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Autoindustrie Start-ups auf der Autobahn – So wird der Verkehr der Zukunft gestaltet

Die Autoindustrie braucht Ideen aus der Technologiebranche, um im Wettbewerb der Zukunft einen Vorteil zu haben. Start-ups und Industrie rücken zusammen.
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Porsche und „Holoride“ lassen die Passagiere eines Autos in virtuelle Unterhaltungswelten eintauchen. Quelle: Porsche
VR-Brille von Holoride

Porsche und „Holoride“ lassen die Passagiere eines Autos in virtuelle Unterhaltungswelten eintauchen.

(Foto: Porsche)

Stuttgart Wenn es um Zukunftstechnologie für den Verkehr von morgen geht, kommt Cem Özdemir gerne nach Stuttgart. „Wir haben nach dem Krieg unsere Städte um die Autos gebaut. Die Straßen werden wieder Raum abgeben müssen. Wir brauchen intelligente Lösungen“, sagt der Grünen-Politiker in seiner Keynote beim Expo Day der Start-up-Autobahn. In den hippen Wagenhallen am Stuttgarter Nordbahnhof trifft er auf Jungunternehmer, die Themen wie Carsharing, virtuelle Realität, Drohnen oder elektronische Bezahlmodelle energisch und mit ganzer Kraft vorantreiben.

Die Start-up-Autobahn ist eine typisch schwäbische Idee. Mate-Tee und Fritz-Kola gibt es nur, wenn auch etwas dabei herauskommt. So haben die Stuttgarter vor drei Jahren unter Patenschaft von Daimler eine Plattform geschaffen, bei der internationale Hightech-Gründer direkt Projekte mit den Großen der Branche, darunter auch Porsche, Bosch oder BASF, durchziehen. Im inzwischen sechsten Programm arbeiten in 69 Projekten 39 Start-ups mit 25 Unternehmen zusammen. Zweimal im Jahr werden die Ergebnisse präsentiert.

Besonders intensiv nutzt diesen Hightech-Highway derzeit Porsche mit allein zehn Projekten. Bei Elektromobilität und vor allem autonomem Fahren wird es gerade für den Sportwagenbauer sehr anspruchsvoll, sich mit Exklusivität von der Masse abzuheben.

Einer der Kooperationspartner ist Holoride. Ziel ist es, die Passagiere eines Autos in virtuelle Unterhaltungswelten eintauchen zu lassen. Das System nutzt eine VR-Brille, die mit Sensoren im Fahrzeug gekoppelt ist.

In Echtzeit passen sich die virtuellen Projektionen in der Brille – wie etwa ein Spaceshuttle-Flug – an die Fahrbewegungen des Autos an. „Das System entspannt nicht nur, sondern sorgt dafür, dass einem auf der Rückbank nicht so schnell unwohl wird“, sagt Holoride-Gründer Nils Wollny. Was klingt wie Unterhaltungs-Schnickschnack könnte gerade beim autonomen Fahren und der damit verbundenen erhöhten Gefahr von Reisekrankheit zusätzliche Bedeutung gewinnen.

„Durch die Start-up-Autobahn konnten wir innerhalb von nur 100 Tagen einen Prototypen realisieren“, betont Wollny. Auch die Bilanz auf der Gegenseite hört sich hoffnungsvoll an. „Holoride eröffnet eine neue Dimension für Unterhaltung im Auto. Wir freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Schritte“, sagt Anja Mertens, Projektleiterin Smart Mobility bei Porsche.

Die Drohne als persönlicher Assistent

Ausprobiert werden vor allem Dinge, die in großen Konzernen intern eher schwierig sind. So hat zum Beispiel Fairfleet ein weltweites Netzwerk mit professionellen Drohnen-Piloten aufgebaut. „Unseren Dienst nutzen Versicherungen nach Stürmen, um die Schäden mit hochauflösenden Kameras aus der Luft aufzunehmen“, sagt Mitgründer Dario Manns.

Mit Porsche treibt er ein Projekt voran, bei dem die Fairfleet-Drohnen den Zustand der Reifen von Porsche-Fahrzeugen im Verkehr überwachen. Noch Zukunftsmusik, aber auch die Drohne als persönlicher Assistent des Porsche-Fahrers ist eines Tages denkbar. Zumindest in den Werbefilmen zur neuen Porsche-Strategie fliegt schon einmal auffällig eine Drohne durchs Bild.

Mit dem kalifornischen Start-up Foghorn hat Porsche schlüssellosen Zugang zum Fahrzeug via Gesichtserkennung entwickelt. Das Unternehmen ist Spezialist für sogenannte „edge intelligence“. Internetkonzerne hätten am liebsten alles in der Cloud und damit unter ihrer Kontrolle. Dagegen werden beim Edge-Computing Daten dezentral am Rand („edge“) des Netzwerks verarbeitet. Für Zulieferer wie Bosch hat das den Charme, dass die Autoteile vor Ort mit Chips intelligenter werden und damit höherwertiger. Auch deshalb beteiligte sich Bosch bereits vor drei Jahren an Foghorn.

In der dichten Atmosphäre der Wagenhallen vermischen sich an diesem Tag mitunter die Unternehmensgrenzen. Daimler arbeitet bei einer Blockchain-Lösung für sichere Miet- und Finanztransaktionen im Internet erstmals mit gleich vier Start-ups gleichzeitig zusammen.

Edge-Computing, Blockchain, Drohnen – wenn es um neue Kompetenzen geht, haben die Start-ups gute Karten. Bei konventionellen Erfindungen wie einer speziell schwenkbare Düse mit 40 Prozent weniger Wasserverbrauch ist es schwieriger. „Geschirrspülmaschinen würden sich anbieten, aber da kommen wir nicht rein“, sagt ein Gründer. Unausgesprochen lässt er den Grund dafür: „not invented here“. Gemeint sind Vorbehalte von Großkonzernen gegenüber fremden Ideen. Dieses Denken zu überwinden hat sich die Start-up-Autobahn zum Ziel gesetzt. Und es scheint meist zu funktionieren. „Hier wird nicht nur gequatscht, hier kommen die Konzernvertreter mit Budgets“, sagt einer der Gründer.

Cem Özdemir testete bei seiner Abfahrt zum Bahnhof gleich mal die VR-Brille von Holoride. Schlecht ist ihm dabei nicht geworden.

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