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Autoindustrie Porsche schärft seine Strategie für die Elektromobilität

Der Sportwagenbauer hat in den vergangenen Jahren immer neue Rekordgewinne verbucht. Doch nun passt Porsche-Chef Oliver Blume seinen Kurs an.
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Die elektrische Zukunft des Sportwagenbauers ist teurer in der Herstellung, deshalb will der Konzern nun mehr sparen. Quelle: Porsche
Porsche Taycan

Die elektrische Zukunft des Sportwagenbauers ist teurer in der Herstellung, deshalb will der Konzern nun mehr sparen.

(Foto: Porsche)

Stuttgart Der entscheidende Tag rückt immer näher. Am 4. September wird Porsche seinen ersten vollelektrischen Sportwagen der Öffentlichkeit vorstellen: den Taycan. Die Vorbestellungen laufen gut. Vielleicht laufen sie sogar ein bisschen zu gut. Denn dass die Umstellung auf Elektroautos schneller kommt als gedacht, ist für die Hersteller vor allem auch eins: teuer. Ein E-Auto kostet in der Herstellung mehr und wirft niedrigere Margen ab als Verbrenner.

So stolz also Porsche-Chef Oliver Blume seinen E-Flitzer präsentieren wird, so klar ist auch, dass er sein Unternehmen nicht nur auf der Produktionsseite fit für die E-Zukunft machen muss, sondern auch auf der wirtschaftlichen Seite. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kündigt Blume eine Anpassung der bisherigen Strategie an, intern heißt die Neuauflage „Strategie 2025 Plus“.

„Wir müssen in guten Zeiten diszipliniert haushalten, um uns sattelfest für die Zukunft aufzustellen“, sagte Blume. Porsche habe eine gute Strategie eingeschlagen. „Aktuell sind wir stabil aufgestellt. Aber mit zunehmender Elektrifizierung wachsen die Herausforderungen. Wir sehen, dass die Renditen bei den E-Autos niedriger sind.“ Deswegen solle das Ergebnisprogramm angepasst werden. So nennen die Zuffenhausener jenes Programm, das anderswo wohl schlicht Sparprogramm hieße. Der Vorstand verbindet damit aber auch Strategien, um neue Ertragsquellen zu erschließen.

Erster Ansatzpunkt sind die Mitarbeiter – allerdings nicht die bestehenden, sondern die zukünftigen: „In den letzten zehn Jahren hat sich die Belegschaft von Porsche mehr als verdoppelt. Diese Kurve flacht nun etwas ab, unsere Belegschaft wird langsamer wachsen“, sagt Blume.

2018 wurden noch 8,5 Prozent mehr Leute eingestellt als im Vorjahr. Für diese mehr als 2500 neuen Stellen seien rund 160.000 Bewerbungen eingegangen. Im laufenden Jahr wird ein deutlich kleineres Plus übrig bleiben. „Wir stellen nach wie vor ein, konzentrieren uns aber verstärkt auf Kernkompetenzen für die Zukunft“, so Blume. Gesucht sind etwa Experten für Künstliche Intelligenz.

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Im Vergleich zu den Gewinnwarnungen und heftigen Stellenabbauprogrammen bei anderen Autoherstellern nehmen sich die Maßnahmen bei Porsche mild aus. Für die erfolgsverwöhnten Porscheaner dürfte die Nachricht des Vorstandschefs dennoch schwer zu verdauen sein – weil sie das Ende des jahrelangen Höhenflugs bedeutet.

Allein in den vergangenen vier Jahren hat sich der Absatz von rund 225.000 auf 256.000 Autos erhöht, korrelierend der Umsatz von rund 21,5 auf 26 Milliarden Euro. Noch relevanter ist die Entwicklung des operativen Ergebnisses (vor Zinsen und Steuern). Das steigerte Blume von 3,4 Milliarden Euro 2015 auf 4,3 Milliarden Euro 2018. Bisher also kannte Porsche nur eine Richtung: nach oben.

Am vergangenen Freitag lud Blume die 700 wichtigsten Führungskräfte zur jährlichen Management-Konferenz ein – auch um sie auf die neue Zeit einzuschwören. Schon die Veranstaltung selbst ist für die Mitarbeiter ein Signal: Sie kostete nicht mal halb so viel wie jene im Vorjahr.

Sparen beim Führungstreffen

Um miteinander ins Gespräch zu kommen, muss man nicht an eine exotische „Location“ reisen. Blume versammelte seine Leute im Logistikhof hinter dem Porsche-Museum in Zuffenhausen. Nebenan rattert die S-Bahn vorbei, abgeschirmt von einfachen Holz-Stellagen. Unter dem Dach der Halle wartete aber dann doch immerhin ein schickes Buffet auf die Mitarbeiter. Sie sollten ja auch nicht demotiviert werden.

Schließlich wollen die sieben Vorstände von ihren ehrgeizigen Vorgaben nicht abrücken. „Wir halten am Ziel einer Umsatzrendite von 15 Prozent fest“, sagt Blume. Die Kapitalrendite soll weiterhin über 21 Prozent liegen. Das wird die Eigentümer freuen, den Volkswagen-Konzern und damit auch die Familie Porsche.

Für sie ist der Sportwagenbauer noch immer von großer emotionaler Bedeutung, auch wenn vor zehn Jahren – in der Übernahmeschlacht um VW – die Eigenständigkeit der Zuffenhausener aufgegeben werden musste. Und so erklärt sich, dass Wolfgang Porsche jedes Jahr bei der Management-Konferenz spricht. Er ist zugleich auch Aufsichtsratschef bei Porsche. Der Inhalt seiner Rede – der bleibt stets in den eigenen Reihen.

Klar ist: Um das ehrgeizige Renditeziel erreichen zu können, muss gespart werden: mindestens sechs Milliarden Euro bis 2025 und ab dann weitere zwei Milliarden Euro jährlich. Über 2.000 Maßnahmen liegen auf dem Tisch.

Wie hoch die bis jetzt schon erreichte Einsparsumme ist, will Blume nicht bekannt geben. Nur so viel: „Wir kommen gut voran und liegen gut auf Kurs.“ Über 500 Personen seien derzeit mit dem Ergebnisprogramm beschäftigt, bis zum Jahresende soll über die Hälfte aller Maßnahmen entschieden sein.

Die angepasste Strategie ist zugleich auch die Vorbereitung auf den nächsten großen strategischen Wurf: Im nächsten Jahr soll die Strategie 2030 verabschiedet werden. „Eine Strategie ist nur so gut, wie sie flexibel ist. Die Welt verändert sich. Und deswegen passen wir auch unsere Strategie regelmäßig an die Rahmenbedingungen an“, so Blume.

Der Porsche-Chef darf beim Umbau auf treue Kunden hoffen. Quelle: dpa
Oliver Blume

Der Porsche-Chef darf beim Umbau auf treue Kunden hoffen.

(Foto: dpa)

Hochautomatisiertes Fahren komme später, durch die Digitalisierung hätten sich manche Möglichkeiten eröffnet, die man vor fünf Jahren so noch nicht gesehen habe. „Und die Elektromobilität kommt schneller, als die Prognosen vor fünf Jahren nahegelegt haben“, sagt Blume.

Während links und rechts neben ihm Autohersteller und Zulieferer von Konjunktursorgen geplagt sind, zeigt sich Blume gelassen: „Wer die Möglichkeiten kreativ nutzt, wird sich auch in Zukunft durchsetzen. Dazu gehören Mut und Entscheidungsstärke. Wenn Produkte attraktiv sind, werden sie Kunden begeistern und neue Marktpotenziale erschließen.“

Seine Ruhe hat auch mit der Kundschaft zu tun. Die Fans der hochpreisigen Sportwagen reagieren nicht ganz so sensibel auf konjunkturelle Schwankungen. Dadurch kann sich Porsche dem Abwärtssog womöglich etwas länger entziehen als ein Massenhersteller.

Empfindlich treffen würden Porsche jedoch die von den USA angedrohten Strafzölle. Da der Hersteller kein US-Werk hat und sich dieses aufgrund der niedrigen Stückzahlen auch nicht lohnt, müsste man mit Einbußen rechnen. Auch der Absatzmarkt China wird für Porsche immer wichtiger.

Und was, wenn die Kunden im September doch nicht so begeistert vom Fahrspaß ohne den typischen Porsche-Klang sind? Auch für den Fall winkt Blume gelassen ab. Die Produktion sei so aufgestellt, dass man in den nächsten Jahren sehr flexibel auf die Entwicklung der Nachfrage reagieren könne. Verbrenner, Hybrid oder vollelektrisch – Porsche will liefern, was der Kunde will.

Mehr: Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke hat nicht nur die Zahlen des Unternehmens im Blick, sondern will auch Innovationen und neue Geschäftsmodelle fördern. Was dem Porsche-Finanzchef wichtig ist, lesen Sie hier.

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