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Parkplatz

Der Plattformmarkt für Gebrauchtwagen ordnet sich neu.

(Foto: mauritius images / Hans Blossey / imageBROKER)

Autoindustrie Kampf der Plattformen: Wie neue Technologien das Milliardengeschäft Autohandel revolutionieren

Finanzinvestoren, Konzerne und Autohersteller buhlen um das Vermitteln von Fahrzeugen. Die Kontrolle von Kundendaten und Warenströmen verspricht Milliardengewinne.
19.12.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren

München, Düsseldorf, Frankfurt Die Attacke auf den Markt wird aus dem Wedding gesteuert. Ende 2018 bezog HeyCar sein neues Domizil am Leopoldplatz im Herzen des neuen Berliner Kreativbezirks. Das ehemalige Quelle-Kaufhaus ist aus Sicht von HeyCar-Chef Markus Kröger der ideale Brutkasten für die Ideen von mittlerweile 200 Programmierern und Vertriebsspezialisten.

Das ambitionierte Start-up hat die Mission, das Geschäft mit Gebrauchtwagen aufzurollen. „Bislang war der Markt nicht sehr innovativ. Die anderen Plattformen haben das Geschäft mit Kleinanzeigen lediglich ins Internet gebracht“, sagt Kröger im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Mit den anderen Plattformen meint Kröger die etablierten Konkurrenten Mobile.de und Autoscout 24. Neunzig Prozent aller digitalen Angebote für Gebrauchtwagen in Deutschland laufen auf einer der beiden Plattformen, die sich im Auftreten kaum unterscheiden. „Der Markt ist zwischen Autoscout und Mobile aufgeteilt, die Händler kommen an diesem Duopol nicht vorbei“, sagt Jonas Wagner von der Münchener Strategieberatung Berylls.

HeyCar will das ändern: Nutzer müssen für ihre Wunschausstattung nicht mehr endlos Häkchen setzen, sondern finden sie per Freitextsuche. Statt bisweilen schwer zu vergleichenden Qualitätsversprechen einzelner Händler dürfen die Käufer auf einen durchgängig verbindlichen Garantiestandard vertrauen. Auch die Händler werden geködert: Sie zahlen erst an HeyCar, wenn das Auto tatsächlich verkauft wird.

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    Der einst eingefahrene Markt ist nicht erst mit dem Eintritt von HeyCar hellwach geworden. Neue Technologien revolutionieren die Autosuche und wecken Träume vom skalierbaren Autohändler. Mächtige Interessen und viel Geld buhlen mittlerweile um das digitale Vermittlungsgeschäft mit Gebrauchtwagen.

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    Hinter der 2017 gegründeten HeyCar steht der VW-Konzern, Daimler und das deutsche Kfz-Gewerbe, das seit Jahren gegen die steigenden Preise im digitalen Anzeigenhandel wettert. Auf der anderen Seite steht das äußerst lukrativ arbeitende Duopol aus der Ebay-Tochter Mobile.de und Autoscout 24.

    Deren hohe Margen wecken Begehrlichkeiten: Am Dienstagabend zahlte der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman (H&F) 2,9 Milliarden Euro für die Übernahme von Autoscout 24 an die Münchener Scout-Gruppe. „Diese Transaktion wird Autoscout  24 helfen, sich auf seine Wachstumschancen zu konzentrieren“, erklärte H-&-F-Partner Blake Kleinman den Deal.

    Elliott forderte Aufspaltung

    Vorausgegangen ist ein Bietergefecht, an dem sich neben weiteren Finanzinvestoren auch der japanische Investmentriese Softbank beteiligt haben soll. Dabei sorgte der Markt für eine immer bessere Situation des Scout-Managements. Anfang des Jahres hatten Hellman & Friedman und Blackstone bereits 5,7 Milliarden für die gesamte Scout-24-Gruppe geboten, zu der auch das wesentlich größere Immobilienportal Immoscout gehört.

    Doch der Deal scheiterte, weil 46 Euro pro Aktie einem Großteil der Aktionäre schließlich viel zu wenig war. Der Hedgefonds Elliott sah das genauso. Er stieg im Sommer bei Scout ein, forderte die Aufspaltung und erwartete allein für Autoscout 24 mindestens 2,5 Milliarden Euro. Zusammen mit anderen Hedgefonds drängte er Scout zum Verkauf. Der jetzige Kaufpreis gibt ihnen recht.

    Die Fantasie der Finanzinvestoren speist sich aus nackten Zahlen. Autoscout 24 ist in 18 Ländern aktiv und Branchenführer in Europa. Hierzulande ist man mit aktuell 1,13 Millionen angebotenen Autos nur die Nummer zwei. Aus Sicht des Managements reicht aber die Juniorrolle im Duopol mit Mobile.de.

    „Deutschland ist kein ‚The winner takes it all‘-Markt“, erklärte Scout-24-CEO Tobias Hartmann beim Kapitalmarkttag des Unternehmens im November. „Es gibt eine klare Nachfrage nach einer starken Nummer zwei, weil deutsche Händler es hassen, auf einen Anbieter angewiesen zu sein und keine Wahl zu haben.“ Lukrativ ist das Geschäft auch so: Für 2018 weist Autoscout 24 in einer Präsentation eine operative Marge von 53 Prozent aus.

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    Für die Autohändler ist das deutlich zu wenig Wettbewerb, sie können von solchen Margen nur träumen. Ende Juli wetterte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe gegen eine erneute Preiserhöhung von Autoscout. „Bei Stichproben in einigen Betrieben zeigte sich, dass bei Steigerungen von bis zu 25 Prozent jährliche Zusatzkosten im mittleren bis hohen fünfstelligen Euro-Bereich auflaufen können“, zürnte die Händler-Lobby.

    Die Konsequenz: Der ZDK ist mittlerweile stiller Teilhaber bei HeyCar. „Die Partnerschaft mit HeyCar war für den Verband der strategisch richtige Schritt“, sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn.

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