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Autoindustrie Daimler setzt voll auf China und die Oberklasse

Die Nachfrage nach Luxusautos in China hilft dem Daimler-Chef, seinen Umbau zu finanzieren. Bei den Mobilitätsdiensten ist er offen für Partner.
20.10.2020 - 12:11 Uhr 1 Kommentar
Der Konzern soll mittelfristig eine zweistellige Ergebnismarge erreichen, um damit den Umbau finanzieren zu können. Quelle: Reuters
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Der Konzern soll mittelfristig eine zweistellige Ergebnismarge erreichen, um damit den Umbau finanzieren zu können.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Daimler-Chef Ola Källenius ist an sich schon ein optimistischer Mensch. Wenn es um das Thema China geht, dann wird er geradezu euphorisch. Sehr schnell habe das Land nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein Comeback geschafft. Möglich sei das, weil die Regierung „den Turbo angeworfen“ habe, sagte der Manager am Montagabend bei einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW).

In der Tat hat sich die Wirtschaft in China nach offiziellen Zahlen derart erholt, dass die Volksrepublik zum Hoffnungsanker für die Automobilindustrie geworden ist. In den meisten Regionen wird die Nachfrage indes in diesem Jahr schwach bleiben. China ist also die Rettung: Aus Sicht von Källenius hat die Volksrepublik die Wende mit einer Mischung aus staatlicher Förderung und Optimismus geschafft. So hätten die Menschen ihr Geld anstatt in Urlaubsreisen eben in Wirtschaftsgüter wie Autos investiert.

Die Marke mit dem Stern gilt in China als Statussymbol. Nirgendwo verkauft Daimler mehr Modelle der S-Klasse als in China, die meisten werden mit einer Vollausstattung ausgeliefert. Daran wird sich auch langfristig wenig ändern. Schon heute sei China der mit Abstand wichtigste Markt – und die Bedeutung wachse, ist sich der Daimler-Chef sicher. Da die Autodichte im Vergleich zu westlichen Ländern geringer sei, werde die Nachfrage in China auch in den kommenden zehn Jahren steigen.

Daimler will davon besonders profitieren. Denn das Wachstum sei vor allem bei Modellen der Oberklasse überproportional groß, wie der gebürtige Schwede sagte. Dieses Segment bedienen neben Daimler die Wettbewerber BMW und Audi.

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    Der Boom in China ist eine der wesentlichen Stützen für die strategische Weichenstellung, die Källenius in seiner bisherigen einjährigen Amtszeit eingeleitet hat. Er will sich künftig noch stärker auf das Kerngeschäft mit Premium- und Luxusautos konzentrieren. Sein Vorgänger Dieter Zetsche hatte noch das mittlere Preissegment und neue Geschäftsmodelle in den Fokus seiner Strategie gestellt. Daimler hatte sich dazu an einer Reihe von neuen Mobilitätsanbietern beteiligt, die unter Källenius nun an Bedeutung verlieren.

    Daimler-Chef ist offen für Partner beim Mobilitätsdienstleister Your Now

    Er schließt daher den Einstieg von Partnern beim Mobilitäts-Joint-Venture Your Now nicht aus. „Wir haben gesagt, dass unsere Beteiligungen sich selbst finanzieren müssen, also selbst für ihren Cashflow sorgen müssen“, sagte der Manager. Seit einigen Wochen kursieren Spekulationen, dass sich Daimler von Free Now und Park Now komplett oder in Teilen trennen will. Über seine allgemeine Aussage zum Thema Partnersuche hinaus äußerte sich Källenius nicht weiter dazu.

    Free Now und Park Now gehören zum Joint Venture Your Now, das Daimler gemeinsam mit dem Rivalen BMW betreibt. In diesem haben beide ihre Mobilitätsdienste gebündelt. Free Now vermittelt Taxifahrten, bei Park Now können Autofahrer über eine App freie Parkplätze finden und die Parkgebühr bezahlen. Für Free Now soll sich unter anderem das US-Unternehmen Uber interessieren.

    Källenius fokussiert den Konzern auf seine Wurzeln – den Bau von Luxus- und Premiumfahrzeugen. „Wir glauben, dass ‚Modern Luxury‘ eine Zukunft haben wird“, sagte der Daimler-Chef. Unter anderem soll der Absatz etwa von Marken wie AMG oder Maybach deutlich gesteigert werden. Hier werden attraktive Margen erwirtschaftet.

    Parallel dazu will er deutlich mehr Elektroautos auf die Straße bringen. Bei den rein batteriebetriebenen E-Fahrzeugen plant Källenius mit bis zu zehn Modellen in den nächsten vier Jahren. Bei den halbelektrischen Plug-in-Hybriden sollen es sogar mehr als 20 sein. Mit Blick auf die Margen werde man die Elektrifizierung „von oben“ ausrollen, so Källenius, also im gehobenen Premiumsegment.

    Es werde kein Zurück geben beim Thema Dekarbonisierung, sagte der Daimler-Chef: „Unser klares Ziel ist, klimaneutral zu werden, auch in der Produktion.“ Man wolle bei dem Wachstum in den nächsten zehn Jahren keine zusätzlichen Ressourcen mehr einsetzen. „In Zukunft muss es für alle Teile in einem Auto einen Kreislauf geben.“

    Der Topmanager hat zuletzt Rückenwind durch überraschend gute Quartalszahlen bekommen. Quelle: Reuters
    Daimler-Chef Ola Källenius

    Der Topmanager hat zuletzt Rückenwind durch überraschend gute Quartalszahlen bekommen.

    (Foto: Reuters)

    Källenius wehrte sich gegen die aktuell anschwellende Kritik an sogenannten Plug-in-Hybriden. Studien haben herausgefunden, dass viele Nutzer die Möglichkeiten des E-Antriebs kaum nutzen, das Fahrzeug nur selten laden. Stattdessen werde die schwere Batterie mit dem Verbrenner durch die Gegend transportiert, so der Vorwurf.

    „Wir haben in den letzten Jahren viel gelernt“, sagte Källenius. Daimler nutze mittlerweile die dritte Generation der Technologie. „Eine Erkenntnis: Mit steigender Reichweite nutzen die Kunden die Möglichkeiten des Plug-ins auch mehr.“ Zudem kündigte der Manager an, dass Daimler demnächst eine Art Punktesystem für die Kunden anbieten wolle, um diese zum Laden der Plug-ins zu motivieren. „Sie können dann Punkte sammeln und dafür bei uns Produkte kaufen, etwa Zubehör.“

    Die Transformation des Unternehmens kostet viel Geld. Deshalb will Källenius die Marge konzernweit bis 2025 auf mindestens zehn Prozent steigern – ein Wert, den Daimler in den zurückliegenden 15 Jahren niemals erreichen konnte. „Wir wollen aus eigener Kraft den Cashflow genieren, den wir für die Transformation brauchen“, sagte der Konzernchef.

    Dabei macht der Daimler-Chef offensichtlich Fortschritte. Der Konzern hat die Kapitalmärkte in der vergangenen Woche positiv überrascht, nach einer längeren Phase mit verfehlten Prognosen und Gewinnwarnungen. So konnte das Unternehmen nach vorläufigen Berechnungen im dritten Quartal einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 3,1 Milliarden Euro verbuchen. Analysten hatten ein Plus von nur knapp zwei Milliarden Euro prognostiziert.

    Auch aufseiten der wichtigen Kenngröße Free Cashflow – das sind die Mittel, die ein Unternehmen aus dem operativen Geschäft generiert, abzüglich der notwendigen Sachinvestitionen (Capex) – gibt es gute Nachrichten. Im dritten Quartal verzeichnete der Konzern einen Zufluss von 5,1 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr war dieser Wert noch negativ gewesen.

    Die gute Entwicklung bei Daimler geht auch auf Maßnahmen zurück, die das Management ergriffen hat. Unter anderem wurden die fixen und die variablen Kosten reduziert. Teil des Sparkurses ist auch der schmerzhafte Abbau von mehr als 20.000 der insgesamt 300.000 Stellen weltweit. Ganze Werke stehen inzwischen zur Disposition.
    Mehr: Nicht der Hybrid ist der Schwindel, sondern das, was die Autobauer daraus machen

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    • Daimler und die pdf-Datei des Jahresabschlusses 2019 und deren Seite 28.
      Ein legitim geschaffener "Ertragspuffer" von 2,5 Mrd.Euro, der im Daimler Konzern Ebit 3.Quartal
      mit über 3 Mrd.EUR enthalten ist.

      Harald Wilhelm, Daimler Finanzchef hat vorgetragen und die Medien waren entzückt.
      Wer hätten an einen Gewinn (Konzern-Ebit vor Zinsen und Steuern)für das 3. Quartal
      2020 und somit kumulativ gedacht." Daimler hakt die Krise ab", so DIE WELT.

      Doch wer die pdf-Datei des Jahresabschlusses 2019 der Daimler-AG auf der Seite 28 öffnete, der
      wiurde klüger. Denn: Was ist dort unter "Nachtragsbericht" -Abs.1 aaO- dokumentiert?

      Daimler hatte sich am 22.Januar 2020 von der Daimler Nederland B.V.-völlig legitim- eine
      A u s s c h ü t t u n g aus den den Rücklagen geholt in Höhe von 2.475 Mio Euro nach Untertürkheim
      auf die Bankkonten , wohl um die Liquidität der "drei Säulen" des Konzerns zu stabilisieren.

      Im 1.+2.Quartal wurde dieser Ertragspuffer (sprich Beteiligungsertrag) von den Minuszahlen des operativen
      Bereichs überlagert; im 3. Quartal "lebten" sie auf. Nicht alleine, sondern mit der Joint-Venture Maßnahme u.
      erfreulichen China-Dividende in Höhe von 1,2 Mrd.Euro. Somit hatte Daimler im Neutralen Ergebnis 3.Quartal 3,7 Mrd.Euro "verbucht", -ohne dass diese real und objektiv auf die "Maßnahmen" entfallen.

      Dazu kam der Aufschwung in China, der Absatz höher preisigen Fahrzeuge (S-Klasse, Vans) und der
      Erfolg des Vorstands, das "Working Capital" durch den Verkauf von 50.000 Bestandsfahrzeugen (so das
      Handelsblatt) abzubauen und damit nach langer Zeit einen operativen Gewinn (Ebit wie oben genannt) ausweisen zu können. Das ist eine großartige Leistung. Aber.....

      dass die Hosianna Rufe der Titelseiten der Medien -nach der Publikation an diesem Tage nach 22.01 Uhr,-
      eben nicht voll, sondern nur zum kleinsten Teil auf die "Maßnahmen" entfallen, ist dokumentierte Realität.

      Man darf auf den endgültigen 3.Quartalsbericht 2020 -ungeprüft natürlich- gespannt sein.


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