Autoindustrie Daimler-Großaktionär Li Shufu braucht Geld – und könnte Volvo an die Börse bringen

Nach seiner Einkaufstour könnte der chinesische Daimler-Großaktionär Li Shufu frisches Geld einsammeln. Dafür müsste er Volvo an die Börse bringen.
Update: 11.05.2018 - 15:25 Uhr Kommentieren

Volvo greift Tesla an – wie Polestar den Automarkt revolutioniert

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StockholmAm Firmensitz in Göteborg gibt man sich zugeknöpft, doch die Spatzen pfeifen es von den Dächern der westschwedischen Stadt: Volvo Cars soll an die Börse kommen. Das meldete zuerst die US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Danach hat der Volvo-Eigner, die chinesische Zhejiang Geely Holding Group Co., bereits die Banken Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley beauftragt, einen entsprechenden Börsengang des PKW-Herstellers vorzubereiten.

Der Börsenwert des 2010 vom chinesischen Auto-Hersteller Geely übernommenen schwedischen Konzerns soll zwischen 16 und 30 Milliarden Dollar betragen. Die Erstnotierung der Volvo-Aktie könnte im September dieses Jahres an den Börsen von Hongkong und Stockholm geschehen, erklärten Insider. 

Bei Volvo in Göteborg gab man sich verschlossen. „Wir kommentieren keine Gerüchte“, erklärte eine Volvo-Sprecherin. Allerdings bestätigte sie, dass ein Börsengang schon seit Längerem „eine Alternative“ sei, über die aber der Eigentümer entscheiden werde.

Bei Geely bestätigte ein Sprecher, dass man derzeit „verschiedene Möglichkeiten“ untersuche. „Ein endgültiger Beschluss ist noch nicht gefasst worden“, sagte ein Sprecher. Die Nachricht von einem eventuellen Börsengang Volvos trieb die Geely-Aktie an der Börse in Hongkong zwischenzeitlich um vier Prozent in die Höhe.

Schon seit Längerem wurde über den Börsengang spekuliert. Nicht zuletzt, weil Geely-Hauptaktionär Li Shufu in den vergangenen Monaten auf einer ausgedehnten Einkaufstour war: So stieg er im Dezember vergangenen Jahres überraschend beim schwedischen Lkw-Hersteller Volvo mit 8,2 Prozent des Aktienkapitals und 15,6 Prozent der Stimmrechte ein. Der Lkw- und Nutzfahrzeugproduzent Volvo AB ist bislang ein eigenständiger Konzern und hat nichts mit dem Pkw-Hersteller Volvo Cars zu tun.

Im Februar dann holte Li Shufu zu einem weiteren Schlag aus und beteiligte sich mit fast zehn Prozent an Daimler. Damit ist das chinesische Unternehmen größter Einzelaktionär des Stuttgarter Konzerns.

Über die Strategie der Chinesen bei Daimler und Volvo ist bislang wenig bekannt. Möglich ist, so vermuten Analysten in Stockholm, dass Geely-Hauptaktionär Li Shufu nach seiner umfangreichen Shoppingtour Geld benötigt. Durch den Börsengang der Volvo-Pkw-Sparte würden viele Milliarden in die Geely-Kasse gespült.

Geely hält an Volvo Cars 99 Prozent, mit einem Prozent sind mehrere schwedische Pensionsfonds an dem Auto-Hersteller beteiligt. „Nach Geelys großen Investitionen sollte das Unternehmen über die Finanzspritze, die ein Börsengang bringen würde, froh sein“, erklärte Handelsbanken-Analyst Hampus Engellau.

Dass über einen Börsengang von Volvo Cars seit Längerem diskutiert wird, ist von mehreren Seiten bestätigt worden. Das Topmanagement von Volvo Cars hat unter Leitung von Volvo-Chef Håkan Samuelsson seit Dezember 2016 mehrere Treffen sowohl mit Li Shufu als auch mit den schwedischen Pensionsfonds abgehalten, auf denen über einen möglichen Börsengang diskutiert wurde.

Vertreter der Pensionsfonds haben in der schwedischen Presse über diese Treffen berichtet und ihr Interesse an einer Aufstockung der Anteile bei einem Börsengang unterstrichen.

2010 hatte Geely die PKW-Marke vom US-Konzern Ford übernommen. Den Amerikanern, die Volvo 1999 übernommen hatten, war es nie gelungen, die schwedische Marke aus den roten Zahlen zu fahren. Auch nach der Übernahme durch Geely lief es zunächst nicht rund. Gerüchten zufolge gab es anfangs große Meinungsverschiedenheiten über den zukünftigen Kurs des Autoherstellers. Auch die kulturellen Verschiedenheiten sollen die Arbeit behindert haben.

Sah die chinesische Übernahme des schwedischen Traditionsunternehmens zunächst als missglückt aus, hat sich der Einstieg der Chinesen zuletzt als Erfolgsgeschichte erwiesen. Volvo Cars schreibt seit längerem schwarze Zahlen, und die neuen Modelle erfreuen sich in Europa und vor allem in China einer immer größeren Beleibtheit. Unter dem chinesischen Eigner entwickelte Volvo Cars auch eine neue Elektro-Strategie: Von 2019 an sollen alle neuen Volvo-Modelle mit einem Elektromotor ausgestattet sein - entweder als Hybrid oder als reines Elektrofahrzeug. „So gut wie jetzt stand Volvo eigentlich nie da“, sagte ein Stockholmer Analyst und betonte, dass die positive Entwicklung des Autobauers vor allem an der Lernfähigkeit, aber auch Beharrlichkeit des chinesischen Großaktionärs gelegen habe.                                              

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