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Autoindustrie Fiat Chrysler liebäugelt mit Renault als Partner

Der Hersteller führt angeblich Gespräche mit Renault über eine weitgehende Kooperation. An diesem Montag tagen die Führungen beider Konzerne.
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Die FCA-Marke hat noch keinen Hybrid- oder E-Jeep im Angebot. Quelle: AFP
Jeep-Transporter

Die FCA-Marke hat noch keinen Hybrid- oder E-Jeep im Angebot.

(Foto: AFP)

Paris, New York, RomDie Gerüchte über eine weitgehende Kooperation oder gar eine Fusion von Renault und Fiat Chrysler (FCA) haben an diesem Wochenende an Kraft gewonnen. Bereits an diesem Montag könnten sie zur Gewissheit werden. Italienische Medien berichteten am Sonntag, dass die obersten Führungsgremien beider Unternehmen an diesem Montag zusammenkommen – in Paris wurde dies schließlich bestätigt. Die Unternehmen selbst wollten sich dazu nicht äußern.

Allerdings hat FCA-Chef Mike Manley, der nach dem Tod von Sergio Marchionne vor einem Jahr CEO des italo-amerikanischen Konzerns wurde, bereits mehrfach betont, dass Fiat Chrysler offen für Fusionen sei.

„Ich glaube, dass sich in den nächsten zwei oder drei Jahren signifikante Möglichkeiten einer Partnerschaft in der Autobranche ergeben werden“, sagte er kürzlich. Vor wenigen Wochen sah die FT bereits Peugeot-Citroën (PSA) kurz vor einer Fusion mit FCA. PSA-Chef Carlos Tavares sagte daraufhin, das sei kein Thema für ihn.

Carlos Ghosn, der mittlerweile abgesetzte Chef der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi, hatte 2016 die Rückkehr nach Nordamerika als Ziel ausgegeben. Denn bereits in den 70er-Jahren kauften die Franzosen AMC Jeep und stellten verschiedene Renault-Modelle im US-Bundesstaat Wisconsin her. 1987 war die französische Mutter in finanziellen Schwierigkeiten und verkaufte ihr US-Geschäft – an Chrysler.

Seitdem ist der nordamerikanische Markt praktisch ein weißer Fleck für Renault. Lediglich den zweisitzigen Elektroflitzer Twizzy verkaufen die Franzosen in Kanada. Denn Renault stellt kaum Autos her, die in den USA auf Nachfrage stoßen könnten, wie etwa große SUV oder Pick-ups.

Die Beteiligung Nissan setzte im vergangenen Jahr gut 1,4 Millionen Fahrzeuge in den USA ab. Renault ist an Nissan mit 43 Prozent beteiligt, die Japaner an Renault umgekehrt mit 15 Prozent. Der US-Markt ist äußerst wichtig für den japanischen Partner der Franzosen, er erlöst dort rund 40 Prozent seines Gewinns.

Doch wie im Rest der Welt ist Nissan auch in den Vereinigten Staaten in großen Schwierigkeiten, die Verkäufe brachen 2018 um zehn Prozent ein. Nissan-Chef Hiroto Saikawa will sich voll darauf konzentrieren, das eigene Unternehmen wieder rentabler zu machen.

Amerikageschäft ist Cash-Maschine für FCA

Ein Zusammenschluss mit FCA hätte für Renault den Vorteil, dank der Chrysler-Modelle sofort wieder in den USA mitspielen zu können. Die Belieferung des US-Marktes aus Mexiko oder Südamerika, wo Renault Werke hat, dürfte dagegen angesichts der protektionistischen US-Politik schwieriger sein.

Doch dieser Vorteil würde mit zunehmenden Spannungen im Innenverhältnis der Allianz erkauft. Im April hatte die neue Renault-Führung Nissan über eine japanische Investmentbank ein Angebot für eine Fusion unterbreiten lassen, das Saikawa sich nicht einmal genauer anschauen wollte.

Offiziell wird die Allianz seit der Verhaftung von Ghosn Ende 2018 durch ein neues gemeinsames Board geführt. Die Japaner legen Wert darauf, dass sie ihre Eigenständigkeit behalten.

Die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“ hält es deshalb für wesentlich wahrscheinlicher, dass FCA nicht der französisch-japanischen Allianz beitreten, sondern lediglich eine weitergehende industrielle Vereinbarung mit Renault schließen könnte.

Die Franzosen bauen bereits den Fiat Talento, einen Lieferwagen, der auf dem Renault Trafic beruht. Eine ähnliche, aber weitergehende Kooperation hatte Renault lange erfolgreich mit Daimler praktiziert. Doch seit dem vergangenen Jahr gibt es keine neuen gemeinsamen Projekte mehr.

Für FCA ist vor allem das Amerikageschäft zur Cash-Maschine geworden. Dort hatte sich schon Sergio Marchionne nur noch auf die großen SUVs und Pick-up-Trucks von Jeep und Ram fokussiert. Das zahlte sich aus, da die Amerikaner kaum noch normale Mittelklasse- oder Kleinwagen fahren.

Allerdings hat FCA dabei Zukunftsthemen wie Elektroautos und autonomes Fahren sträflich vernachlässigt. Bei den E-Autos hat FCA im Februar angekündigt, 4,5 Milliarden Dollar in verschiedene Fabriken zu investieren, um den Jeep in Zukunft auch als E-Version anzubieten. Aber es wird noch bis 2022 dauern, bis die geplanten zehn Hybrid-Jeeps und vier reine E-Jeeps auf den Markt kommen. Bei der schwierigen Suche nach Wegen, die europäischen Emissionsnormen zu erfüllen, würde FCA den Franzosen also nicht helfen. Renault und Nissan sind zwar Absatzweltmeister bei E-Autos, doch die absoluten Stückzahlen sind immer noch sehr gering.

Beim autonomen Fahren kann Fiat Chrysler zwar eine Kooperation mit Waymo vorweisen – der Tochter der Google-Mutter Alphabet. Aber die Zusammenarbeit beschränkt sich bisher vor allem darauf, Chrysler-Minivans als Testfahrzeuge bereitzustellen.

Experten halten Fusion für unausweichlich

Um in Zukunft die neuen Emissionsvorschriften zu erfüllen, hat FCA jüngst zu einem Trick gegriffen: Gegen Bezahlung hat sich der Konzern die Rechte gesichert, die Tesla-Flotte mitzuzählen. Aber die Italo-Amerikaner kaufen damit nur für teures Geld Zeit, ohne eine Lösung zu haben.

In Italien heißt es, die Verhandlungen mit Renault seien in einem fortgeschrittenen Stadium. John Elkann, der Chairman von Fiat Chrysler und Präsident und Verwaltungsratsvorsitzender der Exor-Holding, die 42 Prozent der Stimmrechte hält, steht Fusionen offen gegenüber. In einem Brief an die Exor-Aktionäre schrieb er Anfang April: „In dieser neuen und aufregenden Zeit sind wir und FCA entschlossen, eine aktive und ehrgeizige Rolle zu spielen.“

Experten in Italien sehen Vorteile einer möglichen Verbindung von Fiat Chrysler und Renault: FCA bediene mit den Marken Alfa Romeo und Maserati ein Marktsegment, das besonders rentabel sei und in dem Renault nicht im Wettbewerb mithalten könne. Die Maserati-Verkäufe waren allerdings zuletzt stark eingebrochen. Außerdem lagen die FCA-Zahlen für das erste Quartal unter den Erwartungen der Analysten. Der Nettogewinn von 508 Millionen Euro fiel im Vorjahresvergleich um 47 Prozent.

Um bei den Elektroautos aufholen zu können, hat nach Angaben Elkanns im Fiat-Werk Mirafiori in Turin der Bau der Produktionsstraßen für den „Fiat 500 elettrica“ begonnen, der Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen soll. Der Autoexperte Giuseppe Berta hält eine Fusion von FCA mit einer anderen Marke für unausweichlich: „FCA kann nicht passiv der negativen Entwicklung zuschauen, der Konzern muss ein Abkommen treffen“, sagt der Professor der Mailänder Wirtschafts-Uni Bocconi dem Handelsblatt. Eine Fusion mit Renault könne FCA helfen, die Verspätung bei der Entwicklung von Elektroautos auszugleichen, sagt ein Analyst.

Für Renault springt dabei allerdings nichts heraus. Und Fiat ist weitgehend von seinem Modell 500 abhängig. Doch Kleinwagen hat Renault selbst zur Genüge im Programm.

Mehr: Fusionsgerüchte und Tesla-Tricks: Fiat Chrysler sucht in Zeiten von E-Mobilität und autonomem Fahren noch immer seinen Weg.

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