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Autoindustrie Erfolg für Kostenkiller Tavares – Opel-Mutter PSA trotzt der Krise

Wo andere Milliardenverluste machen, kann die Opel-Mutter PSA in der Krise einen Gewinn vorweisen. Carlos Tavares hat den Konzern krisenfest gemacht.
28.07.2020 - 11:20 Uhr Kommentieren
Der Portugiese hat den Konzern auf Effizienz getrimmt. Quelle: dpa
PSA-Chef Carlos Tavares

Der Portugiese hat den Konzern auf Effizienz getrimmt.

(Foto: dpa)

Paris Carlos Tavares ist bekannt als ein Manager, der Kosten auch dann noch runtertreibt, wenn der Markt boomt. Dass er mit dieser Strategie richtigliegt, zeigen die Ergebnisse von Peugeot Citroën Opel (PSA) für das erste Halbjahr 2020.

Obwohl der Autoabsatz wegen der Coronakrise fast um die Hälfte eingebrochen ist, hat das französische Unternehmen noch eine positive operative Marge und einen Gewinn von knapp 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz des französischen Konzerns, der auch die Marken Peugeot, Citroën und DS führt, sank von Januar bis Ende Juni gemessen am Vorjahreszeitraum um 34,5 Prozent auf 25,1 Milliarden Euro.

„Wir sind ein Allwetter-Unternehmen“, folgerte der Portugiese mit französischem Pass. Auch die deutsche Tochter Opel kommt noch auf eine positive operative Marge von zwei Prozent und trägt rund 111 Millionen Euro zum Betriebsergebnis bei.

Allerdings gestand Tavares ein, „dass wir in einer schwierigen Situation sind, was den Marktanteil von Opel und Vauxhall angeht“. Der sei um 1,3 Prozentpunkte gesunken. Zufrieden ist der PSA-Chef damit ganz und gar nicht, und zum ersten Mal hat er bei der Vorstellung der Halbjahresergebnisse mit seiner Rhetorik gebrochen, dass ihm Marktanteile nicht so wichtig seien.

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    „Wir wollen die Marktanteile genauso steigern wie den Gewinn“, sagte er bei einer Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten. Bei Opel erwarte er, dass sie vom ersten Quartal 2021 an wieder zunehmen würden, weil dann der neue Opel Mokka angeboten werde. Den Rückgang führte Tavares zurück auf den „brutalen Übergang von einer Modellpalette, die auf GM-Technik basierte, zu der neuen, auf PSA basierenden“ – mit der Folge, dass viele Autos aus dem Markt genommen wurden.

    Ab 2021 gebe es in jedem Jahr eine wichtige Vorstellung eines neuen Modells für die Marke mit dem Blitz, das werde helfen. „Die Mannschaft von Opel kämpft sehr hart, auch darum, Produktionsvolumen aus anderen PSA-Werken abzuziehen“ sagte Tavares anerkennend.

    Opel-Chef Michael Lohscheller sieht die Coronakrise für die Autobranche und sein Unternehmen noch nicht überwunden. Eine nachhaltige Erholung der zwischenzeitlich eingebrochenen Märkte sei unsicher, erklärte der Manager am Dienstag anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen des Mutterkonzerns. Ein zweiter möglicher Lockdown könnte den nächsten empfindlichen Nachfrageeinbruch bringen und zu Unterbrechungen der Lieferketten führen.

    Stellantis soll im ersten Quartal 2020 starten

    Was die Fusion mit Fiat Chrysler (FCA) angeht, bleibt Tavares bei seiner Erwartung, dass der Zusammenschluss im ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein wird. „Ich weiß nicht, ob das vor oder nach der Bekanntgabe der Jahresergebnisse sein wird, aber es wird in jedem Fall im ersten Quartal der Fall sein.“ Gegenwärtig führe man intensive Gespräche mit der EU-Fusionskontrolle, die sich vor allem um den Markt für leichte Lieferwagen drehen würden, auf dem PSA und FCA gemeinsam Marktführer wäre.

    Die neue Gruppe, die unter dem Namen Stellantis firmieren wird, kommt weltweit vom Umsatz her auf Rang drei. Sie wird über 14 Automarken verfügen, die alle ihre Identität behalten sollen. Ohne danach gefragt zu werden, wies Tavares darauf hin, es sei für ihn entscheidend, eine möglichst starke Cash-Position von Tag eins nach der Fusion an zu haben. „Wir setzen alles daran, dafür mit PSA einen möglichst guten Beitrag zu leisten.“ Das darf man als Wink mit dem Zaunpfahl an die Adresse von FCA verstehen.

    Wie FCA sich in die Emissionsstrategie von PSA einpassen wird, dazu wollte Tavares mit Verweis auf die Rücksichtnahme auf rechtliche Bestimmungen vor der Fusion nichts sagen. Fiat Chrysler hängt sehr stark vom Absatz großer SUV und Pick-ups ab, die sehr hohe Emissionen haben. Um Strafzahlungen zu entgehen, ist der Konzern darum eine teure Partnerschaft mit dem Elektropionier Tesla eingegangen.

    PSA dagegen sieht sich als Weltmarktführer bei der Emissionsminderung. Der heutige Flottenverbrauch entspreche CO2-Emissionen von unter 80 Gramm, damit sei das Unternehmen von Anfang an innerhalb der schärferen EU-Normen für den Schadstoffausstoß.

    Batterieproduktion in Frankreich und Deutschland

    Die Nachfrage nach Stromern nimmt zu, beim neuen Peugeot 208 entfallen bereits 17 Prozent der Bestellungen auf die E-Variante. Von 2025 an werde die heutige Ausrichtung von PSA auf zwei Plattformen, die sowohl für Verbrennungsmotoren als auch für E-Antriebe geeignet sind, ersetzt durch zwei reine E-Plattformen. Zwischen 2025 und 2030 werde sehr viel geschehen, erwartet Tavares, denn dann müssten alle Autohersteller ihren Anteil an Stromern von 25 auf 60 Prozent steigern, um die neuen Flottenziele der Europäischen Union zu erfüllen.

    PSA bereitet sich darauf vor, indem es sowohl Motoren als auch Getriebe und Batterien selbst entwickelt und herstellt. „Das schafft uns einen Wettbewerbsvorteil, denn die Nachfrage nach Batterien wird nach 2025 sprunghaft ansteigen. Zwischen 2023 und 2025 würden die Fabriken für Batteriezellen in Nordfrankreich und in Deutschland anlaufen. Tavares gab bekannt, dass PSA soeben die entsprechenden Verträge mit den Partnern Total und Saft unterzeichnet habe. Nun warte man lediglich auf grünes Licht von der französischen und der deutschen Regierung. 

    Grafik

    Tavares ließ offen, ob PSA neben der Plattform und dem Antriebsstrang auch die Software für E-Autos selbst herstellen wird. Er richte sich danach, ob das für die Kundenzufriedenheit und für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sei, je nachdem werde dann zugekauft oder im eigenen Konzern entwickelt.

    Tavares sieht Spielraum auch für die Wasserstofftechnologie, allerdings vor allem bei Geschäftskunden, deren Autos jeden Tag zu einem festen Standort zurückkehren, da die Versorgung mit Wasserstoff ein Problem sei.

    Die Coronakrise hat den Kostenkiller nicht entmutigt, sie scheint ihn eher zu beflügeln. „Wir haben Tausende Dinge entdeckt, die wir effizienter machen können“, frohlockte der Manager. „Die Reise zur Kostensenkung geht weiter.“

    Ein Beispiel: PSA hat Telearbeit für die Büromitarbeiter zur Regel gemacht. 79 Prozent seien damit zufrieden. Tavares hat die Chance sofort erkannt und innerhalb weniger Monate fast eine Million Quadratmeter an Büroflächen eingespart, das sind fast sieben Prozent. Für Wettbewerber, die im Gegensatz zu PSA auf Beihilfen ihrer Regierung vertrauen, hat der Portugiese eine Warnung in petto: „Es kommt der Tag, an dem die Subventionen auslaufen, dann wird der wirkliche Abstand zum Wettbewerb deutlich.“  

    Mehr: Frist für EU-Prüfung der Fusion von PSA und Fiat Chrysler ausgesetzt

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