich bereits Aufträge im hohen einstelligen Milliardenbereich gesichert.

    (Foto: Bosch)

    In den zentralen Knotenpunkten laufen alle Nervenstränge eines Autos zusammen. Dank enormer Rechenleistung von mehreren Milliarden Operationen pro Sekunde verarbeiten die Zentralrechner selbst große Datenmengen, wie sie für das automatisierte Fahren, datenbasierte Dienste und permanente Softwareupdates erforderlich sind. Sie werden die rund 100 Steuergeräte, die sich heute noch in Autos finden, ersetzen.

    Ein Zeitenwechsel ist eingeläutet: Der Anteil der Software am Wert eines Fahrzeugs soll nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey von heute zehn auf künftig 30 Prozent steigen.

    Grafik

    Bosch entwickelt die Auto-Hirne sowohl für Cockpit- und Vernetzungsfunktionen, Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren als auch für den Antrieb und die Karosserieelektronik. Damit lassen sich alle zentralen Fahrzeugfunktionen auf einer Handvoll leistungsstarker Zentralrechner zusammenführen.

    „Mit Fahrzeugcomputern werden selbst hochkomplexe Fahrfunktionen beherrschbar, die über einzelne Fahrzeugdomänen hinausgehen“, sagt Mathias Pillin, der ab Januar die neue Einheit Cross-Domain Computing Solutions führen wird.

    Ziel ist ein Baukastensystem, in dem für alle Anforderungen und Voraussetzungen das passende Elektroniksystem aus Hard- und Software enthalten ist. Bosch will auf Wunsch der Kunden eine Software- und Systemarchitektur für das gesamte Fahrzeug bereitstellen können, bei der alle Zentralrechner, Sensoren und Steuergeräte wie in einem Baukasten zusammenpassen und aufeinander aufbauen.

    Der weltgrößte Zulieferer führt sämtliche Bereiche, die mit Fahrzeugelektronik und -software zu tun haben, unter einem Dach zusammen. Quelle: Bosch
    Softwareentwicklung bei Bosch

    Der weltgrößte Zulieferer führt sämtliche Bereiche, die mit Fahrzeugelektronik und -software zu tun haben, unter einem Dach zusammen.

    (Foto: Bosch)

    Es wird sehr spannend sein, zu sehen, welche Autobauer dieses zentrale Element einschließlich Betriebssystem des Fahrzeugs komplett an Zulieferer aus der Hand geben werden. Einige Autobauer arbeiten bereits mit Softwaregiganten wie Microsoft, Google oder Nvidia zusammen, die ebenfalls in diesen Markt drängen.

    Das könnte wiederum zur Bedrohung der großen Zulieferer wie Bosch, Conti oder ZF werden. Denn Google und Co. haben noch mehr Softwarepower als die deutschen Zulieferer. Europas größter Autobauer Volkswagen will das Betriebssystem selbst entwickeln. Am Ende wird auf der Straße entschieden, wer die Nase vorn hat – oder besser: das cleverere elektronische Gehirn samt Nervensystem.

    Mehr: Bosch trotzt der Krise: CEO Volkmar Denner stellt Gewinn in Aussicht.

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